Beschädigte Kickl-Kletterroute: Ideologie am Berg
Linke Aktivisten haben medienwirksam eine Route von FPÖ-Chef Herbert Kickl am Hochschwab abmontiert. Der anstehende Prozess ist von einer ideologischen Debatte begleitet.

Die Aufregung im März des Vorjahres war durchaus groß, doch die dadurch entbrannte ideologische Debatte ist bis dato größer. Es war bekannt geworden, dass linke Aktivisten die Kletterroute „Geheimer Schwob“ am Hochschwab beschädigten. Diese wurde 2020 von FPÖ-Obmann Herbert Kickl mit zwei weiteren Bergsteigern als Erstes begangen und mit Haken versehen.
In einem linken Forum wurde die Aktion als Protest gegen Kickl erklärt, weil man sich „entschlossen gegen seine rechte Ideologie stelle“. Es wurde dabei kritisiert, dass Kickl den Hochschwab mit einer Erstbegehung für seine Selbstinszenierung missbrauchte.
FPÖ sprach von „unglaublichem Vandalenakt“
Die FPÖ hatte daraufhin eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht und sprach von einem „unglaublichen Vandalenakt“: „Diese Tat hätte auch andere Kletterer massiv gefährden können. Es handelt sich hierbei um keinen ‚Protest‘, sondern um eine schwerwiegende Straftat.“
Alpinpolizisten machten sich schließlich zum Tatort auf und bestätigten, dass die Bohrhaken, an denen sich Kletterer beim Aufstieg sichern können, nicht mehr vorhanden waren.
Kickl nicht beteiligt
Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft mündeten Anfang September in einer Anklage. Einer von ursprünglich drei Verdächtigen muss sich am Donnerstag vor dem Brucker Bezirksgericht verantworten. Ihm werden die Vergehen des Diebstahls und der Sachbeschädigung zur Last gelegt.
„Er soll zahlreiche Laschen zum Aufhängen von Karabinersicherungen abgeschraubt und gestohlen haben. Zudem soll er Bohrhaken mit einem Winkelschleifer abgesägt haben. Grundsätzlich ist er geständig“, teilt man beim Brucker Bezirksgericht mit. Kickl selbst ist am Verfahren nicht beteiligt und wird daher vor Gericht auch nicht aussagen. Aussagen wird lediglich der Angeklagte. Zeugen sind keine geladen.
Route komplett abmontiert
Die politischen und ideologischen Komponenten der möglichen Straftat spielen beim Verfahren selbst keine Rolle. Außerdem habe keine besondere Gefährdung bestanden, da bereits beim Einstieg der Route ersichtlich gewesen sein soll, dass es diese quasi nicht mehr gibt. „Es wäre etwas anderes, wenn mitten in der Route die Haken auf einmal fehlen“, sagt Bezirksrichter Michael Auracher.

Hierbei ist auch der Unterschied zwischen Kletterroute und -steig interessant. Erstere kann ein jeder Kletterer selbst am Fels anbringen. Andere Kletterer begehen diese dann auf eigene Gefahr. Anders ist das bei offiziellen Klettersteigen, die von alpinen Vereinen betreut werden.