Neue Staatsopern-"Salome" als Missbrauchsfallstudie
Manchmal lohnt es sich zu warten. Erscheint die neue "Salome" an der Wiener Staatsoper zunächst wie eine beinahe erschreckend altbackene Interpretation des überspannten Stücks von Richard Strauss, so steigert sich der Abend letztlich zu einer genauen psychologischen Deutung, die manche Zusammenhänge prononciert zeigen, die sonst nur in Nuancen aufscheinen. Dem Regisseur Cyril Teste gelingt bei seiner ersten Premiere außerhalb Frankreichs eine fein gesponnene Psychoanalyse.