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Mobilität

VW GOLF GTI

1976 kam die Geschichte des Urmeters unter den sportlichen Kompakten ins Rollen. Wir haben die besten GTIs aus mehr als vier Jahrzehnten zusammengestellt.

vor 10 Jahren30. April 2016 um 19:27
Mobilität
Die Franzosen, das waren schon alte Gasgeber. Und kleine Rennsemmeln liebten sie abgöttisch, was für VW anfangs eine feine Sache war. Als die Konkurrenz aber immer stärker wurde, mussten sie improvisieren. Der französische Markt war dermaßen groß und der Renault 5 Alpine dermaßen erfolgreich, dass VAG France 1980 bei Tuner Oettinger vorstellig wurde und dessen 16V-Motor für eine Sonderserie des GTI ins offizielle Programm übernahm. Der GTI 16S (S für Soupape, französisch für Ventil) hatte weiterhin 1,6 Liter Hubraum, aber 136 PS, was ihn wieder nach oben im Klassenranking spülte. Eine BBS-Rundumverschalung und 15-Zoll-ATS-Alufelgen rundeten das Paket stimmig ab. Wir befinden uns schließlich in den Achtzigerjahren, da ging einfach nichts über viel Tamtam. Heute ein gesuchter Klassiker, und das nicht nur in Frankreich.
Jetzt war der GTI an sich schon für VW sehr mutig und dann treiben es die Jungs aus Wolfsburg im allerletzten Baujahr der ersten Golf-Serie noch einmal auf die Spitze. Sie legten den Pirelli auf, um die Nachfrage kurz vor Produktionsschluss noch einmal anzuheizen. Die Maßnahmen waren simpel, aber effektiv: Alle Anbauteile lackierte man in Wagenfarbe und anstelle der süßen 13-Zoll-Stahlfelgen kamen 14-Zöller im exklusiven Pirelli-Design mit – richtig – Pirelli-Reifen zum Einsatz. Dann noch ein paar Gimmicks aus der Aufpreisliste dazu packen, und das war es auch schon, mehr Unterschiede zu einem normalen GTI gibt es nicht. Dennoch war VW von der Nachfrage mehr als überrascht. 40.000 Pirellis liefen gemeinsam mit anderen Sonderserien (Rabbit GTI, GTI Trophy) vom Band. Und zwar immer noch, als der Golf 2 bereits ausgeliefert wurde.
In den goldenen Zeiten des Rallyesports sah die Hackordnung im VW-Konzern folgendermaßen aus: Audi als technologische Speerspitze durfte sich in der Königsliga Gruppe B profilieren und VW als braver Massenhersteller wuselte mit dem damals neuen GTI 16V eifrig in der wesentlich seriennaheren Gruppe A durch die Wälder – und das sogar äußerst erfolgreich. Kenneth Eriksson gelang es mit seinem deutschen Beifahrer Peter Diekmann, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Eine beachtliche Leistung, da das Budget des Teams aus Hannover im Vergleich zu den Kollegen aus dem bayerischen Ingolstadt fast schon bemitleidenswert klein war. So lag es dafür umso mehr am Feuereifer der Beteiligten, die diesen Titel ermöglichten. Eriksson und Diekmann reparierten defekte Antriebswellen in Afrika selber und retteten auf diese Art den Golf nicht nur einmal ins Ziel. Ihr Erfolg sollte aber keine Fortsetzung finden. 1987 wurde die Gruppe B verboten, alle Hersteller, die dort aktiv waren, drängten sich mit ihren Allradturbogeräten nun in die Gruppe A. Und der frontgetriebene GTI mit Saugmotor war schlagartig chancenlos.
Zugegeben, es handelt sich hier um ein reines Rennauto, aber dafür um den einzigen GTI mit zwei Motoren, den VW selbst entwickeln ließ. Volkswagen hatte mit diesem Hobel nur eines im Sinn: Das Race to the Clouds auf dem Pikes Peak zu gewinnen. Sie betrieben dieses Vorhaben mit ehrgeiziger Ernsthaftigkeit: Rallye-As Jochi Kleint war der Fahrer, der Wiener Formel-Vau-Guru Kurt Bergmann kümmerte sich um die Konstruktion. Die letzte Version von 1988 hatte zwei 16V-Turbo-Motoren mit jeweils rund 300 PS und ein unglaublich kompliziertes Gewirr aus Schaltgestängen und Gaszügen. Das klappte nicht immer nach Plan: Einmal ging ein Triebwerk hoch, was das Fahrverhalten schlagartig unberechenbar machte und ein kreidebleicher Herr Kleint eine Zeit lang nicht ansprechbar war. Ein anderes mal grub sich der wilde Golf von selbst ein, weil das vordere Getriebe den ersten, die rückwärtige Schaltbox aber den Retourgang eingelegt hatte. Und während des Rennens klappte dieses System zwar, aber ein Traggelenk brach, und alles war vorbei. Schade, denn die Zwischenzeit war die schnellste des Tages.
VW war damals beim Wörthersee-Treffen ganz vorne dabei. Näher kommt man schließlich nicht an seine zahlungskräftige Kundschaft heran, die die Produkte abgöttisch verehrt. Und der muss natürlich etwas geboten werden: Wer behauptet hätte, nur fliegen ist schöner als GTI-fahren, der sollte heuer eines Besseren belehrt werden. Diesen roten Zweier hängte man an einen Gleitschirm und an das Schleppseil eines Motorboots und ließ ihn über dem See tatsächlich in die Luft gehen. Sogar die Landung klappte bravourös. Wirklich besonders war nicht das flockige Design der Karosserie im Stile eines seinerzeitigen Trainingsanzugs, sondern eher die Tatsache, dass dieser GTI einem GTI nur verblüffend ähnlich sah. In Wahrheit handelte es sich nämlich nur um eine federleichte und hohle Glasfaserhülle. Aber dennoch: coole Idee und ein gelungener Abschluss, denn kurze Zeit später sollte sich Volkswagen von dem Treffen, das damals schon völlig aus dem Ruder lief, erst einmal zurück ziehen.
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