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Chronik

Fünf Geschichten: Tag der Menschen mit Behinderung

Der 3. Dezember ist Tag der Menschen mit Behinderung: Betroffene erzählen, was sie stört und was sie nicht mehr hören können.

vor 9 Jahren10. Jänner 2018 um 12:22
KärntenLeute & Stars
„Mehr Geduld und Motivation“ Bernadette de Roja ist 20 Jahre alt, besucht das „Centrum humanberuflicher Schulen“ in Villach und steht kurz vor der Matura. Im Alter von zwölf Jahren hatte sie einen Fahrradunfall, lag zwei Monate im Koma und wurde als Pflegefall entlassen – mit schlechten Prognosen. „Atmen, schlucken, reden – ich musste alles wieder lernen“, erzählt sie. Ihre drei obersten Ziele waren: aus dem Rollstuhl kommen, Matura machen, modeln.
Zu unserem Termin kam de Roja tatsächlich ohne Rollstuhl. Eine Körperhälfte ist beim Bewegen zwar stark beeinträchtigt. „Aber den Rollstuhl brauche ich nur noch für Strecken über 150 Meter“, erzählt de Roja. „Ich würde mir wünschen, dass die Leute mehr Geduld haben, wenn ich für gewisse Abläufe länger brauche.“ Was sie mitten ins Herz getroffen habe, war die Aussage: „Mit deiner Behinderung wirst du nie modeln können.“ Von wegen! Sie machte eine Ausbildung in der Modelschule Reitzl. „Bei der Strohmaier-Gala, bei Licht-ins-Dunkel-Abenden und bei Messen war ich schon auf dem Laufsteg.“ Ihr Appell: „Traut Menschen mit Behinderung mehr zu!“
„Die Leute glauben mir oft nicht“ Sabrina Maierbrugger ist 36 Jahre alt und lebt im Gehörlosenzentrum in Klagenfurt. Vor vier Jahren musste die gelernte Konditorin in Frühpension gehen, weil sie zusätzlich zu ihrer Gehörlosigkeit immer stärker sehbeeinträchtigt wurde. Maierbrugger hat eine schwere Hör-Seh-Behinderung. Sie kommuniziert mit Gebärdensprache und ist mit Blindenstock unterwegs. Die Frau ist stolze Mutter zweier Kinder (elf und dreizehn). Auch wenn die Kinder beim Vater leben, genießt sie die gemeinsame Zeit mit ihnen sehr.
Die 36-Jährige ist gern unterwegs und hat einen Lebensgefährten. Sie sagt: „Wenn die Leute sehen, dass ich halbwegs gut ausschaue, können sie im ersten Moment oft nicht glauben, dass ich eine Behinderung habe.“ Was sie stört, ist: „Ich bekomme wenig Besuch und habe selten Einladungen. Vielleicht denken viele, ich sollte besser zu Hause bleiben. Das macht mich traurig und einsam.“ Aber dagegen kämpft sie an: Etwa, indem sie nach Deutschland reist, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Nun hofft die 36-Jährige, dass sie sich auch in Kärnten bald besser vernetzen kann.
„Wie soll ein Blinder aussehen?“ Heinz Pfeifer ist 49 Jahre alt, studierter Betriebswirt und plant gerade seinen Umzug von Lienz nach Kärnten. Er ist schwer sehbehindert: blind mit schwachem Sehrest, wie es heißt. „Oft kommt es mir vor, als ob die Gesellschaft mir gegenüber blind wäre,“ meint er.Neulich auf einem Klassentreffen sei die erste Frage gewesen: „Wie geht es dir mit den Augen?“ „Niemand hat gefragt: ,Wie geht’s im Beruf‘, ,Wie geht es der Familie?‘“, erzählt Pfeifer. Das zeige, dass der Mensch hinter der Behinderung oft nicht gesehen werde.
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