"Bei Tempo 130 bäumte sich die Schlange vor mir auf"
Statt einzukaufen, fuhr Lisa Stöckl aus Trebesing mit ihrem einjährigen Sohn und einer Schlange 15 Kilometer zum ÖAMTC. Nach zwei Stunden konnten die Techniker das Tier aus dem Auto ziehen.

Als Lisa Stöckl aus Trebesing Mittwoch Mittag einkaufen gehen wollte, lag eine große Schlange vor der Haustür. „Ich wollte sie mit einem Besen verscheuchen, aber statt aufs Feld kroch sie auf den vorderen Reifen.“ Die 25-Jährige holte ihren Schwiegervater. „Da verschwand sie unterm Auto.“ Lisa Stöckl wollte vorsichtig wegfahren, um sie nicht zu überrollen. „Währenddessen ist sie hinten auf den Wagen gekrochen.“
Was hilft‘s? Stöckl musste einkaufen: „Ich fahre jetzt los. Entweder, sie flüchtet von selbst und ich lande beim Supermarkt. Oder nicht, dann geht’s zum ÖAMTC.“
Kurz vor dem Wolfsberg-Tunnel wurde ihr die Entscheidung abgenommen: „Ich war mit Tempo 130 unterwegs. Auf einmal bäumt sich die Schlange auf, vom Kühlergrill aus 50 Zentimeter in die Höhe. Im Wind ist sie hin- und hergeschwankt.“

"Mordsschiss"
Jetzt war das Fahrtziel eindeutig: der ÖAMTC Spittal. „Das hat mir keine Ruhe mehr gelassen. Nicht, dass sie durch die Lüftung oder so in den Innenraum des Autos kommt. Grauenhaft!“ Die Erinnerung an den Schreckensmoment ist so heftig, dass die drastisch-plastische Vokabel „Mordsschiss“ gefallen sein könnte.
Beim ÖAMTC angekommen, hielt sich die junge Mutter nicht mit Aufnahmeformalitäten auf, sondern fuhr direkt zu den Mechanikern – und war sogar noch zu Scherzen aufgelegt: „Ich habe eine Schlange im Auto. Gibt’s bei euch einen Schlangenfänger?“
Mein Sohn Paul hat groß geschaut und sich sicher gefragt, was das ist.
— Mutter Lisa Stöckl
Fast alle Mitarbeiter versammelten sich um das Auto und beobachteten, was der „ÖAMTC-Schlangenexperte“ und Techniker Michael Konrad unternahm. „Er hat bestätigt, was ich schon zuhause erkannt habe: dass es sich nämlich um eine Äskulap-Natter handelt. Die gehören zu den größten heimischen Schlangen, sind aber nicht giftig. Obwohl: Auf der Autobahn hat mich das nicht wirklich beruhigt.“
Konrad spürte der Schlange nach, die versteckte sich im Motorraum. Konrad hievte den Wagen auf die Hebebühne und machte sich von unten auf die Jagd. Gut, dass die Schlange nicht aus dem Wagen fiel, das wäre wie im echten Dschungel gewesen.
Nach zwei Stunden ging die Jagd zu Ende. Auch der ÖAMTC hat Humor. „Die neue Adresse der Schlange: ,Wald bei Spittal‘.“
Video: So wurde die Schlange befreit
Für Sohn Paul (1) war das Abenteuer „Highlife“, sagt Lisa Stöckl: „Als die Schlange geborgen wurde, hat er groß geschaut und sich bestimmt gefragt, was das ist.“
Das, lieber Paul, ist die Testschlange, die bewiesen hat, wie unerschrockene deine Mutter ist.
JOCHEN BENDELE