Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Tanz, der über die Bühne hinausgeht: Das CCB feiert Geburtstag

Das „Center for Choreography Bleiburg“ feiert den 15. Geburtstag mit einem Jubiläumsabend und lädt mit dem Tanzbüro Villach zu einem Open Call für Jugendliche, die aus einer Gemeinderatssitzung eine Performance machen wollen.

© Grabowski
Die Kompanie bodytalk zeigt zum Jubiläum die Performance „24/7 Neue Todsünden“
Marianne Fischer
Leitung Kultur & Medienressort Kärnten

Wie tagt ein Gemeinderat? Wie wird gesprochen, wie auf Zwischenrufe reagiert, wie läuft eine Abstimmung ab? Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren können das in Villach genau studieren: Anhand einer aufgezeichneten Gemeinderatssitzung erarbeiten sie eine kurze Performance, die Mimik, Gestik und Gruppendynamik aufgreift. Den Open Call dafür hat das Tanzbüro Villach gemeinsam mit der Stadt ausgeschrieben. Gezeigt wird die Choreografie am 27. November während der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres.

Tanztheater als gesellschaftskritische Kunst

Es ist ein Projekt, das Johann Kresnik (1939 bis 2019) wohl gefallen hätte. „Ballett kann kämpfen“, war der Choreograf und Regisseur überzeugt, der sein Tanztheater stets auch als gesellschaftskritische und politische Kunst verstand. Als er in seinem Heimatort Bleiburg 2009 die Produktion „Auf uns kommt es an/Ta roka bo kovala svet“ nach Texten von Jura Soyfer zeigte, gab er damit einen entscheidenden Impuls für die spätere Gründung des Choreografischen Zentrums Bleiburg (CCB), das am 31. Oktober das 15-Jahr-Jubiläum feiert.

„Wir wollen im Sinn von Kresnik kritisches Tanztheater fördern, aber auch neue Entwicklungen ermöglichen und vor allem den Tanz noch stärker in die Bevölkerung tragen“, sagt Thales Weilinger, der gemeinsam mit Guido Markowitz, Ballettchef am Theater Pforzheim, die künstlerische Leitung innehat. Ein Herzstück des Programms ist die von Anna Hein kuratierte „Lange Nacht des Tanzes“ in wechselnden Orten: „Das Format wird vom Publikum sehr gut angenommen“, erzählt Weilinger. Auch mit Eigenproduktionen wie Zdravko Haderlaps Lavant-Stück „Ich bin maßlos in allem“ hat das CCB neue Zugänge zum zeitgenössischen Tanz eröffnet.

© Urbais
Thales Weilinger

Um diesen noch stärker im Alltag zu verankern, wurde 2025 das Tanzbüro Villach als zweiter Standort eröffnet. Es setzt ganzjährig auf Vermittlung: Workshops an Schulen, Jugendprojekte und Kooperationen sollen Berührungspunkte schaffen, die über den Theaterbesuch hinausgehen. Denn das Ziel sei, „Tanz im Alltag als etwas zu integrieren, das uns auf vielen Ebenen begleitet“, so Weilinger.

Jubiläumsfeier mit viel Tanz

Welche kulturpolitischen Veränderungen die Arbeit des CCB in den vergangenen 15 Jahren geprägt haben, ist Thema einer Diskussionsrunde bei der Jubiläumsfeier. Im Mittelpunkt steht jedoch der Tanz selbst: Drei Produktionen zeigen unterschiedliche Facetten zeitgenössischer Bühnenkunst. So hat die slowenische Tänzerin und Choreografin Petra Peček eigens für diesen Abend die Solo-Performance „Passage XV“ entwickelt. Thales Weilinger steuert eine 30-minütige Performance bei, die er gemeinsam mit dem Kanaltaler Kulturverein erarbeitet hat. Und die deutsche Kompanie „bodytalk“ beschäftigt sich in „24/7 Neue Todsünden“ mit Selbstinszenierung, digitaler Dauerpräsenz und dem Verlangen nach Aufmerksamkeit. Ihre Mitgründerin Yoshiko Waki arbeitete einst selbst als Tänzerin mit Johann Kresnik – eine Verbindung, die den Bogen zurück zu den Anfängen des CCB schlägt.

Zum Jubiläumsabend und Open Call

15 Jahre CCB. 31. Oktober, Kulturni dom Bleiburg/Pliberk. 18 Uhr Diskussion 15 Jahre CCB im kulturpolitischen Wandel mit Anna Hein, Zdravko Haderlap, Arthur Ottowitz und Milan Pilo. Im Anschluss dreimal Tanztheater: „Passage XV“, „Unter die Haut“, „24/7 Neue Todsünden“. Begleitend im Foyer Zitate aus 15 Jahren CCB, Texte zu Johann Kresnik und Titel ausgewählter Produktionen.
Open Call: Die Gemeinderatssitzung. Ein choreografisches Theater. Alle Infos:
ccb-tanz.at