Viele Diskussionen nach den umstrittenen Szenen beim Sturm-Remis
Bei der Beurteilung der Tätlichkeit von Arjan Malic spielte die Intensität des Remplers keine Rolle – „Rot“ war durch Regeln gedeckt. Sturm hat mit dem 2:2 gegen Ried den Anschluss an die Tabellenspitze verloren.
Es hätte die perfekte Woche werden können für den SK Sturm. Nach dem 6:1 im Grazer Derby und dem 1:0 in der Europa League gegen Olympique Marseille brauchte es am Sonntag dafür „nur“ noch einen vollen Erfolg gegen Ried. Daraus ist nichts geworden, die Partie gegen die Oberösterreicher endete 2:2. Damit halten die Grazer bei 18 Punkten und haben den Anschluss an die Tabellenspitze mit Rapid (27) und Salzburg (24) verloren.
Das Spiel, oder besser gesagt einige Entscheidungen des Schiedsrichterteams, wirft Fragen auf. Die Rote Karte von Arjan Malic kam zustande, weil sich der VAR in Person von Alan Kijas eingeschaltet hat. Malic hatte Jaedin Rhodes beim Vorbeilaufen einen leichten Rempler in den Rücken verpasst. Der Rieder Spieler stürzte wie ein Stuntman in einem Actionfilm. Regeltechnisch wird die Schiedsrichterkommission das Foul von Malic als Tätlichkeit beurteilen.
Schiedsrichter Safak Barmaksiz wurde zum „Onfield-Review“ gebeten und entschied regeltechnisch. Die Intensität eines Stoßes/Schlages einer Tätlichkeit hat keine Relevanz bei deren Beurteilung. Zweikämpfe werden mit einer weit höheren Wucht geführt, da geht es aber um den Ball – und der war bei Malics Aktion gar nicht im Spiel. Ohne VAR-Eingriff hätte Barmaksiz, wenn er den Vorfall selbst gesehen hätte, drei Möglichkeiten gehabt: eine mündliche Verwarnung, eine Gelbe für Malic oder eben den Ausschluss.
Sobald ein Unparteiischer aber zum Onfield-Review gerufen wird, bedeutet das schon Abzüge in seiner Bewertung. Entscheidet er nach der Betrachtung der Bilder dann nicht regeltechnisch korrekt, erhält er weitere Abzüge in der Beurteilung. Seit Jahren wird daher über dieses Bewertungssystem für Schiedsrichter diskutiert. Längst sind die Schiedsrichter auf dem Feld nicht mehr Einzelentscheider, demnach sollte auch die Leistung des VAR bewertet werden.
Zurück zum Sturm-Spiel: Malic hat jedenfalls eingesehen, dass seine – in der Emotion ausgeführte – Aktion unnötig war, und entschuldigte sich noch in der Kabine bei der gesamten Mannschaft. Der Ausschluss trifft Sturm, weil der aktuell formstarke Verteidiger nicht nur gegen Ried für eine numerische Unterlegenheit des SK Sturm sorgte, sondern zumindest eine weitere Partie fehlen wird – angesichts des personellen Engpasses doppelt bitter.
Bitter für Sturm ist auch, dass sowohl Schiedsrichter Barmaksiz als auch Alan Kijas als VAR beim Treffer zum 2:1 für die Rieder kein Foul des Torschützen Isaac Kiese Thelin an Jon Gorenc Stankovic erkannten. Barmaksiz, der dafür bekannt ist, viele Kleinigkeiten zu pfeifen, rückte in dieser Aktion von seiner Linie ab. Und diesmal schaltete sich der VAR unverständlicherweise und im Gegensatz zum Rempler von Malic nicht ein.
Der Bundesliga-Strafsenat tagt aufgrund des Feiertages erst heute, dann wird über die Dauer der Sperre entschieden. Ebenso berät man heute, welche Folgen die emotionale Reaktion von Fabio Ingolitsch nach Schlusspfiff haben wird. Der sagt, er habe Barmaksiz „nicht beleidigt“, sondern ihm schlichtweg mitgeteilt, dass er, der Referee, „eine Skandalleistung“ abgeliefert hatte. Wie Malic bei der Mannschaft hat sich auch Ingolitsch nach der Partie beim Schiedsrichter für sein emotionales Verhalten entschuldigt.