Peter Polzer: „Mir geht’s um die Musik“
Mit den Songs aus den Blues-Brothers-Filmen und einer elfköpfigen Band feiert Pianist und Urgestein der Kärntner Jazzszene Peter Polzer am Samstag in „seinem“ Jazzclub Kammerlichtspiele den 70er.

Sein verschmitztes Lächeln ist ihm auch nach fünf Jahren Pension nicht vergangen. Und ebenso wenig nach 28 Jahren (1983 bis 2011) in der Rechtsabteilung des Dschungels Klagenfurter Stadtmagistrats. Denn Peter Polzer verfügt über eine klassische Doppelbegabung. Für ihn fordere die Juristerei die Kreativität in ähnlicher Weise wie die Improvisation im Jazz. Erst als ihm die Belastung durch die wachsende Zahl von Unterrichtsstunden zu viel wurde und er sich zwischen seinem ursprünglichen Brotberuf und seiner Leidenschaft, dem Jazz, entscheiden musste, verabschiedete er sich aus dem Klagenfurter Rathaus.
Da war er als Lehrer längst in die Fußstapfen des Mitbegründers der Jazzabteilung am damals noch Klagenfurter Musikkonservatorium getreten: Harry Neuwirth – 2023 verstorben und klavierspielender Jurist wie Polzer selbst, nur, dass Neuwirth die Juristerei nie zum Beruf gemacht hatte. Peter Polzer gehörte gemeinsam mit auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Musikerinnen und Musikern wie der Sängerin Ali Gaggl oder dem Drummer Emil Krištof zur ersten Generation von Jazz-Absolventen am „Konse“, das 1985 mit bekannten Lehrenden wie dem Posaunisten Erich Kleinschuster oder dem Drummer Erich Bachträgl seinen Betrieb aufgenommen hatte.
Gründung des Jazzclubs
Wenn Polzer so in seinen Erinnerungen kramt und vom angenehmen Arbeitsumfeld sowie der bereichernden Unterrichtstätigkeit schwärmt, dann kommt ihm aber vor allem eines in den Sinn: sein Projekt der Gründung des Jazzclubs Kammerlichtspiele im Jahr 2007. Die Stadt Klagenfurt als Förderer und Alfred Laas, Eigentümer des längst aufgelassenen Kinos, als Vermieter hatte er schnell an Bord. Dann ging es ans Umbauen. Polzer mit Familie, dazu einige befreundete Musiker mit handwerklichen Talenten – da steckt enorm viel Eigenleistung drin, außerdem eigenes Geld.
Nachwuchs trifft Stars
Die neue Bühne schuf professionelle Auftrittsmöglichkeiten für den Kärntner Jazz-Nachwuchs, aber genauso internationale Stars wie Drummer Jimmy Cobb, Trompeter Randy Brecker, Sängerin Sheila Jordan oder Saxophonist Bob Mintzer: Der Club, in dem jährlich rund 100 Konzerte stattfinden, hat sich international einen Namen gemacht. 2017 hat Sabine Kristof-Kranzelbinder die Funktion der Obfrau im Trägerverein übernommen und mit ihrem Team das Programm in Richtung Theater und Lesungen erweitert.
In der Organisation und Ermöglichung von Musik hat Polzer schließlich auch so etwas wie seine Bestimmung gefunden. Sein eindrücklichstes Erlebnis waren die drei Tage mit Österreichs Jazzpiano-Legende Joe Zawinul, den er für Jazzworkshops mit Studierenden und drei Konzerte in Klagenfurt, Marburg und Zagreb holte. Als er mit dem damals gesundheitlich schon schwer angeschlagenen Weltstar beim Café im damaligen Moser Verdino saß und versuchte, sich wegen der bescheidenen Gage zu rechtfertigen, meinte Zawinul nur: „Mir geht’s um die Musik.“ Vielleicht sitzt „Pensionist“ Polzer deshalb auch selbst immer noch fast täglich stundenlang am Klavier.
Zum Konzert
Konzerttipp: A Tribute to the Blues Brothers. 70 Jahre Peter Polzer. 24. Oktober, 20 Uhr, Kammerlichtspiele Klagenfurt.