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Für AfD-Chefin Alice Weidel könnten die geleakten E-Mails zum Desaster werden

Hacker haben Mails und Dokumente der Rechtsaußenpartei online gestellt. Das ist kriminell. Aber interessant fürs Wahlpublikum. Und mindestens unangenehm für Alice Weidel & Co.

© IMAGO/Hesham Elsherif
Datenleck bei der AfD – E-Mails belasten Weidel
Cornelie Barthelme
Korrespondentin in Berlin

Allerspätestens an Tag 3 muss Alice Weidel begreifen: Mit einer kleinen Drohung werden sie und ihre Partei nicht wegkommen. Am Dienstag haben Unbekannte mehr als 600.000 interne Datensätze der AfD öffentlich gemacht, darunter gut 420.000 E-Mails. Der größte Datendiebstahl in der deutschen Parteiengeschichte. Und nun kann die Republik nachlesen, dass die mächtigste Frau der Partei vielleicht in der ersten von etlichen Spendenaffären nicht die Wahrheit gesagt hat.

Als WDR, NDR und „Süddeutsche“ (SZ) 2018 aufdeckten, dass Weidel für ihren Wahlkampf 2017 insgesamt 132.000 Euro bekommen hatte, gestückelt, über einen Strohmann und aus dem EU-Ausland – alles illegal: Da hatte sie dem Rechercheteam gesagt: „In das Tagesgeschäft der Wahlkampffinanzierung war ich nicht eingebunden.“ Nun legen Mails aus dem Datenkonvolut, gesendet von Weidels Account, das Gegenteil nahe. Die Tagesschau hat folgende aus dem Juli 2017 gefunden: „Es wurden mir Spenden avisiert, mit denen ich meinen Social Media Wahlkampf bestreiten muss.“

Weidel droht den Benutzern der Daten

Bei dieser einen, dezent formuliert, Ungereimtheit wird es kaum bleiben. Die Datenmenge ist mit etwa 300 Gigabyte gewaltig; schon das Laden aus dem Internet dauert Stunden. Und das ist ein Nichts gegen die Auswertung bis ins Detail.

Weil Weidel & Co. also bestenfalls ahnen, was ihnen droht – drohen sie, als erste Reaktion, ein bisschen zurück. „All jene, die nun diese Daten nutzen“, schreibt die Parteiführung nach dem ersten Schreck, „heißen ein Verbrechen gut und missachten oftmals das Persönlichkeitsrecht.“ Im Übrigen werde man „keine Anfragen beantworten, in denen es um die Frage geht, ob ein vermeintlicher Leak-Inhalt echt oder gefälscht ist“. Und dann wird, ohne jeden Beleg, behauptet: „Tatsächlich haben wir bislang schon einige bedenkliche Fälschungen entdeckt.“

Unentdeckt bleiben die Hacker, die als „Hexane“ firmieren. Die „Zeit“ hat ihnen per E-Mail Fragen gestellt. Sie seien zu zweit, schreibt eine Person, die sich „Ver“ nennt und in den USA verortet, zurück. Es gehe ihnen um Transparenz. Man habe „besorgniserregende Hinweise auf finanzielles Fehlverhalten“ gefunden – und: „Korruption geht alle etwas an, egal, wo man politisch steht.“

AfD wollte Privatadresse von Journalisten herausfinden

Es geht aber um mehr als illegales Geld. Die „SZ“ etwa schreibt, dass die AfD versucht hat, die Privatadresse des „heute-show“-Comedians Fabian Köster herauszufinden, nachdem der bei der FPÖ-Party am Abend der Nationalratswahl 2019 als Reporter von „AfD-TV“ Gäste interviewte. Weidel & Co. fanden das nicht zum Lachen.

Und ebenfalls die „SZ“ hat in den Mails gelesen, dass Weidel, damals bereits Co-Fraktionschefin, ein Zimmer bei der Hotelkette „Holiday Inn Express“ stornieren ließ, weil die zur Bedingung machte, dass „weder die Gäste noch unsere Mitarbeiter diskriminiert werden“. Sie lasse sich, zitiert die „SZ“ aus der Mail von Weidels Account an den AfD-Bundesvorstand, „von einer Billighotelkette nicht irgendwelche Verordnungen diktieren“; „der Diskriminierungsparagraph“ sei eine „Unverschämtheit“.

Es ist erst Tag 3. Und es werden noch viele folgen.