Gebogenes Display, kaum mehr KnöpfeBMWs neues Bediensystem iDrive startet im E-Auto iX

BMW gewährt einen ersten Blick auf sein neues Bediensystem iDrive, das 2021 im Elektroauto iX debütieren soll.

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Das neue Cockpit hat ein gebogenes Display © BMW
 

2001 startete BMW ins Raketenzeitalter: Ausgerechnet der vorwiegend konservativen Kundschaft des 7ers, setzten die Bayern ihr damals revolutionäres Bediensystem iDrive vor, das zahlreiche Knöpfe und Tasten im Cockpit wegrationalisierte.

Immerhin gab es noch einen Lautstärkeregler und den Controller auf der Mittelkonsole, den typischen Drehregler, den es seither in jedem Modell der Bayern zu finden gibt. Aber bei all dem Weglassen hatten die Techniker auf den Wichtigsten vergessen: Und zwar auf den Knopf, mit dem man schnurstracks wieder zurück ins Hauptmenü gelangte, das auf einer digitalen Anzeige zu sehen war.

Modellvorstellung: BMW iX

2010 hat BMW feierlich seine Elektro-Submarke i ins Leben gerufen – und dann abgesehen vom i3 eigentlich nicht viel damit gemacht. Aber zehn Jahre später – also heuer – ändert sich das.

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Kürzlich haben die Bayern mit dem iX3 die elektrische Version ihres Mittelklasse-SUV auf den Markt gebracht. Und mit dem iX, der Ende 2021 zu den Händlern stromert, folgt das erste Modell auf der neuen Elektroplattform der Marke.

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Der will allerdings ausdrücklich kein SUV sein, sondern vielmehr ein SAV (Sports Activity Vehicle), wie das im Marketingsprech so schön heißt. Wie auch immer man den Stromer nennen möchte, in Länge und Breite ist er mit dem X5 vergleichbar, misst in diesen Dimensionen also rund 5 beziehungsweise 2 Meter. Bei der Höhe orientiert er sich am X6 – 1,70 Meter – und streckt sich auf einen Radstand von 3 Metern.

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Und weil es nicht zu übersehen ist: Ja, die bei BMW in Mode gekommenen Mega-Nieren, die hat der iX auch. Wenngleich sie bei einem Elektroauto natürlich geschlossen sind und stattdessen Kameratechnik, Radar und weitere Sensorik beherbergen.

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Erwähnenswert wären an dieser Stelle auch die flachsten jemals bei einem Modell aus München realisierten Scheinwerfer.

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Seine beiden Elektromotoren – einer pro Achse – spulen eine maximale Spitzenleistung von mehr als 370 kW (500 PS), die den 2,5-Tonner in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h katapultieren.

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Wenn man davon Gebrauch macht, kann man den angepeilten kombinierten Stromverbrauch von weniger als 21 kWh je 100 Kilometer vermutlich abschreiben. Eine schwächere Version wird wohl nachgereicht.

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Mit einem Brutto-Energiegehalt von mehr als 100 kWh soll der Akku eine Reichweite von mehr als 600 Kilometern nach dem WLTP-Zyklus einfahren.

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Laden lässt sich der iX mit einer Leistung von bis zu 200 kW. An einer 11-kW-Wallbox nuckelt er elf Stunden an der Steckdose.

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Im Innenraum des Fünfsitzers weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll: auf das sechseckige Lenkrad, das rund 60 Zentimeter lange und gebogene Display auf dem Armaturenträger oder die Touchflächen aus Holz (!) auf der Mittelkonsole.

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Womit wir wieder bei der vorwiegend konservativen Kundschaft des 7ers wären, die in den Untiefen der Menüführung verloren ging. Nicht wenige von ihnen fuhren in Folge nicht nur zum Händler, um ein Service machen zu lassen, sondern auch um die Temperatur der Klimaanlage einstellen zu lassen. In den Menüstrukturen konnte man verloren gehen. Schon zwei Jahre später, prangte die überarbeitete und vereinfachte Variante, wegen anhaltender Kritik in den Cockpits.

Start- und Akzeptanzprobleme, die längst der Vergangenheit angehören: Mit seinem neuen Elektroauto iX, das noch in diesem Jahr auf den Markt kommt, wird BMW auch die neueste Generation seines Bediensystems iDrive auf die Straße bringen. In der Folge wird es auch im nächsten angekündigten Stromer i4 verbaut sein und in allen Fahrzeugklassen ausgerollt werden.

Der Drehregler auf der Mittelkonsole Foto © BMW

Die Basis dafür bilden das neue Operating System 8, eine neue Generation von Displays, neue Bedienelemente und Software, die laufende Updates erfährt. Optisch fällt sofort der neue, gebogene Touchbildschirm auf dem Armaturenbrett auf, das die digitalen Instrumente (12,3 Zoll) und die Anzeigen des Infotainmentsystems (14,9 Zoll) mit umfassenden Individualisierungsmöglichkeiten in Sachen Darstellung zu einer Einheit verschmelzen lässt. 

Davon abgesehen fällt auf, was nicht mehr da ist: nämlich knapp die Hälfte der bisherigen Tasten und Schalter. Die letzten Mohikaner zum Ansteuern oft genutzter Grundfunktionen sitzen auf Bedieninseln, auf der Mittelkonsole ist der neue gestaltete Controller mit Touchfunktionen postiert. 

