Mini Countryman S EDie stromern, die Briten

Zwei Motoren, zwei Tankdeckel – im ersten ­Hybrid-Briten steckt ­clevere Plug-in-Technik.

© Oliver Wolf
 

Okay, die Form ist unverkennbar und der Benziner sitzt auch quer eingebaut unter der vorderen Haube. Aber sonst hat der Countryman S E eher wenig mit seinem Urahn von 1959 gemeinsam. Doch dafür ist er nicht nur der erste Mini überhaupt mit Hybrid-Antrieb. Und er ist zugleich einer der wenigen Kompakten mit Plug-in-Funktion, je nach Anwendung ein Front- oder Heck­triebler und zeitweise sogar ein Allradler. Was? Wie das? Das gelingt dank eines cleveren Technikbausatzes, der erst durch den letzten Wachstumsschub in den kultigen Engländer passte.

Die Sache ist nämlich so: Da die Kunden sich bei dem Hochdach-Mini vor allem noch mehr Platz im Innenraum wünschten, verwendeten die Techniker von BMW als Basis den Van 2er Active Tourer, was nicht nur 20 Zentimeter Längenwachstum zur Folge hatte. So übernahmen sie auch gleich sein cleveres Hybridsystem, das wie folgt aufgebaut ist: Vorne werkelt der bekannte 1500er-Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung und 136 PS, der über eine Achtgang-Automatik seine Kraft auf die Vorderräder aufteilt. Im Heck sitzt das Hybrid-Modul, das, ohne den herkömmlichen Antriebsstrang großartig abändern zu müssen, einfach eingepflanzt wird. Und da der 88 PS starke E-Motor auf die Hinterräder wirkt, ergibt das drei unterschiedliche Arten der Fortbewegung: Sorgt der Verbrennungsmotor für Vortrieb, arbeitet nur die Vorderachse. Ist der Mini im Strom-Modus unterwegs, agiert er als Hecktriebler. Und im Falle des vollen Krafteinsatzes krallen sich alle vier Pneus in den Asphalt. Das System ist aber so clever, dass es auch dann als Allradler arbeiten kann, wenn die Akkus einmal leer sind, was nach Werks­angabe erst nach 41 Kilometern passiert: Ein über einen Riemen angetriebener Startergenerator liefert nämlich auch dann die notwendigen Ampere.

Motorraum: Mini Countryman S E

Die Fahrmodi bieten ein breites Spektrum an Möglichkeiten: reiner Strombetrieb, das Aufsparen der Energie im Save-Modus oder volle Leistung beider Motoren. Nachgeladen wird über einen Stecker im linken vorderen Kotflügel ...

Oliver Wolf Foto GmbH
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Selbst wenn diese vom Batteriemanagement zwar durchaus vif verwaltet werden, ist der normale Fahrmodus immer nur ein Kompromiss. Um sich die Kräfte nach eigenen Bedürfnissen besser einteilen zu können, kann man auf zwei andere Programme per Knopfdruck wechseln. Besonders praktisch: Der Save-Modus lässt ausschließlich den Verbrennungsmotor werkeln, sollte man die E-Power zum Beispiel für die kommende Stadtetappe aufheben wollen. Und im Power-Modus greifen, wie der Name schon vermuten lässt, beide Antriebe voll ins Geschehen ein.

Je nach Ladekabel kann man die Stromreserven des Mini entweder an der üblichen 220V-Haushaltssteckdose, einem 380-Volt-Anschluss oder aber an den landesweiten Stromtankstellen auffrischen. Sollte einmal keine Gelegenheit zum Anstecken in der Nähe sein, lässt sich der Akku natürlich auch rein über den Benziner bis zu 90 Prozent befüllen.

Und es ist nicht nur die elektrische Reichweite, die für die alltäglichen Pendel- und Einkaufsfahrten locker ausreicht. Dank der gebotenen 165 Strom-Newtonmeter Drehmoment wird der Countryman S E 125 km/h schnell, und die Systemleistung von 224 PS lässt ihn fast so schnell von null auf 100 spurten wie das Topmodell Cooper S mit 231 Benzin-Pferden.

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