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Chronik

Ein Blick hinter die Kulissen der Körperwelten

Ab Juni gastiert Gunter van Hagens polarisierende Körperwelten-Schau, die Ausstellung echter, präparierte Leichen in der Grazer Messehalle A. Die Kleine Zeitung war im Plastinarium im deutschen Guben, um einen Blick auf die Plastinate-Erzeugung zu werfen.

vor 9 Jahren18. Mai 2017 um 13:13
Graz-UmgebungGraz
Kärnten
Zwei Autostunden von Berlin, hart an der polnischen Grenze, ist seit elf Jahren Gunther von Hagens Plastinarium in einer ehemaligen Hutfabrik untergebracht. Hier werden pro Jahr Tausende Präparate hergestellt. Der Großteil der Ganzkörperplastinate oder Organe, bzw. Organschnitte wird für Universitäten auf der ganzen Welt erzeugt. Studierende rund um den Globus lernen mit den Produkten des Plastinariums Anatomie.
Zwei bis drei tote Körperspender, das sind Menschen, die ihre leiblichen Überreste dem Plastinarium überschrieben haben, gehen pro Woche hier ein. Die Plastination ist eine Technik, die Gunther von Hagens 1977 erfunden hat und patentieren ließ, um solche Lehrpräparate an der Uni Heidelberg herzustellen. Sein Sohn Rurik von Hagens ist inzwischen Geschäftsführer des Unternehmens, weil der Vater an Parkinson erkrankt ist. Er erklärte bei einem Lokalaugenschein die Schritte des "Konservierungsverfahrens".
In der Körperspenderabteilung werden die Leichen angeliefert und sofort mit einer Formalininjektion konserviert, um auf die Plastination vorbereitet zu werden. Dann werden die Körper präpariert, das heißt es werden Muskel und Organe von Bindegewebe freigelegt. Es folgt ein Bad in tiefgekühltem Azeton, um das Wasser aus dem Körper zu lösen, dann ein Bad in warmem Azeton, um auch die wasserlöslichen Fette zu entfernen (jeweils 6 bis 8 Wochen). Schließlich kommt das Präparat in ein Silikonbad in einer Vakuumkammer. Das Azeton entweicht durch den Unterdruck aus den Gefäßen, das Silikon dringt in die Gefäße ein und plastifiziert die Körper.
Schließlich geht es in die Positionierung: Das silikongetränkte Präparat ist noch flexibel und wird in die korrekte anatomische Form gebracht. Hier werden auch die "Alltagsposen" für Körperwelt-Plastinate eingerichtet.
Die Arbeiten laufen direkt im Ausstellungsareal des Plastinatriums. Besucher können die Arbeitsschritte mitverfolgen und nachvollziehen. Rurik van Hagens unterstreicht die "Politik der offenen Türen" des Unternehmens: "Wir wollen absolute Transparenz, damit die Leute verstehen, was wir hier tun. Es gibt auch so genügend Gerüchte."
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