Auch die Regelung der Klimaanlage ist künftig in das Display integriert. Diese Entscheidung haben sich die Bayern sicherlich nicht leicht gemacht, denn darauf reagieren nach wie vor zahlreiche Autofahrer verschnupft. Nur sollte es, wenn es nach BMW geht, noch selten erforderlich sein, dass man tatsächlich hingreifen muss.

Showcar: BMW Concept i4

Eigentlich ist es ja so: Einen Kühlergrill im herkömmlichen Sinn, den brauchen Elektroautos nicht. Aber BMW treibt das Thema just bei einem Stromer auf die Spitze.

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Größere Nieren als das 2021 startende Coupé i4 hatte überhaupt noch kein Münchner. Und damit sich die nicht sinnlos gegen den Wind stemmen, sitzen darin jetzt alle Sensoren, die der Viertürer zum selbsttätigen Fahren braucht.

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Darüber prangt übrigens das neue BMW-Logo, dessen äußerer Ring transparent ausgeführt ist. Vom klassischen Vier-Augen-Gesicht sind nur mehr frei stehende LED-Streifen übrig.

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Wie viel vom Design es in die Serienversion schaffen wird, das ist offen, während die Bayern bei den Angaben zur Technik darunter schon ziemlich konkret werden: Die Elektromobilität kann eine Leistung von bis zu 390 kW (530 PS) abspulen und lässt das Coupé in rund vier Sekunden von 0 auf Tempo 100 sprinten.

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Die Batterie wiegt 550 Kilogramm und speichert rund 80 kWh, die für eine Reichweite von bis zu 600 Kilometern nach dem WLTP-Zyklus gut sein sollen.

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Die drei „Experience Modes“ erlauben einen Ausblick darauf, was sich im i4 so alles abspielen wird: „Core“, „Sport“ und „Efficient“ heißen sie und mit ihnen ändern sich die Grafiken auf den Displays oder das Lichtambiente.

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Der„Assisted Driving View“ macht sichtbar, was die Sensorik des Fahrzeugs wahrnimmt.

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Weil es mit dem Klang bei Stromern bekanntlich nicht allzuweit her ist, hat BMW ein ganzes Orchester an Klängen für den i4 komponieren lassen. Fahrgeräusche in den verschiedenen Modi zum Beispiel oder auch nur das Öffnen der Türen wird akkustisch begleitet.

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Und zwar aus dreierlei Gründen: Grundlage für die bestmögliche Voreinstellung ist die Auswertung von mehr als 440 Millionen Kundenfahrten über alle Fahrzeugklassen und Weltregionen hinweg. Die neue Klimaautomatik regelt neben der Gebläsestärke auch die Lenkrad- und Sitzheizung, sowie die Sitzlüftung und bezieht in seine Entscheidungen auch die Anzahl an Insassen oder Intensität und Richtung der Sonneneinstrahlung mit ein. Manuelle Abweichungen werden je nach Fahrer im Nutzerprofil gespeichert und automatisch eingestellt, wenn man sich ans Steuer setzt.

Und zu guter Letzt wäre da ja noch die Sprachsteuerung, über die man den persönlichen Onboard-Assistenten erreicht, dem man bei den Bayern übrigens selber einen Namen geben kann.

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Danke für Ihr Verständnis.

fwf
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Lesenswert?

Wenn ich ein Auto kaufe

möchte ich ein Fahrzeug und keinen Computer !

Kristianjarnig
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3
Lesenswert?

@fwf....

....wie Recht Sie haben,

Ich fahre einen aktuellen BMW(2020) und besitze auch noch einen 3er von 2011.

Was soll ich sagen. Wie Tag und Nacht. Der neue ist unnötig kompliziert mit all diesem "Touch Screen Schwachsinn" und es geht teilweise soweit das es verkehrsgefährdend ist weil man sich zu sehr mit Menüs, deren Submenüs und weiteren Untermenüs rumschlagen muß wo man in einem alten Fahrzeug einfach einen Knopf gedrückt hat.

Es erschließt sich mir nicht ganz wo jetzt wirklich der Fortschritt liegt(vermutlich weil andere Touchscreens haben müssen jetzt alle sowas ungeheuer sinnvolles haben - dafür darf man das Display dann dauernd putzen weil überall Fingertapser drauf sind - toll) - bin vermutlich zu alt dafür.

Fakt ist - in "alten" Fahrzeugen ist man weniger abgelenkt als in neuen.

Ich habe Beruflich viel mit Technik zu tun und auch dort zeigt sich oft das viele die sie bedienen, diese neue Technik, oft elementarste Dinge nicht mehr machen können die auf altem "Equipment" keinerlei Problem dargestellt haben da es dafür einen eigenen Knopf gab,

Beispiel: Auf einem Embraer 145(Regionalflugzeug) wurde der Knopf zum Umschalten von Transponder 1 auf 2 weggelassen. Standardmäßig wurde vom System einer ausgewählt. Problem - wenn Teile der Ausrüstung defekt waren mußte man manuell, in Untermenüs, auf den anderen Transponder umstellen. Wußten sehr viele Piloten nicht wie das geht, wurde darum letztendlich am Simulatorrefresher(!!) geübt - soweit geht Technik.