In letzter Zeit verbringe ich gerne Zeit in Museen, denn ich finde es für ein paar Augenblicke abseits des Alltags beruhigend, dass in den großen Sälen die Welt stillsteht, und ihre großen Drehungen, Zusammen- und Umbrüche schon hinter sich hat. Ich gönne mir das Staunen, den Überschuss an Schönheit, hin und wieder sogar den leisen Rausch hinter der Stirn, der einen erfassen kann, wenn man vor einem Werk innehält, das man kennt und verehrt. So manches Bild besucht man wie einen lieben, alten Freund, um dann doch fremd vor seiner Macht zu stehen und sich der Größe zu ergeben. Je nach Gestimmtheit mache ich mal den ausgemergelten Sinnlichkeitsleibern Schieles die Aufwartung, mal kehre ich in die tausendgrünen Landschaften Klimts heim, an anderen Tagen suche ich dringend die Gesellschaft von Maria Lassnig, oder halte Zwiegespräch mit den Gespenstern Francis Bacons. Für jedes noch so verquere Bedürfnis im Menschen drin findet man hier den richtigen Rahmen. Vor den Bildern vergisst man die Zeit, ohne sie zu verlieren, und verlässt schlussendlich die Räume mit dem Gefühl, innerhalb weniger Stunden mehr als eine ganze Welt bereist zu haben.