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Glanznig-Zimmermann: „Mock hat hinter unserem Rücken verhandelt“

Die Gemeinderätin und Ausschuss-Obfrau Isolde Glanznig-Zimmermann übt heftige Kritik an ihrer SPÖ. Verkauf des Therapiezentrums St. Veit sei ein nicht nachvollziehbarer Fehler.

Isolde Glanznig-Zimmermann sprach sich gegen den Verkauf des Therapiezentrums aus
© Wilfried Gebeneter
Isolde Glanznig-Zimmermann sprach sich gegen den Verkauf des Therapiezentrums aus
Hannes Steinmetz
Teamleiter der Regionalredaktionen St. Veit und Feldkirchen

Sie haben sich vehement gegen den Verkauf des St. Veiter Therapiezentrums ausgesprochen und auch gegen Ihre Fraktion, die SPÖ, gestimmt. Wie waren die Reaktionen darauf?
Isolde Glanznig-Zimmermann: Seitens meiner Fraktion herrscht seitdem Funkstille. Mandatare anderer Fraktionen haben mir zugestimmt und auch die Bevölkerung hat mir für mein Rückgrat gedankt. Ich bereue meinen Schritt nicht, ich würde mich jederzeit wieder gleich verhalten.

Mit Ihnen hat ja ein weiterer Mandatar, Gerald Herrnhofer, gegen den Verkauf gestimmt.
Isolde Glanznig-Zimmermann:Anfangs standen mehrere SPÖ-Mandatare dem Verkauf kritisch gegenüber, wurden aber von Altbürgermeister Gerhard Mock wieder auf Parteilinie gebracht. Auch der Ausschuss stimmte gegen den Verkauf.

Wann wurde der Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft, Tourismus und Verwaltung erstmals über den Verkauf informiert?
Isolde Glanznig-Zimmermann: Am 30. September wurde ich aufgefordert, für 5. Oktober eine Sitzung einzuberufen. Als ich erfahren habe, worum es gehen soll, hab ich den Termin noch um eine Woche verzögert, um mich vorzubereiten. Und bereits in der Gemeinderatssitzung am 21. Oktober wurde der Verkauf beschlossen. Mock hat aber schon drei Jahre hinter unserem Rücken ausschließlich mit Senecura verhandelt.

Warum sind Sie so vehement gegen den Verkauf aufgetreten?
Isolde Glanznig-Zimmermann:Da gibt es viele Gründe: Es gibt keine Arbeitsplatz- oder Standortgarantie und auch keinen Betriebsrat. Zudem ist vor einigen Jahren die Zumutbarkeitsklausel gefallen. Das heißt, dass die jetzigen St. Veiter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb von Senecura an andere Standorte in Kärnten versetzt werden könnten.

Was wäre die Alternative?
Isolde Glanznig-Zimmermann: Das Therapiezentrum könnte ein Leuchtturm sein. Es wäre möglich, die Infrastruktur auf den neuesten Stand zu bringen und weiter zu betreiben.

Ein Verkaufsargument war ja, dass es aufgrund der derzeitigen Lage unsicher ist, wie es mit den Therapien weitergeht.
Isolde Glanznig-Zimmermann: Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Leute brauchen Therapien und die werden sie auch in Zukunft brauchen.

In der Sitzung gingen Sie auch mit Ihren Fraktionskollegen sehr hart ins Gericht, attestierten ihnen mangelnde sozialdemokratische Grundwerte. Warum?
Isolde Glanznig-Zimmermann: Es wäre unsere sozialdemokratische Pflicht gewesen, für die Patientinnen und Patienten sowie das Personal da zu sein. Wie es jetzt weitergeht, ist schwer zu sagen. Senecura ist ein internationaler, gewinnorientierter Konzern und nicht die Mutter Teresa.

Einen Ihrer Kollegen kritisierten Sie besonders scharf. Sie sagten wörtlich, seine Werte seien „zum Kotzen“. Was hat es damit auf sich?
Isolde Glanznig-Zimmermann: Er hat mich verantwortlich gemacht, falls die SPÖ bei der nächsten Wahl die Absolute verlieren sollte. Er hat auch gesagt, dass ich Moral beweisen würde, wenn ich gar nicht erst zur Sitzung gehen würde. Ich aber habe Moral bewiesen, indem ich hingegangen bin.

Aus Ihren Worten hört man heraus, dass Sie in der kommenden Gemeinderatsperiode nicht mehr an Bord sein werden?
Isolde Glanznig-Zimmermann: Das stimmt, ich habe gesehen, dass ich im Gemeinderat nichts mehr bewegen kann. Und ich kann auch so für die Menschen da sein, ihnen im Rahmen meiner Möglichkeiten helfen und muss dafür nicht zwingend ein politisches Amt haben.

So wird das neue Therapiezentrum in St. Veit aussehen