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Es bleibt in der Familie

FIRMENJUBILÄUM. Wenn ein Unternehmen wie das Autohaus Robinson 111 Jahre alt wird, gibt es eine Menge zu erzählen. Geschichten von 101 Hebebühnen und über den Vorteil, drei Generationen unter einem Dach zu haben.

Verena ­Robinson, ihr Vater Heinz ­Robinson (rechts) und der ­Geschäftsführer Paul Schweig­hofer (links) mit einem Styria-Fahrrad von 1927 – wie es ihr Urahn am ersten Standort auch verkauft hat © Richard Großschädl
 

Ob er sich das heute auch trauen würde? Heinz Robinson muss kurz überlegen. Als gewiefter Taktiker trifft man keine voreiligen Entscheidungen. „Es kommt ganz drauf an, wie man es vermarktet. Als Ergänzung wären Fahrräder aber durchaus vorstellbar.“ Also das genaue Gegenteil zu damals vor 111 Jahren, als sein Großvater Douglas Robinson in Graz die Pforten seines ersten Geschäfts öffnete und neben Autos von Opel und Steyr auch Fahrräder der Marke Styria im Programm hatte. So kam 1908 also alles ins Rollen. Genau mit so einem Fahrrad aus dem Jahr 1927 als Fotomodell haben der Enkel des Gründers, dessen Tochter Verena und der Geschäftsführer Paul Schweighofer eine kleine Runde gedreht.

Generationsfragen. Ob Heinz Robinson alles genauso machen würde wie sein Vorfahre? „Das kann man als übernächste Generation nur schwer beurteilen. Damals war es definitiv Pionierarbeit. Mein Großvater war ja englischer Abstammung und offensichtlich von der Motorisierung fasziniert. Aber Autos waren damals noch Beiwerk. Ohne Fahrräder wäre nichts zu holen gewesen.“
Warum sich Mister Robinson gerade die steirische Hauptstadt als Standort ausgesucht hat? „Mein Großvater ist ja in Wien geboren. Warum er nach Graz ging, wissen wir nicht. Aber wir vermuten, dass ihn die Liebe nach Graz gezogen hat.“

Oder aber: „Vielleicht ist er hergekommen, weil es noch kein Autohaus gegeben hat“, ergänzt Verena Robinson, die das Unternehmen seit 2015 leitet. „Wir sind ja das erste in der Steiermark gewesen und haben bis jetzt mehr als 130.000 Autos verkauft.“ Opel blieb Robinson 40 Jahre lang treu, Mazda wird bereits seit 35 Jahren vertrieben, Kia seit einem Vierteljahrhundert. Den ersten Standort behielt man nur kurz. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte man sich im Roseggerhaus in der Annenstraße an, um endlich ein größeres Geschäftslokal zu bauen. Es folgten Jahre des Wachstums, und 1955 eröffnete schließlich der Sohn des Gründers, Harald Robinson, in der Kärntner Straße den neuen Betrieb. „Ich bin 1979 gleich nach der Matura und dem Bundesheer eingestiegen“, erzählt Heinz Robinson, „und musste nach dem frühen Tod meines Vaters 1983 den Betrieb schon bald alleine weiterführen.“

Heinz Robinson und seine Tochter Verena sind die dritte und vierte Generation der Familie, die die Geschicke des Unternehmens lenkt Foto © Richard Großschädl

Eine dramatische Wendung, die aber zu einer unglaublichen Tiefe des Unternehmertums geführt hat. Wie hält man sich 35 Jahre lang in diesem immer schwieriger werdenden Business? „Die Begeisterung fürs Auto ist natürlich ein wichtiger Punkt. Wir schauen auch sehr auf unsere Mitarbeiter, haben bis jetzt weit über 1000 Lehrlinge ausgebildet. Und natürlich kommt noch dazu, dass wir als Familienunternehmen immer eher vorsichtig agiert haben. Wir haben nie die Sterne vom Himmel geholt, sondern sind immer am Boden geblieben.“

Wichtig ist natürlich auch, dass die eigene Familie dahintersteht. „Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Kinder dafür interessieren. Wir haben es ihnen auch nie nahegelegt, ins Autogeschäft zu gehen“, ergänzt der stolze Papa und blickt zu seiner Nachfolgerin. War die Karriere im eigenen Haus also nicht eindeutig vorgezeichnet, Frau Robinson? „Nein, das hat sich erst so ergeben. Nach meinem Studium war ich für einige Zeit in Südkorea bei der Außenhandelsstelle. Erst 2010 hat mich mein Vater gefragt, ob ich eine Stelle übernehmen möchte. Nach einer kurzen Bedenkzeit habe ich zugesagt.“

Dabei war die Begeisterung für das Automobil nicht in die Wiege gelegt. „Die kam erst mit der Zeit. Bei mir stand die Faszination am unternehmerischen Denken im Vordergrund. Und dass ich Betriebswirtschaft studiert habe, ist mir da natürlich sehr entgegengekommen.“ Was ihrer Ansicht nach die Stützpfeiler des Erfolgs sind: „Wir haben im Unternehmen gute Strukturen und motivierte, teils langjährige Mitarbeiter“, sagt Verena Robinson. Eine Start-Erleichterung für Familienmitglieder hatte sie jedoch nicht: „Den Respekt hat man nicht von Haus aus. Den muss man sich schon selber erarbeiten.“

111 Jahre Autohaus Robinson

Douglas Robinson war erst 24 Jahre alt, als er 1908 in der Grazer Neutorgasse das erste Autohaus in der ­Steiermark eröffnete. Die ersten Marken: Autos von Opel und Steyr und Fahr­räder von Styria.

