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Chronik

Die Wahl-Kärntner

Heute wählt Kärnten. Diese Frauen und Männer haben schon gewählt – und sich für Kärnten als neue Heimat entschieden.

vor 8 Jahren4. März 2018 um 06:03
KärntenLeute & Stars
Thomas Reisinger, Vorstand für Operations der Infineon Technologies Austria, ist vor sechs Jahren mit seiner Familie nach Villach gezogen. Zuvor war er für Infineon in Malaysia tätig. Der Vergleich macht sicher: Der Spitzenmanager sieht „klare Pluspunkte für Kärnten bei der Lebensqualität und das im weltweiten Vergleich sehr sichere und gesunde Umfeld“. Positiv erlebt Reisinger, der als Bayer „von der Mentalität der Kärntner nicht weit weg“ sei, deren Offenheit. Auch die Landschaft sei ein Plus: „Ich bin viel in der Natur, auf den Bergen unterwegs.“ Die Einbettung im Alpen-Adria-Raum und die Nähe zu Italien schätzt der Infineon-Vorstand, der Kärntens Ausrichtung als Urlaubsland mit hoher Lebensqualität lobt, sehr. „In Kombination mit einer Positionierung als Hightech- und Innovationsland wäre Kärnten unschlagbar.“ Das müsse international das Ziel sein. „Ich bin sehr froh, daran aktiv mitgestalten zu dürfen.“ Es gebe freilich auch einiges zu verbessern. Der Vorstand eines Hochtechnologie-Unternehmens und Vater dreier Kinder ist überzeugt, dass im Bereich der Bildung schneller gehandelt werden müsse: „Die Schere zwischen Anforderungen des Arbeitsmarktes und dem, was unser Bildungssystem bietet, geht immer weiter auseinander.“ Für künftige Entwicklungen sei es wichtig, die Erfordernisse an die Realität anzupassen. Und vor allem die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. „Hier ist die Politik sicherlich gefordert.“
Wenn man es genau nimmt, hat Kärnten ihn gewählt: Florian Scholz hat sich im Februar 2011 in einem Hearing um die Leitung des Klagenfurter Stadttheaters gegen elf Kandidaten durchgesetzt. Der ausgebildete Schauspieler, der als Assistent von Intendanten wie Gerard Mortier und Nikolaus Bachler Erfahrungen im Theatermanagement gesammelt hatte, verliebte sich schnell in das „Naturparadies Kärnten“. Begeistert ist er von der Nähe zu Italien und Slowenien: „Das Aufeinandertreffen von drei Kulturen ist ein großer Gewinn.“ Mit seinem Lebensgefährten besitzt der gebürtige Heidelberger mittlerweile ein Haus im Rosental, wo auch für die vier Sloughis (Windhunde) viel Platz ist. Hundedame Sissi begleitet ihn häufig ins Theater, wo Scholz demnächst zu seinen Wurzeln zurückkehren wird: Im „Zauberer von Oz“ (ab 8. April) ist er in fünf Vorstellungen in der Titelrolle zu sehen. An der Kärntner Politik schätzt der 48-Jährige, dass „ich in ein Land größter Irritation gezogen bin und mich nun in einem Land von großer Stabilität wiederfinde. Ich schaue mit Stolz auf das, was die Kärntner zuletzt geleistet haben.“
Die Frage steht immer wieder im Raum: „Gehen oder bleiben?“, erzählt Ute Liepold. Zwei Töchter studieren mittlerweile in Wien, nur das 13-jährige Nesthäkchen besucht noch ein Klagenfurter Gymnasium. Bis sie maturiert, wollen Ute Liepold und ihr Mann Bernd Liepold-Mosser auf jeden Fall in Kärnten bleiben. Und schließlich sind da das Haus in Waidmannsdorf und Hobbys wie Rudern, Eislaufen und Schwimmen. Berufliche Möglichkeiten gäbe es für die beiden Theatermacher („Theater Wolkenflug“)naturgemäß in Wien mehr, allerdings „auch größere Konkurrenz“, so Liepold. Ihren aus Griffen stammenden Mann hat die gebürtige Bregenzerin an der Universität Wien kennengelernt, wo sie Philosophie, Germanistik, Publizistik und Soziologie studierte. Als er für den Zivildienst nach Kärnten ging, kam sie mit, als geheiratet wurde, nahm er ihren Namen an. Demnächst zieht es die 52-Jährige in ihre alte Heimat zurück: Am Vorarlberger Landestheater inszeniert sie Yasmina Rezas „Kunst“. Für die Zeit nach der Wahl wünscht sie sich jedenfalls „weiterhin eine weltoffene, in die Zukunft gerichtete Politik“.
Kärnten war für den gebürtigen Vorarlberger Markus Peintner eigentlich nur als Zwischenstation seiner Eishockey-Karriere gedacht. Von den Vienna Capitals wechselte der Stürmer vor 13 Jahren zum VSV. „Es war nicht mein Plan, so lange zu bleiben. Aber nach zwei Monaten habe ich gewusst, dass ich hier länger bleiben werde“, erzählt der 37-Jährige, der in der Saison 2014/15 ins Trainergeschäft wechselte: „Auch als ich zwei Jahre in Graz spielte, war mein Lebensmittelpunkt Villach.“ Besonders angetan ist Peintner von der Gastfreundschaft der Kärntner. „Die Leute sind so offen, da hat man schnell Anschluss und findet neue Freundschaften“, meint der oftmalige Nationalspieler, der mit Freundin Iris, die aus Irschen stammt, in Villach wohnt. Dem VSV ist er dankbar, dass der Klub ihm die Chance gab, als Assistenzcoach und zurzeit als Cheftrainer zu Arbeiten. „Ich hatte schon einen Vertrag in der zweiten Liga, da erhielt ich einen Anruf vom VSV, ob ich als Co einsteigen will. Da musste ich mich innerhalb von wenigen Stunden entscheiden“, sagt Peinter, der hinsichtlich der Wahl keine Erwartungen hat.
Wien oder Kärnten? Dieser Entscheidung musste sich die Salzburgerin Catrin Neumayer stellen, als sie kurz vor Beginn ihres Studiums stand. Es zog sie schließlich nach Klagenfurt, wo sie Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Angewandte Kulturwissenschaften studierte. Heute betreibt die 31-Jährige als „Cooking Catrin“ einen der erfolgreichsten Kochblogs im deutschsprachigen Raum.„Kärnten und der sonnige Süden waren mir schon immer sympathisch“, sagt Neumayr, die 2012 endgültig nach Klagenfurt übersiedelt ist. Auch die Kärntner Küche hat es ihr angetan: „Da gibt es einige Gerichte, die ich gerne zubereite. Angefangen von Fischgerichten bis hin zum Kärntner Spargel und zu Polenta.“ Für ihre Wahlheimat wünscht sie sich eine bessere Vernetzung: „Es wäre toll, wenn Kärntner Unternehmen mehr auf die Dienstleister hier zurückgreifen würden.“ Und auch was Veranstaltungen angeht, ortet sie Aufholbedarf. „Der Grand Slam war schon cool und hat sehr viele junge Leute nach Kärnten gebracht. Da müsste sich unbedingt wieder mehr tun.“
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