"Ein, zwei Stunden später und er wäre gestorben"
Schädelbruch, Hirnblutung, Lebensgefahr: Prügelopfer Michael Siegmund (27) spricht über die Bandenattacke mitten in Graz.

Michael Siegmund macht ein Kreuzzeichen, als er erzählt, wie knapp er die brutale Prügelattacke überlebt hat. „Ich weiß nur mehr, dass es ein Tritt gegen meinen Kopf war. Dann war schon alles voller Blut.“ Es war am vergangenen Samstag kurz vor 23 Uhr im kleinen Park gegenüber dem Grazer Operncafe. Gemeinsam mit seinem Bruder und einem Freund spazierten der junge Mann Richtung Mausefalle: „Mein Bruder lag plötzlich am Boden, umzingelt von mindestens fünf Männern. Dann war schon ich dran“, erzählt der 27-jährige Kalsdorfer. Ohne Vorwarnung und sekundenschnell soll es laut seinen Angaben gegangen sein. Die Gründe für die Prügelattacke mitten in der Innenstadt – weiterhin völlig unklar.
Nachdenklich wird die Miene von Michael Siegmund, wenn er hört, wie sein behandelnder Arzt am LKH Graz über die lebensbedrohliche Situation spricht: „Wenn er ein, zwei Stunden später zu uns gekommen wäre, säße er heute nicht mehr da. Sein Zustand war sehr kritisch, er war tief bewusstlos“, erläutert Neurochirurg Manuel Mrfka. Das Opfer erlitt eine Schädelfraktur, der Bruch ging Richtung Gehirn. Es kam zu einem Riss einer Arterie, die zu einer Hirnblutung führte. „Wir machten sofort eine Notoperation, nach sechs Stunden noch eine zweite“, sagt Mrfka.
Neurochirurg Manuel Mrfka über die Verletzungen
Siegmund selbst ist sich bewusst, dass er sich zu lange weigerte, ins Spital zu gehen. „Ich wollte nur heim, mich ausschlafen und warten, bis das Kopfweh verschwindet. Das war im Nachhinein betrachtet natürlich voller Blödsinn.“ Er übernachtete bei einem Freund. Seine Freundin Lisa – sie ist selbst Krankenschwester – rief aber die Rettung. „Wäre sie nicht gewesen, wäre ich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht“, sagt der Kalsdorfer jetzt.
Derzeit hat er noch Sehschwierigkeiten am rechten, schwer verletzten Auge („ich sehe alles doppelt“). Laut Neurochirurg Mrfka spricht der Heilungsverlauf aber dafür, dass Siegmund wieder vollkommen gesund wird. Der Bruder des Opfers hat bereits das Spital verlassen können.
Für den Vorfall am Samstag sucht die Polizei Zeugen. Näheres dazu hier.