AUA! Abschiedsschmerz beim allerletzten Flug von Graz nach Wien
Am Freitag hob zum letzten Mal ein Jet der AUA-Fluglinie von Graz nach Wien ab. Mit dabei: Ein Club von Vielfliegern, ein 80-jähriges Geburtstagskind, TV-Kameras und ganz viel Wehmut.

Zu behaupten, die Männerrunde sei ein wenig aufgeregt, wäre ziemlich untertrieben. Denn die sechs Herren in der Eingangshalle des Grazer Flughafens, allesamt Mitglieder eines Clubs für Vielflieger, haben für diesen besonderen Moment nicht nur zwei eigene Poster anfertigen lassen, sondern auch Erinnerungsstücke im DIN-A-4-Format. Diese wollen sie, nach dem feierlichen Anstoßen in der Airport-Lounge, „später an Bord“ verteilen – denn selbstverständlich steigen Erik Faltermann, Michael Sabadello, Andreas Wurzer, Oliver Tautter, Markus May und Johannes Painold ein, wenn an diesem Freitag ein Jet Geschichte schreibt. Beim allerletzten Flug der Austrian Airlines (AUA) von Graz nach Wien. Nach mehr als 100 Jahren.
Die heimische Fluglinie „passt ihr Angebot im Winterflugplan 2026/27 an, um Verluste auf wirtschaftlich nicht mehr tragfähigen Strecken durch die deutlich gestiegenen Kerosinpreise zu vermeiden. Davon betroffen sind unter anderem auch die Austrian Airlines-Flüge zwischen Wien und Graz.“: So hatte man das finale Packen der Koffer für den 23. Oktober angekündigt. Ein Umstand, der für die steirische Landespolitik genauso eine Hiobsbotschaft war wie für die Chefs des Grazer Flughafens – wobei Letztere schnell betonten, dass im Gegenzug das Sitzplatz-Angebot zu anderen großen Umsteigeflughäfen ausgebaut werde.
Ich arbeite in einem Reisebüro. Und wir bedauern diesen Entschluss der AUA schon sehr
— Claudia Barboric
Wehmut liegt in der Luft
Dieses vermeintliche Trostpflaster wirkt aber an diesem Freitagnachmittag nicht. Stattdessen liegt zwischen Fotoapparaten und TV-Kameras viel Wehmut in der Luft: Unter den Zaungästen auf der Besucherterrasse etwa, die diesen Moment festhalten wollen – dazu gehören Teenager mit Stativen, die fast größer sind als sie selbst, genauso wie arriviertere „Spotter“ samt Hocker für den besseren Überblick. Und wenn dann jener Pilot, der nach einem Foto mit der Crew soeben noch den „Gabelstaplerfahrer“ am Rollfeld umarmt hat, beim Anrollen zur Startbahn auch noch aus dem Cockpitfenster winkt, ist es bis zu den Taschentüchern nicht mehr weit.

Zum 80. Geburtstag
Silvia Barboric kommt zufällig in den Genuss des Spektakels: Zu ihrem 80. Geburtstag hat sie von ihrem Sohn Marcus und Schwiegertochter Claudia einen Flug nach Rom via Wien geschenkt bekommen. „Als dann die Meldungen kamen, dass die AUA ihre Graz-Flüge einstellt, hab ich nur noch schnell nachgeschaut, ob unserer eh noch erledigt wird“, schmunzelt Claudia – um dann umso ernster nachzulegen, quasi auch von Berufs wegen: „Ich arbeite in einem Reisebüro. Und wir bedauern diesen Entschluss der AUA schon sehr.“
Um exakt 16.25 Uhr steigt schließlich der Jet mit der Flugnummer OS 118 in die Luft. An Bord sind knapp 100 Passagiere, darunter auch die sechs Herren vom Vielfliegerclub, wobei Michael Sabadello den Vogel abschießt: Es ist sein 181. Flug – allein in diesem Jahr!