Familie Bischof läutet in Eisenerz den „Schichtwechsel“ ein
Von Mühlbach am Hochkönig über Landl und den Leopoldsteinersee nach Eisenerz: Karoline Bischof und ihre Familie schlagen mit dem Gasthaus „Schichtwechsel“ ein neues Kapitel in der Gastronomie auf.

„Ich liebe die Ruhe hier in Eisenerz, es ist alles so entschleunigend. Und auch die Leute haben uns gut aufgenommen“, kommt Karoline Bischof über die Stadt am Fuße des Erzbergs ins Schwärmen. Mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Familie hat die siebenfache Mutter, die auch ihr Enkelkind großzieht, das Gasthaus „Schichtwechsel“ in der Lindmoserstraße 1 eröffnet. „Ich sage immer, ich habe sieben bis acht Kinder. Zehn Leute zu bekochen stresst mich also überhaupt nicht“, scherzt sie.
Eigentlich ist Bischof aus Salzburg, genau gesagt aus Mühlbach am Hochkönig. Eisenerz erinnere sie dabei sehr an ihre Heimat, die vom Kupferbergbau geprägt wurde. Mittlerweile habe dort allerdings der Tourismus überhandgenommen. Den 1400 Einwohnern stehen in der Hauptsaison knapp 3000 Gästebetten gegenüber. „Wir sind dann eigentlich vor dem Tourismus geflüchtet“, erinnert sie sich.
Hotel in Landl gekauft
Die gelernte Verkäuferin hat in der Coronazeit etwas Neues gesucht und ist in der Obersteiermark fündig geworden: „Ich habe dann in einer Nacht ein altes Hotel in Landl gekauft und wir sind dann auch dort hingezogen“, erzählt Bischof. Um das Gastronomieangebot im Gesäuse übersichtlicher zu machen, haben sie und ihr Sohn Joachim, der Musiker und Informatiker ist, einen digitalen Assistenten entwickelt. So seien sie auf das Café Schlossgarten am Leopoldsteinersee gestoßen, das einen Pächter gesucht habe.
Aufgrund „unüberbrückbarer Differenzen mit dem Verpächter“ haben sie das Café diesen Sommer geschlossen und sich nach einer anderen Lokalität umgesehen. Das Gasthaus „Schichtwechsel“, in dem sich zuvor die Pizzeria „La Fontana“ befand, soll nun die Wirtshauskultur wieder hochleben lassen: „Ein Gasthaus bedeutet für mich, dass die Leute wieder zusammenkommen und man eine Gaude hat“, schildert die Wirtin, die erst heuer ihre Konzessionsprüfung absolviert hat. Da Joachim Bischof als klassischer Tenor in der Musikbranche gut vernetzt ist, sind auch Musikveranstaltungen geplant. „Ich würde mir einfach wünschen, dass sich die Leute hier unterhalten und einmal das Handy weglegen“, sagt sie.
14 Stunden auf den Beinen
Obwohl die Bürokratie und die langen Arbeitszeiten viele davon abhalten, sich in der Gastronomie selbstständig zu machen, ist Bischof voller Motivation: „Ich bin meistens 14 Stunden am Tag auf den Beinen und bei uns greift die ganze Familie zusammen, sonst würde es nicht gehen. Aber wenn ich so lange Freude daran habe, würde ich das gerne bis zur Pension weitermachen“, so Bischof.
Geboten wird im „Schichtwechsel“ eine kleine Speisekarte mit Hausmannskost – von Cordon bleu über Ripperl bis hin zu Apfelstrudel. Nachdem ein junger Gast während des Probebetriebs den Wunsch nach Pizza geäußert habe, habe sich Bischof auch am Pizzabacken probiert. Die ersten Pizzen wurden an Gäste verschenkt. „Ich koche einfach das, was ich gut kann. Alles, was aus der Küche kommt, ist hausgemacht“, betont die Wirtin und fügt hinzu: „Und wenn am Teller der Gäste nichts mehr drauf ist, dann ist das meine Auszeichnung.“