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Geplantes US-Werk von Audi: Zollrabatt als Gegenleistung?

Nach dem Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung für US-Präsident Trump brodelt die Gerüchteküche: Als Gegenleistung für ein US-Werk könnten Zollsenkungen winken. Für Freitagnachmittag wurde eine Sondersitzung des Audi-Aufsichtsrats anberaumt.

© AP/Mark Schiefelbein
Audi-Chef Gernot Döllner und US-Präsident Donald Trump

Wenige Tage nach dem umstrittenen Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner mit US-Präsident Donald Trump will sich der Aufsichtsrat des Autobauers außerplanmäßig treffen. Bei der für Freitagnachmittag angesetzten Sondersitzung soll es unter anderem um das geplante Werk in den USA und den Rahmen der Ankündigung gehen, sagen Insider laut Medien. Die USA haben Audi laut weiteren Kennern unterdessen Zollerleichterungen als Gegenleistung für ein Werk in Georgia zugesagt.

Ob bei der Sitzung auch der Stuhl Döllners wackeln könnte, war zunächst völlig unklar. Eine Audi-Sprecherin teilte mit, dass man sich zu internen Gremien nicht äußere. Der Autohersteller legt am Freitag auch seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal vor. Angesichts stark rückläufiger Absätze wird erwartet, dass sie eher schlecht ausfallen.

Kritik an Audi-Chef Döllner nach Auftritt mit Trump

Trump hatte bei einem Wahlkampfauftritt am Samstag überraschend den Bau einer Audi-Fabrik angekündigt. Döllner trat anschließend auf die Bühne und dankte dem US-Präsidenten für dessen Unterstützung. In den USA stehen am 3. November die Zwischenwahlen an. Der Manager steht seither heftig in der Kritik, unter anderem weil er gegen interne Leitlinien zu Wahlkampfauftritten verstoßen hat. Sogar sein Rücktritt wurde bereits gefordert. Döllner hat seinen Auftritt als im Interesse des Unternehmens verteidigt.

Die VW-Tochter will in der Fabrik in Perry im US-Bundesstaat Georgia jährlich 200.000 Sportgeländewagen (SUV) produzieren. Geplant sind Investitionen in Höhe von vier Milliarden Dollar (rund 3,6 Milliarden Euro). 4.500 Arbeitsplätze sollen entstehen. Audi nennt 2027 als Baubeginn, der Produktionsstart soll Anfang der 2030er-Jahre erfolgen. Es wäre das erste Werk der Ingolstädter in den Vereinigten Staaten. Die finale Freigabe der Pläne durch den Aufsichtsrat der Konzernmutter Volkswagen steht noch aus.

Zollerleichterungen für Werk in Georgia?

Die USA haben Audi laut weiteren Insidern unterdessen Zollerleichterungen als Gegenleistung für ein Werk in Georgia zugesagt. Der Zollsatz für Einfuhren werde effektiv bei zehn Prozent erwartet. Allerdings ist unklar, ob dieser Zollsatz für alle Importfahrzeuge gilt oder nur für die aus Europa eingeführten Autos. Zudem ist offen, wann der niedrigere Satz eingeführt wird.

Einer der Insider sagte, Audi habe eine Halbierung der Zölle auf 7,5 Prozent verlangt. Die US-Regierung habe aber auf einem zweistelligen Satz bestanden, hieß es. Derzeit gilt für Einfuhren aus Europa ein Zollsatz von 15 Prozent. Eine Audi-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.

Auch andere deutsche Autobauer könnten profitieren

Auch andere Autobauer könnten von den Zollerleichterungen profitieren: Einer der Insider und drei weitere mit dem Vorgang vertraute Personen sagten, es sei davon auszugehen, dass die US-Regierung anderen Unternehmen ähnliche Konditionen anbiete, wenn diese Produktion in die USA verlagerten. Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ über diese Pläne berichtet.

Aufsichtsrat vorab über kritischen Auftritt informiert?

Einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge hat Audi-Chef Gernot Döllner vor seinem Auftritt bei einer Wahlkampfveranstaltung mit Trump dem Präsidium des VW-Aufsichtsrats das Vorhaben vorgestellt. Unter Berufung auf Beteiligte hieß es, sowohl der Zollsatz von 15 Prozent beim Import aus Europa als auch die 25 Prozent für in Mexiko gefertigte Fahrzeuge würden reduziert. Trump werde ein entsprechendes Dekret unterzeichnen. Zahlen und Fakten habe Döllner jedoch nicht vorgelegt, hieß es in dem Bericht weiter unter Berufung auf Teilnehmer des Treffens.