KultkistenDer VW Fridolin war ein rollendes Postkastl

Trari-trara: 1964 heuerte ein gewisser Fridolin bei der Post an. Das ist seine Geschichte.

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Vom VW Fridolin wurden zwischen 1964 und 1974 bei Westfalia rund 7300 Stück gebaut © VOLKSWAGEN NUTZFAHRZEUGE
 

Was die Deutschen Anfang der 1960er-Jahre an Packerln verschickten, brachte den VW Käfer an seine Kapazitätsgrenzen. Also gab die Deutsche Bundespost 1962 ein Auto mit "arbeitspsychologisch optimaler Ausstattung zu einem günstigen Anschaffungspreis" bei VW in Auftrag, auf dass man der Flut wieder Herr werden würde.

Das "Design" des Typ 147 ist auf sympathische Art und Weise verunglückt, weil seine Form schnurstracks der Funktion folgte. Wenn 400 Kilo Nutzlast, ein vom Fahrersitz aus erreichbarer Laderaum von zwei Kubikmetern und zwei Schiebetüren im Lastenheft stehen, gewinnt man eben keinen Schönheitspreis.

Dafür übertraf das 3,97 Meter lange rollende Postkastl die Anforderungen sogar noch: Das Ladevolumen liegt bei 2,3 Kubikmetern und weitere 0,6 ergeben sich neben dem Fahrersitz. Der nicht oft frequentierte Platz für den Beifahrer konnte nämlich gefaltet und unter das Armaturenbrett geschwenkt werden.

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Mit seinen Schiebetüren bewies der Fridolin Mut zur Lücke Foto © VOLKSWAGEN NUTZFAHRZEUGE

Unter der eigentümlichen Uniform steckte ein Sammelsurium aus dem VW-Baukasten, mit Achsen, 1200er-Motor und Getriebe vom Käfer, der Plattform des Karmann Ghia, den Scheinwerfern des VW 1500 und garniert mit Teilen des Transporters. Dennoch war der Fridolin, wie ihn der Volksmund nannte, ab 1964 der beste Freund des Postboten.

Große Fans des Fridolin war auch die Schweizerische Post, die 1201 auf die speziellen Anforderungen des Alpenraums zugeschnittene Exemplare orderte: unter anderem mit einem stärkeren 1300er-Motor mit 44 PS, Schreibenbremsen und einer Standheizung. Immerhin musste der Flachländer die Berge rauf und runter - auch im Winter. Aber nicht nur die Post zählte zu den Kunden: Die Lufthansa zu Beispiel nutzte den Nützling als Vorfeldfahrzeug.

Vorgestellt wurde der Wagen übrigens während der IAA 1963 ohne Pomp und Chichi im Innenhof der Oberpostdirektion in Frankfurt am Main. Der fleißige Fridolin, von dem in den Westfalia-Werken bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1974 6139 Stück gebaut wurden, wird's leicht genommen haben.

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