Nach tödlichem Unfall: Kommt Helmpflicht für den Drauradweg?
Nach erneutem tödlichem Unfall in der heurigen Saison in Osttirol fordert TVB-Obmann Franz Theurl die Helmpflicht. Auch über eine Steuerung der Frequenzen denkt man nach.
Eigentlich ging es in der jüngsten Lienzer Gemeinderatssitzung unter dem Punkt „Allfälliges“ um die verblassende grüne Farbe auf den Radwegen rund um Stadion und Bahnhof. Und um die Frage, ob diese erneuert wird. Den Ursprung der „Italiener-Spur“ erklärte Grünen-Mandatarin Gerlinde Kieberl: „Das ist gemacht worden, als die Brücke zum Bahnhof und die Zufahrt zum Papin-Areal noch im Bau waren. Das war als Zwischenlösung gedacht.“
Zum Hintergrund: Der Teil des R1 Drauradwegs von Innichen in Südtirol nach Lienz ist vor allem bei italienischen Sommerurlaubern extrem beliebt. An Spitzentagen sind es bis zu 4000 Rad-„Tifosi“, die die meist geraden, bergab führenden 44 Kilometer durch das Pustertal rollen. Kein Abschnitt eines Radwegs in Österreich ist stärker frequentiert. Zurück geht es mit dem Zug nach Italien. Die Fahrräder – die allermeisten beim Sportgeschäft Papin in Innichen geliehen – werden im Süden des Bahnhofs bei besagtem Areal abgegeben und reisen in Shuttle-Bussen retour.
„Der Papin hat mir sofort ein böses E-Mail geschickt“
Mit der Lenkung zeigte sich einmal mehr Franz Theurl, Obmann des Tourismusverbands (TVB) Osttirol, unzufrieden. „Die geben ihr Radl ab und gehen zum Zug, das ist nicht unser Modell.“ Als Reaktion installierte man heuer ein Transparent mit der Aufschrift „Centro Storico di Lienz“, um die Radler in die Stadt zu locken. Theurl: „Der Papin hat mir sofort eine böse E-Mail deswegen geschickt“. Aber es hätte Wirkung gezeigt, mehr Italiener zu den Geschäften und Lokalen der City gebracht. Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) warf jedoch ein, dass man die Lenkung einst bewusst so gemacht hätte, weil davor die Stadt voller Räder stand. „Das will auch niemand, auch nicht die Wirtschaft.“
Auch heuer wieder ein Todessturz
Dann ging die Debatte zum wahren Problem mit dem R1 über: Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen. 2025 waren es 85 Stürze mit Verletzungsfolgen, die von der Polizei aufgenommen wurden. 2026er-Zahlen liegen bis jetzt nicht vor. Sie dürften eher gestiegen sein. Alleine im August klagte Theurl gegenüber der Kleinen Zeitung über „zwei bis drei Verletzte pro Tag“. Wie im Vorjahr kam es zu einem Sturz mit Todesfolge. Eine 58-jährige Italienerin erlag im September in der Uniklinik Innsbruck ihren schweren Kopfverletzungen. Sie trug keinen Helm.
Wir müssen überlegen, eine Helmpflicht von der Grenze bis nach Lienz einzuführen. Das steht uns zu
— Franz Theurl, Obmann TVB Osttirol und Listenführer Team Lienz
Für Theurl ist das Fass übergelaufen: „So geht das nicht weiter. Wir müssen überlegen, eine Helmpflicht von der Grenze bis nach Lienz einzuführen. Das steht uns zu. Ohne darf da keiner mehr herunterfahren.“ Aktuell sei die Situation „unverantwortlich“. Der TVB-Obmann führte zudem aus, dass es sich bei Papin um ein gewerbliches Reiseunternehmen handelt und die Haftungsfrage geklärt werden muss. „Wir haben vergangenes Jahr einen Prozess verloren. Papin muss verpflichtet sein, für jeden Leiher einen Haftungsausschluss für unsere Seite zu unterschreiben.“ Theurl droht sogar, den Zugang zum R1 zu limitieren: „Die Unfälle können wir nicht mehr hinnehmen. Und wenn wir die Frequenzen regeln.“
Prospekte für 14.000 Euro blieben liegen
Auch aus wirtschaftlicher Sicht sei das Ganze untolerierbar: „Unsere Gäste zahlen die Infrastruktur.“ Immer mehr E-Biker kämen nach Osttirol, die den R1 gerne nach Italien fahren würden. „Aber die Italiener fahren immer noch zu dritt nebeneinander runter.“ Die vom TVB seit Jahren geforderte Einweisung seitens Papin erfolgt scheinbar nicht oder unzureichend. Man habe sogar für 14.000 Euro selbst Prospekte mit Gefahrenhinweisen und touristischen Angeboten gedruckt. „Der Papin hat keinen einzigen ausgegeben“, zürnte Theurl.
Quer durch die Fraktionen wurden die Zustände auf dem R1 kritisiert, die Bemühungen des TVB aber gelobt. SPÖ-Gemeinderat Willi Lackner erwähnte die heuer aufgemalten Trennstreifen und Richtungspfeile, wünschte gleich weitere Bodenmarkierungen: „Als Radler schaut man nach unten, die Suche nach Schildern ist unbrauchbar.“ Gemeinderätin Kieberl mahnte eine bessere Weiterführung von der Stadt über die Peggetz zum immer beliebter werdenden R1 nach Oberkärnten an: „Die Radlfahrer finden den Anschluss nicht.“
Sicherheitskonzept der Polizei
Theurl versprach, sich dem anzunehmen, wies aber darauf hin, dass die kleinen, grünen Schilder Vorgabe des Landes sind. Und er nimmt den Radwegverein Osttirol, der den R1 betreut, in die Pflicht: „Ich hatte ihnen geschrieben, dass wir keine Beiträge mehr zahlen, wenn sie nicht sofort mit dem Markieren anfangen. Es ist noch immer zu wenig.“ Schlussendlich will man erneut auf Papin zugehen. Jakob Ebner vom Bezirkspolizeikommando wird ein Sicherheitskonzept erarbeiten. Theurl: „Es braucht ein Gespräch auf Augenhöhe. Der Drauradweg darf keine Einbahnstraße sein. Niemals.“