Zwischenfall in Paris"Viele haben gebetet": Notre-Dame als Zufluchtsort

Ein Polizist hat in Paris vor der Kathedrale Notre-Dame einen Angreifer angeschossen. Dieser soll versucht haben, einen Beamten mit einem Hammer anzugreifen.

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FRANCE-UNREST-ATTACKS
Das Gelände wurde abgeriegelt. © APA/AFP/BERTRAND GUAY
 

Nach einem Angriff auf einen Polizisten vor der Pariser Kathedrale Notre-Dame gehen Ermittler einem Terror-Verdacht nach. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm den Fall, wie die Behörde am Dienstag bekanntgab. Nach Angaben der Behörden eröffnete die Polizei das Feuer und verletzte den Angreifer. Auf dem Vorplatz der Kirche halten sich üblicherweise viele Touristen auf.

Der mutmaßliche Täter habe einen Beamten mit einem Hammer angegriffen, berichtete der Nachrichtensender BFMTV. 900 Menschen seien nach dem Vorfall zunächst in der Kathedrale festgehalten worden. Die Identität des Mannes und die genauen Hintergründe des Zwischenfalls blieben zunächst unklar.

Nach Angaben der Pariser Polizeipräfektur wurde ein Polizist verletzt, der Angreifer sei ins Krankenhaus gebracht worden. Die Situation sei unter Kontrolle.Die Behörde hatte zuvor auf Twitter dazu aufgerufen, den Bereich um die Kirche im Herzen der französischen Hauptstadt zu meiden. Das Areal wurde weiträumig abgesperrt.

Viele Besucher der Kathedrale im gotischen Stil und des historischen Stadtviertels auf der von der Seine umschlossenen Ile de la Ciete wussten zur Tatzeit nicht genau, was passiert. "Ich hörte einen Knall, ich dachte, es sei ein Gewitter", berichtete Joe Ann Paulus aus dem US-Bundesstaat Georgia mit ruhiger Stimme. Sie war für einen Tag in die französische Hauptstadt gekommen.

"Ich hielt mich am Eingang der Kirche auf. Polizisten riefen: "Bewegen Sie sich, bewegen Sie sich!" Die Menschen seien in die Kirche geflüchtet. Es habe aber keine Panik gegeben. "Sie waren wunderbar", bilanzierte die ältere Frau mit Blick auf die Ordnungshüter.

Bis zu 1000 Menschen finden in der Kirche Zuflucht. Unter ihnen sind auch Lukas und Slawomir, die aus Polen stammen und mit ihren Familien im nordrhein-westfälischen Bochum leben. Fast zwei Stunden harren sie in dem Gotteshaus aus.

"Zuerst sind die Leute hin- und hergelaufen. Dann musste sich jeder setzen. Viele haben gebetet", erzählten sie. Dann durften die ersten die Kathedrale verlassen. Familien mit Kindern hatten Vorrang. Auch sie sind als Tagestouristen gekommen, da die Kinder keine Schule haben. Haben sie schon einmal eine solche Situation erlebt? "Nein", antwortete ein Mädchen. Sie habe bisher nur davon gehört.

Frankreich wird seit rund zweieinhalb Jahren von einer beispiellosen Terrorserie erschüttert, knapp 240 Menschen wurden bei Anschlägen ermordet.Sicherheitskräfte waren in Frankreich mehrfach Ziel von Anschlägen. Mitte April war ein Polizist auf dem Pariser Prachtboulevard Champs-Élysées von einem Gewalttäter erschossen worden.

In Frankreich gilt weiter der Ausnahmezustand, der nach den Anschlägen vom 13. November 2015 verhängt worden war. Der Ausnahmezustand soll nach Plänen der Regierung bis Anfang November 2017 verlängert werden.

Kathedrale Notre-Dame

Auf der Seine-Insel Ile de la Cite im Herzen von Paris gelegen, ist die Kathedrale Notre-Dame eines der Wahrzeichen der französischen Hauptstadt - und ein Touristenmagnet. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1163 zurück, als der Bau unter Bischof Maurice de Sully begann. Fast 200 Jahre vergingen bis zu seiner Fertigstellung.

Die Dimensionen der im gotischen Stil konstruierten und der Jungfrau Maria geweihten Kirche mit ihren beiden majestätischen Türmen sind gewaltig: 127 Meter lang, 40 Meter breit und bis zu 33 Meter hoch.

Das 1793 von Frankreichs Revolutionären geplünderte und verwüstete gotische Meisterwerk wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von Grund auf restauriert. Es zählt seit 1979 zum Weltkulturerbe der UNESCO und ist Attraktion für Millionen Touristen aus aller Welt. Mit seinem 1831 erschienenen historischen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur.

Nach Angaben des französischen Innenministers Gerard Collomb hat der Angreifer auf einen Polizisten vor der Pariser Kathedrale Notre Dame geschrien: "Das ist für Syrien". Wie Collomb am Dienstag weiter erklärte, habe der Mann einen algerischen Studentenausweis bei sich gehabt, dessen Echtheit noch geprüft werden müsse.

