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Mobilität

50 Jahre AMG

Die Sportwagenschmiede aus Affalterbach wird heuer 50. Die heißesten Eisen aus fünf Jahrzehnten im Schnelldurchlauf.

vor 9 Jahren29. Jänner 2017 um 05:08
Mobilität
Das Erstlingswerk von Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher kam daher wie ein knallroter Paukenschlag. Für das 24-Stunden-Rennen in Spa 1971 brachten die zwei Ingenieure einen 300 SEL an den Start, den sie nach allen Regeln der Kunst frisierten. Der verbaute 6,8-Liter-V8 war ein lupenreines Renntriebwerk mit über 400 PS, an dem das Duo schon zu ihrer Zeit bei Daimler arbeiteten. Nach dem Stopp sämtlicher motorsportlicher Aktivitäten trieben sie die Entwicklung des Triebwerks auf eigene Faust voran. Aus dieser enthusiastischen Tat resultierte die Geburtsstunde von AMG, und das Ergebnis beeindruckte nachhaltig: Klassensieg und Platz zwei im Gesamtergebnis – und das mit einer großen Limousine, die künftig alle nur mehr rote Sau nannten. Der Mythos AMG war geboren.
Ja, schon klar, schon wieder ein V8-Mercedes, den AMG hier auf die breiten Räder gestellt hat. Aber er repräsentiert schön den Wandel, den der ehemalige Tuner zu der Zeit vollzogen hat. Die Flegeljahre waren vorbei. Es war Zeit erwachsen zu werden. Nur wie sollte das in den knallbunten Siebzigern aussehen? Vielleicht so: Ein kreuzbraves Coupé bekommt nicht nur den Fünfliter-V8 aus den größeren Baureihen verpasst, was nur dank kreativer Lösungen (sogar den Hauptbremszylinder musste man versetzen) gelang. Man gönnte ihm auch noch eine dezente Überarbeitung, damit 276 PS für wackere Fahrleistungen sorgten. 7,4 Sekunden auf 100 und immerhin maximal 235 km/h, das war für einen Mercedes seinerzeit atemberaubend. Delikat wird der Wagen allerdings, wenn man sich die zahllosen Details ansieht, mit der AMG seinerzeit versucht hat, dem Wagen einen sportlichen Stempel aufzudrücken: Ein auffälliges Spoilerwerk, das nur halbwegs zur barocken Grundform der Baureihe W 123 passen wollte. Dazu ein etwas zu tiefes Fahrwerk und Tiefbettfelgen, wie man sie nur in den Siebzigern montieren konnte. Und als Krönung der Maßnahmen wurde noch alles, wirklich alles, was irgendwie lackierbar war, in Wagenfarbe gehüllt. Ein unglaublicher Zeitzeuge einer Epoche, in der nur das wirklich cool war, was man nicht serienmäßig beließ. Und damit ein schöner Kontrast zu heute, wo es AMGs ab Werk frisiert gibt.
AMG war mittlerweile ein angesehener Hersteller von hochpreisigen Tuningteilen für allerlei Mercedes-Modelle, und wagte nun den Schritt zum Motorenhersteller. Für den Mercedes-eigenen Achtzylinder entwickelte man in Großaspach Vierventil-Zylinderköpfe, die in Kombination mit der Hubraumerweiterung von 5,6 auf sechs Liter Hubraum gewaltige 385 PS abwarfen. Vor allem im damals neuen E Coupé mutierte dieses Monstertriebwerk zum Ferrari-Schreck: 289 km/h waren eine echte Ansage, die dieser AMG, den man fortan nur mehr „The Hammer“ nannte, auch optisch zur Schau zu tragen wusste: Muskulöse Kotflügelverbreiterungen und sämtlichen Chromes beraubt, stellt der 300 CE 6,0 wohl so ziemlich das extremste Paket dar, das jemals die AMG-Hallen verließ. Mehr als 12 Stück wurden aber nicht produziert – kein Wunder, bei einem Stückpreis von über 170.000 Euro!
Geht es um den 190er, denkt jeder immer nur an die Sechzehnventil-Versionen mit vier Zylindern und 2,3 bis 2,5 Liter Hubraum, die Mercedes als Homologationsmodelle für den Tourenwagensport aufgelegt hat. Dabei ist die Variante von AMG nicht nur viel interessanter, sondern auch deutlich schneller. Basis war der sechszylindrige 190 E 2,6, dem man den auf 3,2 Liter aufgebohrten Motor aus dem 300 E verpasste. Dazu gab es einen feinst bearbeiteten Zylinderkopf und mehr Kompression, und alles zusammen ergaben drehmomentreiche 235 Hubraum-PS. 244 km/h Spitze und nur 7,6 Sekunden für den Sprint von Null auf 100 km/h zeigten eindeutig: Die Sechszehnventiler vom Werk waren zwar nett, aber der wahre König unter den kleinen Sternen hatte die magischen drei Buchstaben im Namen.
Von den Leistungsdaten vielleicht nicht so beeindruckend wie seine Kollegen, doch für AMG selbst war der C 36 ein riesiger Schritt. Die Sportversion der ersten C-Klasse von 1993 ist nämlich das erste Modell, das nicht nachträglich umgebaut, sondern fixfertig ab Werk erhältlich war. Kein Wunder, Mercedes war von den Erfolgen der Edelschmiede in der Nachbarschaft dermaßen angetan, dass man sie gleich komplett übernahm und künftig alle sportlichen Aktivitäten bei ihr bündelte. Und als offizieller Werks-Tuner nahm man sich natürlich das Modell vor, das gerade auch in der deutschen Tourenwagenmeisterschaft unterwegs war. Der V6-Motor des C 36 indes leistete 280 PS, als optischer Aufputz reichte in den schmähbefreiten 90ern die typischen AMG-Felgen, ein Sportfahrwerk und natürlich ein hübscher Spoilersatz.
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