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Mobilität in Zeiten von CoronaWie Wasserstoff unser Leben revolutionieren soll

Toyota baut eine Stadt, die mit Wasserstoff betrieben wird: Wasserstoffgesellschaft heißt die Vision. Sind die Erfinder des Hybridantriebs damit auf dem Holzweg – oder gelingt ihnen wieder ein Coup?

Woven City: So will Toyota seine Wasserstoffstadt inszenieren © Toyota
 

Der Vergleich sitzt. „Wasserstoff ist wie Käse“, sagt Toyota-Vordenker Katsuhiko Hirose im Videointerview mit der Kleinen Zeitung. Aha, hmmm? Der Japaner, der im Toyota-Team an der ersten Hy­brid-Entwicklung mitarbeitete, ist Atomphysiker und bei Toyotas Wasserstoffprojekt wieder an Bord. Als Berater.

Er lächelt, bevor er weiterredet. „Ich bekomme im Sommer viel Milch von meinen Kühen. Das kann ich ja nicht alles trinken. Also muss ich Käse machen. Das Gleiche ist beim Wasserstoff: Ich werde genug erneuerbare Energie haben, die ich nicht nutzen kann – also werde ich die Energie im Wasserstoff speichern.“ Zugleich gibt er zu: „Wasserstoff ist vielleicht nicht der beste Energieträger im Moment, aber wenn man dekarbonisieren will, dann braucht man Wasserstoff.“

Auch um den Wertkreislauf im eigenen Land zu halten, der mit der Batterieproduktion, die bis auf Chinesen und Koreaner alle verschlafen haben, Milliarden abfließen lässt. „Vor zwei, drei Jahren“, sagt er, habe es noch schwierig ausgesehen. „Aber jetzt sind wir auf einem guten Weg.“ Internationale Konkurrenz beschleunige die Entwicklung, und bei Toyota redet man bereits von einer Wasserstoffgesellschaft.

Zur Woven City

Auf ­einem 175 Hektar großen Gelände am Fuße des japanischen Mount Fuji will Toyota seine Wasserstoffstadt mit Holzgebäuden und Wasserstoff/Brennstoffzellen inszenieren.

Auf den Dächern finden sich Photovoltaik-Anlagen, um Solarstrom zusätzlich zur Stromerzeugung durch Wasserstoff/ Brennstoffzellen zu nutzen.

Menschen, Gebäude und Fahrzeuge werden über Daten und Sensoren kommunizieren und verbunden sein, vernetzte KI-Technologie soll zum Alltag gehören. Es soll ausschließlich völlig autonom fahrende, emissionsfreie Fahrzeuge geben.

Die so­genannte Woven City ist de facto ein Testlabor, in dem Menschen leben werden, um zu sehen: Wie hoch ist die Akzeptanz für diesen Technologiesprung? 

Was macht Japan anders, Herr Killmann?

Der Mann, der das in der ersten Reihe beim Thema Auto umsetzen soll, ist ein Österreicher: Motoren­experte Gerald Killmann – das nächste Videogespräch, bitte.

Herr Killmann - während man in Europa noch diskutiert, baut Japan schon seine Wasserstoffgesellschaft auf. Was macht Japan anders?

GERALD KILLMANN: Man hat das früh politisch erkannt, Autoproduzenten und Energieunternehmen eingebunden und einen Plan aufgestellt: 2020 soll es 160 Tankstellen, 2025 320 und 2030 gleich 900 Wasserstoff-Tankstellen geben. Die Autoindustrie muss 2020 40.000 Autos, 2025 200.000 und 2030 800.000 Autos bereitstellen. Das war ein Abkommen vor ein paar Jahren, und weil alle wissen, dass mit diesen Vorgaben ein Businesscase gegeben ist, machen alle mit. Die Behörden bereiten außerdem keine Schwierigkeiten, wenn es um Genehmigungen etwa für Tankstellen geht.

Motoren­experte Gerald Killmann Foto © Toyota

Zur Person

Gerald Killmann (geb. 18. 1. 1965 in Graz) studierte an der TU Maschinen­bau. 1992 startete er seine Karriere bei Toyota, heute ist er Entwicklungschef bei Toyota Motor Europe.

Den Hybrid hat Toyota alleine salonfähig gemacht. Beim Wasserstoff setzt man auf Kooperationen.

