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Reisen

Entdeckungsreisen zu vergessenen Orten

Reisetipps aus dem Buch "Lost Places in der Alpen-Adria-Region".

vor 5 Jahren9. September 2021 um 14:47
Reisen
Gesellig und um den Frieden in der Welt bemüht: Dieses schöne Bild zeichnete die Propaganda von "Marschall" Josip Broz Tito, der Jugoslawien von 1945 bis 1980 regierte. Der Alltag in der realsozialistischen Diktatur sah aber anders aus. Die Jugoslawen hatten zwar Freiheiten, dennoch genügte ein Witz über Tito, um im Gefängnis zu landen. Überhaupt keine Gnade ließ der Machthaber bei echten politischen Gegnern walten. Sie wurden ab 1949 zuerst zu Hunderten, später zu Tausenden auf die Insel Goli Otok deportiert
Überlebende berichten von KZ-ähnlichen Zuständen, von Zwangsarbeit und von Folter. Bis heute ist unklar, wie viele Menschen in dem "Umerziehungslager" festgehalten wurden. Manche Quellen sprechen von bis zu 3500 gleichzeitig Inhaftierten und 50.000 insgesamt. Goli Otok – das karge Eiland liegt drei Kilometer vor der kroatischen Küste – ist seit der Schließung des Gefängnisses wieder unbewohnt. Zellentrakte, Fabriken und Verwaltungsgebäude verfallen.
Wenn es die in der Gegend manchmal raue See zulässt, wird die 4,7 Quadratkilometer große Insel voller Ruinen heute von Ausflugsbooten angesteuert. Für unerschrockene Touristen hat ein kleines Lokal am Hafen geöffnet und wer zu faul ist, Goli Otok zu Fuß zu erkunden, kann einen Bummelzug nehmen. "Nur die historische Aufarbeitung der Vorgänge kommt nicht in die Gänge – ein Mahnmal für den schlampigen Umgang mit der eigenen Geschichte in Kroatien", kritisieren Lux und Weichselbraun in ihrem Buch.
Über "Schweigen im Walde" ist im Buch ebenfalls zu lesen. Gemeint sind damit die mittelalterlichen Vogelfanganlagen (Roccoli) im oberitalienischen Dorf Montenars. Die aufwendigen und grün getarnten Konstruktionen werden heute nicht mehr benutzt, aber von den Bewohnern als Naturdenkmäler gepflegt. Wer den Wanderwegen zu den entlegenen Roccoli folgt, befindet sich direkt unter einer Zugvogelroute und bekommt einen guten Eindruck von den durchaus komplexen Bemühungen, die Tiere einst für den Kochtopf vom Himmel zu holen.
Selten kann man sich ein so gutes Bild von der Arbeit in einem antiken Marmorsteinbruch machen wie beim sogenannten Spitzelofen bei St. Georgen im Kärntner Lavanttal. Die vom römischen Militär betriebene Abbaustätte wurde vor etwa 1500 Jahren über Nacht verlassen (man vermutet einen Überfall). Zurück blieben deutliche Spuren in der Landschaft, bereits behauene Blöcke und eine lateinische Weiheinschrift im Fels.
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