FRANCE-UNREST-ATTACKS
Foto © APA/AFP/BERTRAND GUAY

Der Angreifer habe offenbar allein gehandelt. Der Mann habe außer einem Hammer ein Küchenmesser gehabt, sagte der Minister vor Journalisten. Die Verletzungen des angegriffenen Polizisten seien nicht sehr schlimm, fügte er hinzu.

Christian Böhmer,Sebastian Kunigkeit/dpa, Red

Kommentare (10)
tomtitan
0
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verharmlosung

eigenartig, daß man im zusammenhang mit dem islamistischen terror immer vergleiche wie "...26 000 Verkehrstote im vergangenen Jahr in Europa..." oder "...einen höheren Lottogewinn zu haben ist auch viel höher..." hört, aber diese vergleiche nie im zusammenhang mit der zahl der ertrunkenen flüchtlinge im mittelmeer strapaziert werden.

X22
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Wenn du denn Kommentar verstehst, würdest du wissen, dass es um die Angst der Leute ging, nicht um eine Verharmlosung der Tatsache des ausgeübten Terrors!

Also schreib bitte keinen Blödsinn von Verharmlosung, wir alle wissen genau, dass es hier um eine Pseudoreligiöse Terrorvereinigung geht, und vergleiche es nicht mit den Flüchtlingen, dass ist schäbig!

Hohenwanger
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Für die die diese Not erleiden müssen

Warum müssen die das erdulden, ein anderes System
mittragen zu tragen haben. Die sterben für diese Ideologie.
Reich werden die die andere Unterdrücken und ausnützen können.

sugarless
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Israel

bald wird der Nahe Osten sicherer sein als Europa, hoffentlich gelten wir dann als nicht mehr sicherer Drittstaat und uns werden keine Flüchtlinge mehr zugeteilt.

Planck
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Der übliche Schwachsinn aus dem üblichen Eck.

EIN Mann (sic) hat PolizistEN (sic) mit einem Hammer (sic) angegriffen.
SIE haben natürlich den Feind ausgemacht (wen interessieren schon Fakten, wenn man ein Feindbild hat, ned woahr?) und wissen folglich alles, was sich für Sie zu wissen lohnt.
Sie sollten auf Ihren Zucker achten, ganz ohne wird's prekär ... ^^

selbstdenker70
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...

Fast jeden dritten Tag ein Anschlag. Da darf man sich aber nicht wundern wenn einem langsam das geimpfte aufgeht sobald man das Wort Islam, burka und ähnliches hört oder sieht. Die Zeiten solche Menschen ins braune rechte Eck zu treiben sind vorbei .

6N90XN8ZW1THYHOG
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Haha, und jetzt klatschen wir uns mit den Schweinshaxenfett-verschmierten Pratzen auf die Lederhose!

Der war gut, habe selten so gelacht mit Ihnen, dem Stammtisch-verwöhnten Mann aus dem "Volk" ;-)

BigBang12
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@sugarless

Ich möchte keine der Terrortaten relativieren oder verharmlosen, der Wahnsinn gehört mit geeigneten (welche?-ich bin da auch überfragt) Mitteln gestoppt, aber es ist auch nicht hilfreich ein Unsicherheitsgefühl aus Frust herbeizureden. 360 Opfer durch Terror im vergangenen Jahr darf man nicht negieren. 26 000 Verkehrstote im vergangenen Jahr in Europa aber auch nicht und diese erschreckend hohe Zahl verursacht in unserer Gesellschaft weder ein Achselzucken noch ein Angstgefühl und geriert schon gar keine energischen Maßnahmen diese Zahl zu minimieren. Ist das nicht grotesk?

Landbomeranze
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Richtig! Alles ist relativ. Nur den Opfern der Anschläge

nützt ihr Vergleich wenig und er nützt auch jenen wenig, die ein Kribbeln verspüren, wenn sie einem Bärtigen mit ausländischem Aussehen in einer Menschenmenge begegnen.

X22
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Re: Richtig.....Den Leuten wird etwas suggeriert was es Real nicht in diesem Ausmaß gibt, die Wahrscheinlichkeit bei einem Verkehrsunfall verletzt zu werden ist viel, viel höher und doch stellen wir uns dieser Gefahr täglich, von vielen sogar der Gefahr gar nicht bewusst.

Das fiel mir sofort nach dem lesen ihres Kommentares ein; Ja,ja der Georg Clouney, mit oder ohne, das Kribbeln ist schon verdammt unangenehm! Man kann sich auch mit Humor dieser Angst stellen, gibt sicher auch ein paar schlaue Bücher darüber, ist wahrscheinlich besser als eine Wahrscheinlichkeit, die es gibt, verstehen zu wollen. Und zum eigenen Sinneswohl trägt es mehr dazu bei.
Nebenbei einen höheren Lottogewinn zu haben ist auch viel höher als einen Terroranschlag miterleben zu müssen. Das eine wünscht man sich, dass andere eher nicht.