Harald Robinson übernahm den Betrieb im Alter von 28 Jahren. Er trieb die Expansion voran, nahm weitere Marken ins Portfolio auf und war auch federführend für den Bau des Betriebes in der Kärntner Straße.

Heinz Robinson musste nach dem Tod seines Vaters im Jahre 1983 schon im Alter von 25 die Geschicke des Unternehmens lenken. Neben Mazda nahm er als einer der Ersten auch Kia ins Programm auf.

Verena Robinson studierte Betriebswirtschaft, gelangte erst 2010 nach einem Streifzug durch andere Branchen in den elterlichen Betrieb. 2015 übernahm sie im Alter von 31 Jahren die  Geschicke des Hauses.


Der Vorteil, auf die Meinungen unterschiedlicher Generationen zurückgreifen zu können, manifestiert sich seit zehn Jahren aber in einem kongenialen Dreigestirn, und zwar seit ein junger Herr in die Dienste der Familie trat: „Ich bin sozusagen in einem Autohaus aufgewachsen. Also hat eigentlich immer nur dieser Job zu mir gepasst“, erzählt Paul Schweighofer. „So hat mich die Liebe zum Automobil zur Firma Robinson gebracht. Wir sind jetzt drei Generationen – und es ist immer gut, drei Blickwinkel zu haben.“
Denn als Geschäftsführer hat man heutzutage mehr Herausforderungen zu bewältigen denn je. „Keine Branche steht vor einer ungewisseren Zukunft als die unsere. Im operativen Geschäft braucht man einfach Weitblick. Und wenn dann von der Eigentümerseite keine Unterstützung kommt, ist das schon gefährlich.“

So aber wird zu dritt an den Themen der kommenden Jahrzehnte gefeilt. Und diese Themen sind breiter gestaffelt als je zuvor. „Das Auto sehe ich zwar nach wie vor als Statussymbol, aber ob man dieses Statussymbol noch besitzen muss oder etwa nur mietet, ist nicht mehr so relevant. Das Mobilitätsverhalten ist im Umbruch, und das betrifft natürlich auch den klassischen Autohändler“, sagt Schweighofer.

Die ganze Flotte im Schauraum zu zeigen, wird kaum mehr zu realisieren sein. Stattdessen werden 3D-Brillen es einfacher machen, sich das persönliche Wunschmodell virtuell zu konfigurieren. Und für Verena Robinson bieten die Umwälzungen der kommenden Jahre sogar große Chancen: „Die Mobilität wird facettenreicher. Die Kunden brauchen also wieder mehr Beratung, und da können wir natürlich gut helfen.“

Der Autohändler wird also nicht nur zum Dienstleister, „er wird zum Mobilitätsberater. Wenn man einem Kunden ein Auto verkauft, muss man ihm künftig andere Modelle zum Ausleihen bieten. Im Winter einen Allradler, im Sommer ein Cabrio. Diese Besitzmodelle werden kommen, dafür braucht man jede Menge Platz. Aber den haben wir zum Glück ja in unserem Betrieb“, sagt Heinz Robinson. Und das, obwohl große Teile davon vor langer Zeit einer neuen Aufgabe zugeteilt worden sind.

„Es gab Anfang der 1970er-­Jahre bei uns noch 101 Hebebühnen. Damals hat man schließlich alle sechs Monate einen Ölwechsel machen müssen, Achsen mussten abgeschmiert werden und so weiter. Aber mein Vater hat gesehen, dass man so nicht mehr weitermachen kann, und hat die Hälfte des Betriebes zu einem Einkaufszentrum umgebaut. Das war ein gewaltiger Aufwand, aber im Nachhinein waren wir heilfroh, zu diesem ersten zweiten Standbein gekommen zu sein.“

Aber für neue Ideen offen zu sein, war schon immer Teil der Robinson’schen Unternehmenskultur. „Das ist schon ein Vorteil. Es gibt keine langen Sitzungen, alles passiert auf kurzem Weg“, erzählt Heinz Robinson. „Manche Dinge muss man schnell entscheiden. Dann besprechen wir das kurz, und fertig.“
Für Geschäftsführer Paul Schweighofer kam schon von Kindesbeinen an nur ein Job in einem Autohaus infrage Foto © Richard Großschädl

Bleibt zum Abschluss natürlich noch die Frage, wo die Akteure sich und ihre Firma in elf Jahren sehen? „Ob ich noch in der ­gleichen Position bin, weiß ich nicht. Das wird auch von meiner Tochter abhängen“, meint der Senior verschmitzt und fügt hinzu: „Eher muss man sich die Frage stellen, wo man die Branche in elf Jahren sieht. Bis dahin wird sich vermutlich noch nicht viel verändert haben. Spannender ist eher, wo man das Autogeschäft in 30 Jahren sehen wird, zumal viele Hersteller den Absatz auch außerhalb der normalen Vertriebswege suchen.“

Für Schweighofer ist ein Trend der Zukunft die kurzfristigere Denkweise: „Was man nicht mehr machen kann, ist, etwas auf 20 Jahre zu planen. Das ging vielleicht noch in den 1980er-­Jahren, aber nun wäre das zu riskant. Weil eine Art von Umbruch wird kommen, allein wenn autonom fahrende Autos sich durchsetzen werden. Und an diese aktuellen Veränderungen muss man das Unternehmen immer neu anpassen.“

Das Schlusswort hat die Dame des Hauses: „Natürlich denkt man über Investitionen nach. Brauchen wir überhaupt noch eine Werkstatt, wenn bei E-­Autos die Fernwartung kommen wird? Aber wenn man sich das Eigentumsverhalten unserer Kunden ansieht, dann hat sich in den letzten Jahren eigentlich nicht wirklich etwas verändert.“

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