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Handels-KV: Für 420.000 Beschäftigte geht es jetzt um mehr Geld

Am Donnerstag starten die Gehaltsverhandlungen für mehr als 420.000 Handelsangestellte. Die Ausgangslage ist schwierig. Wieder einmal.

© APA
„Krisenabschlüsse“ wie bei den Metallern will die Gewerkschaft im Handel nicht akzeptieren
Manfred Neuper
Wirtschaft

Die traditionelle „Herbstlohnrunde“ geht in diesem Jahr unter ungewohnten Parametern über die Bühne. Zumindest teilweise. Denn die Metaller, auf deren Kollektivvertragsverhandlungen in der Regel ein ganz besonderer Fokus liegt, haben sich im Vorjahr auf einen zweijährigen Krisenabschluss geeinigt. Dieser wurde erst vor wenigen Wochen noch einmal von den Sozialpartnern bestätigt. Mit November steigen die Ist-Löhne und -Gehälter der rund 190.000 Beschäftigten (in den sechs Metaller-Fachverbänden) um 1,9 Prozent und die KV-Löhne um 2,1 Prozent. Die rollierende Inflationsrate wäre bei 3,3 Prozent gelegen.

Doch auch ohne die Metaller zeichnet sich ein durchaus intensiver, potenziell konfliktreicher KV-Herbst ab. Am Donnerstag starten die KV-Verhandlungen für die mehr als 420.000 Angestellten und 19.000 Lehrlinge im österreichischen Handel. „Krisenabschlüsse“ wie bei den Metallern hat die Gewerkschaft GPA im Vorfeld ausgeschlossen. Um 11 Uhr soll es zur Forderungsübergabe kommen. Geht es nach dem Willen der Arbeitnehmervertretung, soll die Einigung nicht unter der rollierenden Jahresinflation von 3,3 Prozent liegen. Die Arbeitgeberseite verweist u. a. auf eine verhaltene Konsumlaune im Land und auf gestiegene Kosten, etwa für Energie.

Schwache Entwicklung der privaten Konsumausgaben

Laut der jüngsten Konjunkturprognose von Wifo und IHS wird heuer tatsächlich mit einer schwachen Entwicklung der privaten Konsumausgaben von plus 0,5 bzw. 0,4 Prozent – auch für 2027 wird nur ein Zuwachs von 0,5 bzw. 0,7 Prozent erwartet. Das Dilemma: Ein Grund liegt laut den Wifo-Ökonomen auch darin, dass die realen Nettolöhne und -gehälter pro Kopf heuer um 1,5 und im nächsten Jahr um 0,2 Prozent zurückgehen. Die Konsumschwäche trifft Österreichs Handelsbranche naturgemäß hart. Die Gewerkschaft sieht darin indes ein wichtiges Argument für Kaufkraftsteigerungen durch hohe Abschlüsse, zumal die vergangenen drei KV-Einigungen jeweils unter der maßgeblichen Inflationsrate geblieben sind.

„Lage nicht einfacher geworden“

Der Ökonom Michael Steiner geht „jedenfalls auch heuer von schwierigen und herausfordernden Verhandlungen“ aus. Sowohl auf Arbeitgeber- als auch Arbeitnehmerseite seien „die Erwartungshaltungen, aber auch die Leiden groß“. Der Hinweis der Gewerkschaft, wonach man in den vergangenen Jahren ohnedies verzichtet habe, sei „nachvollziehbar, andererseits ist aber auch die Lage für die Unternehmen nicht einfacher geworden“, sagt Steiner. Er wolle nicht von einer „Alarmstimmung sprechen, aber die Stimmung ist auf beiden Seiten von Verunsicherung geprägt, die wieder steigende Inflation trifft die Branche und ihre Beschäftigten“. Dass es tatsächlich zu einem KV-Abschluss mit einem vollen Inflationsausgleich kommt, hält Steiner für unwahrscheinlich. Der Experte bringt auch die gesamtwirtschaftliche Perspektive ein. Die jüngsten Konjunkturprognosen würden zwar „kleine Hoffnungszeichen mit sich bringen, sie sind aber auch mit viel Unsicherheit versehen“. Er ortet für die nähere Zukunft weiterhin ganz große Fragezeichen.

© KF Uni Graz
Professor Michael Steiner

Auch in anderen Branchen wird bereits verhandelt, so ging am Mittwoch die zweite Runde im Ringen um einen neuen Kollektivvertrag für die rund 55.000 Beschäftigten in 98 Eisenbahnunternehmen – noch ergebnislos – über die Bühne. Seit der Vorwoche wird auch um höhere Gehälter für die 90.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der IT-Branche gefeilscht.

Branche in Zahlen

Der Mindestlohn im Verkauf liegt derzeit bei 2251 Euro brutto pro Monat. Das durchschnittliche Vollzeitgehalt im Handel beträgt 2586 Euro brutto, was 1949 Euro netto entspricht – bei einer Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden.

Bei einem 25-Stunden-Job sinkt das Netto-Einstiegsgehalt auf 1237 Euro. Im Handel ist die Teilzeitquote besonders hoch – mehr als jeder und jede Zweite hat keinen Fulltime-Job. Zwei von drei Beschäftigten sind Frauen, im Einzelhandel fast drei Viertel.