Auftakt ins Hybrid-Zeitalter: Was Sie vor dem Rallye-WM-Start wissen müssen
In Monte Carlo bricht ab Donnerstag eine neue Ära des Rallye-Sports an. Einerseits, weil Hybrid in der Topklasse Einzug hält. Andererseits, weil mit Sebastien Ogier der große Dominator der vergangenen Jahre nicht mehr um den Weltmeistertitel fährt.

Die Rallye-Weltmeisterschaft 2022 startet am Donnerstag in Monte Carlo und am Ende der Saison wird nicht mehr Sebastien Ogier über den Fahrer-Weltmeistertitel jubeln. Der Franzosen, der acht der neun vergangenen Weltmeisterschaften für sich entschied, fährt nicht mehr die ganze Saison, sondern nur ausgewählte Rallyes - unter anderem jene zum Saisonstart in Monte Carlo. Neu als Beifahrer: Benjamin Veillas. Für Ogier ist klar: "Ich bin noch immer Rennfahrer und will noch immer gewinnen." Selbst ein Sieg Ogiers würde aber nichts an der Entscheidung ändern, nicht die ganze Saison zu fahren.
Mit dem Rally-1-Reglement zieht die Hybrid-Technik in den Rallyesport ein, die Topklasse fährt zum Teil elektrisch. In erster Linie auf den Verbindungsetappen und in den Serviceparks. Auf den Sonderprüfungen stellt freilich noch ein Verbrennungsmotor die meiste Leistung ab - der wird aber bereits jetzt zu 100 Prozent mit Co2-neutralem Benzin befeuert.
Rally 1 – so funktioniert das neue Reglement
Hybrid ist in aller Munde. Und die Mischung aus Elektroantrieb und Verbrennungsmotor läutet auch im Rallyesport eine neue Ära ein.
Das Rally1-Reglement spannt einen 1,6-Liter-Turbomotor mit einem 100-KW-Elektromotor
zusammen.
Ein 3,9-kWh-Akku wird in den Pausen vollgeladen. Damit rollen die Autos einmal emissionsfrei aus den Servicezonen und über Verbindungsetappen. Schaltet sich der Turbomotor dazu, wird der Akku beim Dahinrollen und Bremsen neu geladen (rekuperieren).
Im Grunde gibt es drei Fahrmodi. Der reine Elektroantrieb ist auf 20 km begrenzt. Dazu kommt ein Stage-Start-Modus, mit dem beim Start einer Sonderprüfung die vollen 514 PS zur Verfügung stehen. Diese Leistung steht für zehn Sekunden zur Verfügung. Für die SP selbst gibt es dann drei Stage-Mappings, die je nach Charakter der Prüfung eingestellt werden können.
Der Turbomotor wird mit „grünem“ Sprit befeuert. Hersteller P1 liefert einen nachhaltigen Rennbenzin aus Biokraftstoff und E-Fuel-Komponenten.
Wieder im Toyota Yaris nimmt Elfyn Evans Platz. Zwei Jahre in Folge duellierte sich der Waliser mit seinem Markenkollegen Ogier bis zur letzten Rallye der Saison - und ist nun einer der Favoriten. "Die Wahrheit ist: Es ist nicht viel gleich, wie in den vergangenen Jahren", sagt Evans. "Es wird sehr viel davon abhängen, wie ich mich im Auto fühle." Ganz zu schweigen, vom hochkarätig besetzten Feld.

Evans ist nämlich längst nicht der einzige, der die Chance auf den Weltmeistertitel sieht: Ott Tänak, Weltmeister von 2019 sieht im Hyundai ebenso seine Chance wie der fünffache Vizeweltmeister Thierry Neuville. Trotz aller Änderungen: "Wir haben noch immer drei Pedale, ein Lenkrad und vier Räder", sagt Tänak. "Rallyesport bleibt Rallyesport." Und doch ist ein großer Unterschied zu spüren. "Es ist viel zu tun, nicht nur auf den Sonderprüfungen, sondern auch dazwischen. Damit das Auto wieder bereit ist für die nächste Sonderprüfung", sagt Neuville.
