Staatsoper: Rolando Villazón als bewegender Titelheld
„L‘Orfeo“ bleibt szenisch die große Schwachstelle in der Monteverdi-Trilogie der Wiener Staatsoper, aber Rolando Villazón beglaubigt den Kostümschinken mit einer intensiven Glanzleistung in der Titelpartie.

Die drei erhaltenen Opern Claudio Monteverdis feierten in den letzten Jahren allesamt Premiere in der Wiener Staatsoper. Der vom Briten Tom Morris inszenierte „L‘Orfeo“ konnte szenisch bei weitem nicht mit den beiden anderen Produktionen mithalten, was die Wiederaufnahme noch einmal eindrücklich bestätigt: Ein lahmer Kostümschinken mit einem gelungenen Bühnenbild im zweiten Teil.
Zum Glück ist Rolando Villazón der Orfeo dieser Aufführungsserie. Ohne jetzt seine niemals überwundene Stimmkrise noch einmal aufzuwärmen (die tiefe Lage ist offenbar unwiederbringlich verloren): Was der Sänger stimmlich und darstellerisch aus der Hauptpartie macht, ist Klasse: Sein intensives Deklamieren, sein in der angenehmen Mittellage immer noch enorm sinnlicher Tenor, sein wunderbares Schauspiel ergeben ein Porträt, das vermutlich viel näher von Monteverdis Uridee von emotional bewegtem Sologesang erfüllt ist, als Generationen von stilistisch korrekten und sauber klingenden Musterknaben. Die große Arie „Possente spirto“ wird zum Höhepunkt des Abends: Ein verzweifelter Mann, der mit aller Kraft versucht, die Schönheit seiner Stimme zu mobilisieren, um den Fährmann einzuschläfern. Was, eigentlich sehr unpassend, auch gelingt.
Das Niveau des Ensembles ist sehr gut, als Echo/Musik/Hoffnung ragt Nadezhda Karyazina deutlich heraus: ein großartiger Mezzo mit Spannkraft und Kontur. Dinge, die dem Concentus Musicus im Orchestergraben nicht im Übermaß zur Verfügung stehen. Dem Dirigenten Stefan Gottfried verlaufen die Linien ein wenig, aber das etwas impressionistische Klanggemälde gefällt. Auch weil die formidablen Posaunen und Zinken wunderschön warm tönen.