Es gibt Ereignisse in der Geschichte, da hätte man gerne Mäuschen gespielt: Zum Beispiel als in einer illustren Runde im gehobenen Management des Autokonzerns British Leyland entschieden wurde, ein Modell mit einem "eckigen" Lenkrad" zu bauen. Betretenes Schweigen, starrer Blick zu Boden, bekräftigendes Nicken - was tut man, wenn der Chef so etwas vorschlägt? Scheinbar nichts, denn die Idee ging in Serie.

Vielleicht war es aber auch einfach die Flucht nach vorne: Wegen chronischen Mangels an Mitteln konnte der Riese mit den vielen Marken unter einem Dach 1973 beim kompakten Austin Allegro das Automobil nicht neu erfinden. Aber immerhin das Lenkrad: Deshalb griff man im Allegro zum "Quartic" in Form eines Quadrats mit runden Ecken.

Das quadratische Lenkrad mit runden Ecken nannte British Leyland "Quartic"
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Wobei man sagen muss, dass der Allegro im Gegensatz zu vielen anderen Autos seiner Zeit keine aufgewärmten Fish & Chips war: Die Hydragas-Federung, das Fünfgang-Getriebe und die Servolenkung machten aus ihm ein durchwegs modernes Auto. So modern, dass die Werkstätten anfangs damit nicht zurechtkamen und die Radlager falsch montierten, weshalb sich des Öfteren Räder während der Fahrt lösten.

Den Allegro gab es mit zwei und vier Türen, aber auch als Kombi
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Interessanterweise verpassten die Briten dem Schrägheck, das zum Inbegriff der Kompaktklasse gehört, keine praktische Heckklappe. Eine vertane Chance - aber am Ende wahrscheinlich besser so. Die Karosserie war nämlich so weich, dass selbst ohne Klappe bei falsch angesetztem Wagenheber die Heckscheibe herausfallen konnte.

Wie es bei British Leyland im diesen Jahren, kurz vor der Insolvenz und der Verstaatlichung, zuging, belegt ein Schreiben, das im Oktober 1974 an die Austin-Händler ging: Sie sollten beim Allegro an den tiefsten Punkten des Kofferraums drei Löcher zu bohren, um die Probleme mit eindringendem Wasser zu lösen. Kein Wunder, dass auch Kunden ausfallend wurden. Statt Allegro hieß es: "All-Aggro" - ein einziges Ärgernis.

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