Bleibt die Frage, ob erfahrene Fahrer, wie etwa Hyundais Dani Sordo (38), der auf den Auftakt in Monte Carlo verzichtet, mehr von den Umstellungen profitieren oder die jungen Wilden um Toyota-Shootingstar Kalle Rovanperä (21). "Das werden wir bereits nach ein paar Rallyes sehen", sagt der Finne. Er ist mehr als nur ein Außenseiter-Tipp auf den Weltmeistertitel. "Noch ist niemand Rennen mit dem Hybridsystem gefahren. Es ist für jeden neu", sagt er. Das sieht Toyota-Teamchef Jari-Matti Latvala ganz gleich: "Niemand weiß vor der ersten Rallye, wie unterschiedlich die Autos funktionieren. Niemand weiß, ob sich manche Fahrer wohler fühlen als andere."
Der Kalender
- 20. - 23. 1. Rallye Monte-Carlo
- 24. -27. 2. Rallye Schweden
- 21. - 24. 4. Rallye Kroatien
- 19. -22. 5. Rallye Portugal
- 3. - 5. 6. Rally Italia Sardegna
- 24. - 26. 6. Rallye Kenia
- 15. - 17. 7. Rallye Estland
- 4. - 7. 8. Rallye Finnland
- 18. - 21. 8 noch offen
- 8. - 11. 9. Rallye Akropolis
- 29. 9. - 2. 10 Rallye Neuseeland
- 20. - 23. 10. Rallye Spanien
- 11. - 13. 11. Rallye Japan
Ins Hybrid-Zeitalter schnuppert auch Sebastien Loeb. Der 47-jährige Franzose, gerade erst zurück von der Rally Dakar, startet in Monte Carlo im Ford Puma. "Aktuell fährt er nur in Monte Carlo", sagt Ford-Teamchef Richard Millener. "Wir müssen schauen, wo wir stehen." Siebenmal konnte Loeb die Rallye in Monte Carlo in seiner Karriere gewinnen.
Bereits zum zehnten Mal ist die Kärntnerin Ilka Minor, diesmal wieder an der Seite von Johannes Keferböck, bei der Rallye Monte Carlo am Start. „Schwierig genug ist für einen Saisonstart. Mit all ihren Überraschungen auf den Prüfungen. Und damit es gleich spannend wird, geht’s schon am ersten Abend über den Col de Turini“, so die Co-Pilotin.
Eis wechselt mit trockenem Asphalt und Schneepassagen ab. Dazu benötigt jedes Team sogenannte „Eisspione“, die die Prüfungen kurz vor dem Wettbewerb abfahren und den aktuellen Straßenzustandsbericht in den Aufschrieb des Co-Piloten eingeben. Für Keferböck/Minor übernehmen diese Aufgabe Franz Wittmann junior und Bernhard Ettel.
"Wir müssen den Sport verkaufen"
Das einzige österreichische Team an der Cote d’Azur, das mit neuen Hauptsponsor (Rallye-Game K4) auch in der WRC2 auf erstklassige Gegner trifft, wird heuer noch mehrere WM-Läufe bestreiten. „Auf dem Plan stehen unter anderem Portugal, Spanien, die Akropolis, eventuell Schweden." Für die Profi-Beifahrerin ist der Wechsel ins Hybrid-Zeitalter ein unabdingbares Muss. „Wir müssen den Sport auch verkaufen und rechtfertigen. Er muss sich anpassen an die Notwendigkeiten der Zeit. Und das Hybrid-System mit nachhaltigem Benzin ist der einzige Weg. Rein elektrisch wird es im Rallyesport nicht gehen. Das funktioniert mit dem heutigen Stand der Technik nicht - und wäre auch gefährlich.“