KILLMANN: Ja, man hat Patente offengelegt und der Zugang zu Patenten ist frei. Das kam nicht von Japans Regierung, der Vorschlag kam von Toyota. Man muss wissen, weshalb: Es hat lange gedauert, bis der Markt etwa in Europa den Hybrid akzeptiert hat. Technologisch haben wir das mit Fahrzeug-Optimierungen selber stemmen können, beim Wasserstoff geht das nicht. Wenn wir die Einzigen sind, dann ist das viel schwieriger, das war die Überlegung. Wir dürfen nicht Hemmschuh sein, es geht ja auch um Umweltschutz. Den Technologiewettbewerb treiben wir aber intern wie extern voran. Wir gehen Kooperationen ein. Bei Bus- genauso wie bei Marineprojekten. Wir haben etwa ein Boot für Welt­umsegelungen. Es hat Solarzellen, mit denen Energie gewonnen und so Wasserstoff aus Seewasser gemacht wird.

VW geht den Batterieweg, Toyota setzt auf Wasserstoff. Welche Wette geht auf?

KILLMANN: Es ist industrieweit und politisch anerkannt, dass Wasserstoff die Methode ist, um erneuerbare Energie zu speichern. Wir bauen auch eine Pilotstadt, wo die Leute in neuen Häusern wohnen, leben und arbeiten werden, wo Wasserstoff das zentrale Thema ist. Die Fragen, die wir beantworten wollen: Akzeptieren die Leute das alles? Wollen sie so leben?

Noch ist Wasserstoff unverhältnismäßig teuer.

KILLMANN: Derzeit schon. Aber ich kann Ihnen vom Hybrid etwas verraten: Bei der ersten Generation haben wir draufgezahlt, bei der zweiten die Kosten halbiert. Bei der dritten war es ein Drittel, bei der vierten Generation ein Viertel der Kosten. Ähnliches können wir uns auch beim Wasserstoff vorstellen.

Das könnte länger dauern.

KILLMANN: Bei unserem Prototyp des Wasserstoffautos Mirai haben wir bis zur ersten Fahrzeuggeneration eine Kostenreduktion von 95 Prozent herausgeholt, mit Technologieverbesserung und Leistungssteigerung. Jetzt kostet ein Kilogramm Wasserstoff aus erneuerbarer Energie etwa sechs Euro und reicht für etwa 100 Kilometer Fahrtstrecke. An der Tankstelle kostet ein Kilogramm dann etwa zehn Euro. Die Prognose ist, dass wir in Europa den Preis um 40 bis 60 Prozent reduzieren können. Ziel sind 2,6 Euro für ein Kilogramm Wasserstoff aus erneuerbarer Energie 2030. Wenn der Preis dann auch so umgesetzt wird, denn die Politik macht die Steuern.

Aber es fehlt an erneuerbarer Energie für große Wasserstoff-Produktionen.

KILLMANN: Im Winter braucht man die Energie, im Sommer wird sie produziert – die saisonale Speicherung wird zunehmend wichtig, dafür ist der Wasserstoff da. Es wird auf der Elektrolyse-Seite ganz gut gearbeitet, da stehen wir auch vor großen Fortschritten. Es muss eine Wende in allen Fällen geben. Nicht nur auf der automobilen, auch auf der Industrieseite.

Wie lange wird es dauern, bis Wasserstoff/Brennstoff­zellen zum Straßenbild gehören?

KILLMANN: Wasserstoff und Brennstoffzelle werden schon vor 2030 stark kommen.     

 

Kommentare (14)

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hbratschi
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und europa...

...rennt wieder hinter her, nur weil ein paar akku fan boys die entwicklung verschlafen (haben). schade, wär eine echte chance gewesen...

melahide
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Ich

finds - als Laie - ja immer befremdlich, dass Gegner der E-Mobilität - und die gibt es wie alles nur noch schwarz und weiß ist - immer auf die „Gefahren“ der Elektroautos verweisen und dann von Wasserstoff träumen. Menno, früher war die Atomenergie der „Heilsbringer“. Irgendwann ging alles in Flammen auf. Wenn so ein Wasserstoff-Tank hochgeht ...

Natürlich - Akkus sind für Flugzeuge, Tanker, LKWs usw unwirtschaftlich. Wenn man hier Wasserstoff oder was auch immer verwenden kann ist es ein Vorteil gegenüber Diesel, Rohöl oder Kerosin! In Privatautos ist Strom vermutlich billiger, wenn man es schafft Akkus/Energiespeicher so herzustellen, dass die Rohstoffe aus Europa kommen und zum grössten Teil wieder verwendet werden können ...

styrianprawda
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@melahide

Welch veritabler Laie Sie sind, wird jeder/jedem hier ganz eindrücklich dadurch demonstriert, dass Sie ganz offensichtlich nicht kapiert haben, dass auch ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug ein Elektroauto ist.

