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Chronik

Das erlebten Redakteure an autofreien Tagen

Anlässlich der Mobilitätswoche sind mehrere Mitarbeiterinnen der Kleinen Zeitung ohne Auto zur Arbeit angereist. Zwischen Osttirol und dem Lavanttal machten sie dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen.

vor 7 Jahren20. September 2019 um 13:10
Kärnten
Daniela Grössing: "Um zu meiner Arbeitsstätte, dem Kleine-Büro in Wolfsberg, zu gelangen, pendle ich mit dem Auto eine Dreiviertelstunde vom Westen Klagenfurts ins Stadtzentrum von Wolfsberg. Lang genug, aber es geht noch länger: Wenn ich mit dem Zug fahre, benötige ich eine Stunde und 37 Minuten. Um 7.51 Uhr fährt mein Zug am Bahnhof Klagenfurt West ab, ich steige am Hauptbahnhof um und verlasse um 9.26 Uhr den Bahnhof Wolfsberg. Hin und Retour brauche ich drei Stunden. Zwar pendeln wenige Klagenfurter nach Wolfsberg, aber dafür etliche Lavanttaler nach Klagenfurt. Dass es nicht möglich ist, einen schnellen Zug für Pendler, der nicht in jedem Dorf stehen bleibt, anzubieten, ist ein absolutes Versäumnis vonseiten der Politik und der ÖBB. Der einzige Vorteil zum Auto: Ich kann Zeitung lesen, frühstücken und E-Mails beantworten."
Julia Braunecker: "Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auf einem jener E-Scooter in die Arbeit zu fahren, die seit Juni die Straßen Klagenfurts erobern. Fehlanzeige. Denn: Während in der Stadt Dutzende Roller auf Gehsteigen abgestellt sind, herrscht, zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, gähnende Leere. So besinne ich mich auf des Menschen ältestes Fortbewegungsmittel: meine Füße. 20 Minuten später treffe ich beim Bahnhof auf den ersten freien E-Scooter. Da es von hier nur mehr 15 Minuten bis zur Redaktion sind, lege ich auch den Rest zu Fuß zurück. Was ich daraus lerne: Auf die eigenen Füße ist Verlass - auf Fahrzeuge mit zwei oder vier Rollen nicht."
Elisabeth Peutz: "Beschaulich beginnt mein Weg zur Arbeit an der Steinernen Brücke in Klagenfurt mit einer Spazierfahrt per Rad entlang der Villen, entlang des Lendkanals – bis zum Elisabethsteg. Danach, ab der Villacher Straße, wird es ernst. Zuerst gilt es, unbeschadet zwischen Autos durchzufädeln – bis zu dem schmalen Streifen zwischen Rothauer Hochhaus und einstiger Hauptpost, der als Radweg markiert ist, von Autofahrern aber als Parkplatz genutzt wird. Um nicht von rechts abbiegenden Autos umgemäht zu werden, radle ich dann durch die 8.-Mai-Straße im Zickzackkurs zwischen Bus- und Abbiegespuren. Aber was soll’s. Nach zwölf Minuten ist das Ziel ja da. Und es ist parkgebührenfrei!"
Michaela Ruggenthaler: "Mit dem ,Neunerbus' sind nicht all zu viele Leute auf dem Weg nach Lienz. In Matrei steigen neue Fahrgäste zu – mehr Frauen als Männer. Man merkt, die Mobilität mit eigenem Auto ist beim weiblichen Geschlecht noch immer nicht selbstverständlich. Nächster größerer Knotenpunkt ist Huben. Fahrgäste aus dem Defereggental und aus Kals steigen zu. Für mich als tägliche Benutzerin des Autos ist Busfahren gewöhnungsbedürftig. Es macht mich unruhig. Die Landschaft, die vorbeizieht, bietet keine Abwechslung. Es ist dieselbe, die ich beim Autofahren sehe. Ein paar Bänke vor mir wird laut getratscht. In der Nebenbank schnarcht ein Herr. Ich bin mit meinem Handy beschäftigt. Rund eine Stunde nach Abfahrt in Virgen fährt der Bus in den Bahnhof Lienz ein. Vom Bahnhof bin ich in sieben Minuten im Büro."
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