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Reinhold Pleschberger-Schmölzer gießt das Stille und Erhabene der Berge in Musik

Mit „Mountain Time“ hat Reinhold Pleschberger-Schmölzer sein drittes großes Big-Band-Projekt auf CD verewigt. Ein in jeder Hinsicht großer Wurf.

© Unit Records
Reinhold Pleschberger-Schmölzer
Gilbert Waldner

Seit „Reini“ – wie ihn seine Freunde nennen – wieder aus den urbanen Schluchten Berlins und Wiens ins alpine Gelände zurückgekehrt ist, beschäftigt ihn das auch musikalisch. Zwischen Radenthein und Bad Kleinkirchheim aufgewachsen, hat er sich jetzt noch ein Stück weiter ins hochalpine Gelände des Kärntner Katschtals vorgewagt. Dorthin, wo seine Frau Hemma Pleschberger-Schmölzer zu Hause ist. Auf 1.400 Metern Seehöhe und darüber kam ihm zunächst die Idee, Richard Strauss’ Alpensymphonie für Jazzorchester neu zu arrangieren. Aber das hätte ihn dann doch zu sehr eingeschränkt, befand er.

Ausschließlich Eigenkompositionen

Deshalb ist es nun das Album „Mountain Time“ mit ausschließlich Eigenkompositionen geworden. Ab 27. Oktober ist der Titeltrack auf allen Streaming-Plattformen als Single verfügbar, genau einen Monat später erscheint dann die ganze CD beim Schweizer Label „Unit Records“. Dessen Artistic Director, der in Wien lebende Bassist Andreas Waelti, ist Teil der All-Star-Besetzung von vornehmlich österreichischen Jazzmusikerinnen und Jazzmusikern der jüngeren Generation, die der gelernte Drummer Schmölzer in der Saure-Gurkenzeit Anfang Jänner zusammengetrommelt hat.

Ein dreiviertel Jahr hatte allein die Vorbereitung gedauert. Dabei sei das Schreiben der Musik verglichen mit der Finanzierung und der Logistik noch der geringste Aufwand gewesen, seufzt Schmölzer. Einen fünfstelligen Eurobetrag hat ihn das Unternehmen gekostet. Unterstützung kam eigentlich nur vom SKE-Fonds für Komponistinnen und Komponisten der austro mechana.

Reinhold Schmölzer: Mountain Time. Unit, ab 27. 11. im Handel

Aber das Ergebnis ist einzigartig. Und das liegt auch an „Reinis“ Frau Hemma, die in seinen Projekten bisher kaum einmal sichtbar, geschweige denn hörbar wurde. Sie spielt das unter ihren Händen gar nicht mehr so volkstümliche alpine Hackbrett und hat auch ihr eigenes Trio. Hier bringt das Instrument mit seinem fein schimmernden Klang eine ganz besondere Note in den Bigband-Sound. Im Titeltrack „Mountain Time“ kolorierend eng an der Seite von Michael Laggers E-Piano, im spektakulären und abschließenden Balkan-Song „Delizameria“ legt sie es schon bedeutend ausgelassener an. Einem ausgeklügelten und eigens für das Album entwickelten Pickup-System ist es zu verdanken, dass das eigentlich leise Instrument nicht im Furioso des Blechs untergeht.   

Unterrichtet an der GMPU

Der große Posaunist, Tubaspieler, Arrangeur und Professor an der Kunstuni Graz, Ed Partyka, hat Mitte der Nullerjahre bei Schmölzer den Funken fürs Komponieren und die Big Bands gezündet, heute unterrichtet der Drummer das selbst an der Gustav Mahler Privatuni. Wie er im neuen Album mit 19-köpfigem Orchester das Stille, Erhabene, Gefährliche und Gewaltige der Berge in Szene setzt, ist buchstäblich herausragend. Ein derart ambitioniertes und gelungenes Großprojekt hat die Kärntner Musikszene lange nicht mehr gesehen.

© Unit Records
Reinhold Pleschberger-Schmölzer