Zur Nachhilfe:
- bei Batterie-Elektrofahrzeugen (BEV) wird die zum Antrieb benötigte elektrische Energie in einer Batterie gespeichert
- bei Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen (FCEV) wird die zum Antrieb benötigte elektrische Energie aus Wasserstoff in einer Brennstoffzelle erzeugt

scionescio
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Und ich finde es sehr befremdlich, wenn Laien mit unverstandenem Halbwissen aus ihrer bevorzugten Echokammer mit viel Fanatismus und Sendungsbewusstsein kontrafaktischen Unsinn weiterverbreiten, weil ihnen ihr HIntergrundwissen nicht einmal erlaubt, den Unsinn in ihrer Meinung zu erkennen!

Wir sind alle in 99,99% aller Themen Laien und hoffentlich in irgendeinem Segment auf Grund unserer Ausbildung, Berufs, etc. mehr bewandert als der Durchschnitt - wenn ich aber schon weiß, dass ich ein Laie bin, grenzt es an verantwortungslose Bösartigkeit meine subjektive Meinung oder Geisteshaltung (weil ich mir vielleicht ein BEV habe aufschwatzen lassen und jetzt glaube, das auch vielen anderen einreden zu müssen, damit ich nicht wie ein alleiniger Idiot dastehe ...) als Ahnung oder Fakten zu präsentiern und damit den durchschnittlichen Leser zu manipulieren.

melahide
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Warum

tun sie das dann tagtäglich? Hm??

schadstoffarm
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:)

Da hat es wem die Kette ausgehängt. Der Papst der anti bev Mobilität weist auf die unfehlbarkeit hin.

scionescio
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Im Grunde ist alles längst entschieden, weil der Güter- und Fernverkehr nie mit Akkus funktionieren wird dh es wird eine Wasserstoffinfrastruktur dafür geben (müssen) ...

... und warum die nicht auch von E-Autos mit Brennstoffzelle benutzt werden sollen (wie jetzt auch Dieseltankstellen beidseitig benutzt werden) kann niemand schlüssig erklären.
Die Energieversorger wollen einfach ihre Investitionen zurückhaben und die Lobbyisten leisten ganze Arbeit bei dummen Politikern... aber der Spuk wird bald zu Ende sein, weil sich kein rationaler Konsument wegen ein paar Euro Förderung ein BEV antut und seine Mobilität von einer Maschine bestimmen lässt!

melahide
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Mimimi

:€

pescador
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Wenn es so kommt...

...setzt die Deutsche Autoindustrie auf das falsche Pferd.

georgXV
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genauso ist es !!!

es gibt zwar einige batteriegetriebene Autos, die man mit sehr viel Geld kaufen kann, aber es fehlt vorne und hinten an
- Kraftwerken, die den dafür notwendigen Strom produzieren sollen,
- richtig dimensionierten Stromleitungen zum Aufladen,
- genügend Zapfstellen zum Aufladen,
- Sicherheitslösungen, die das Abbrennen der Batterien und Autos verhindern bzw. das Löschen ermöglichen,
- Konzepten und Firmen für die Entsorgung der Batterien und Fahrzeuge.

franki20
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keine Zukunft im PKW

Und für Wasserstoff brauchen wir das alles nicht?
- aufwendige Tankstelleninfrastruktur
- mehr Energie für die Erzeugung
- komplizierte Technik im Auto
- Akku im Auto
- Sicherheitslösungen für Tankstellen und Auto
- etc.

Wo sollen hier die Vorteile von Wasserstoff liegen?

styrianprawda
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@pescador

Nicht bloß die deutsche! ;-)

Wobei: am elektrischen Antrieb führt kein Weg vorbei. Er wird halt nicht bloß batterielektrisch sein.

GordonKelz
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Derzeit redet man uns noch die Batterien

ein, ein Umweltfrevel. Da man Milliarden falsch investiert hat, muss das Volk das erst bezahlen, dann wird in den Medien verkündet wie schädlich die Herstellung und Entsorgung ist, um alle wieder zum umschwenken zu bewegen....
Gordon Kelz

styrianprawda
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@Gordon

Nun, auch das FCEV benötigt eine Batterie.
Nur ist sie wesentlich kleiner.

Der Erfolg von Tesla ist dem geschuldet, dass sie von Anfang an eine eigene Ladeinfrastruktur aufgebaut haben.

Würde Toyota z.B. eine Netz von H2-Tankstellen errichten, dann würden die Verkaufszahlen von FCEVs sehr schnell in die Höhe gehen.