Sozialbegleiterin: „Das Leben in unserer Gesellschaft ist eine Herausforderung“
Elfriede Kain (72) aus Kammern im Liesingtal ist ehrenamtliche Sozialbegleiterin bei Pro Humanis. Sie erzählt von ihren Erfahrungen und wie sie Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen hilft.

Elfriede Kain ist 72 Jahre alt, wohnt in Kammern im Liesingtal und ist im Ruhestand. Ruhig ist ihr Leben aber keineswegs, denn sie kümmert sich nicht nur nach wie vor um ihre eigene Familie, sondern ist seit 15 Jahren auch ehrenamtliche Sozialbegleiterin bei „Pro Humanis“. Ihre Aufgabe ist es, psychisch beeinträchtigte Menschen in ihrem Alltag zu unterstützen. Dabei gehe es nicht darum, die Menschen verändern zu wollen, sondern eine niederschwellige und verlässliche Beziehung aufzubauen, die den Menschen ihre Einsamkeit und Perspektivlosigkeit nimmt.
„Das Leben ist eine Herausforderung, besonders in unserer erschöpften Gesellschaft“, weiß Kain. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit will sie deshalb einen Beitrag leisten, um das Leben nur ein bisschen zu erleichtern. Alle ihre Klientinnen begleitete sie über mehrere Jahre hinweg, „eine Person habe ich sogar bis zu ihrem Tod begleitet“, erzählt die 72-Jährige.

„Es tut gut, zu reden“
Mit ihrer jetzigen Klientin trifft sie sich ungefähr einmal in der Woche, für ein Gespräch, einen Spaziergang, einen Kaffee oder sogar eine kleine Wanderung. „Es tut den Menschen gut, zu reden. Vor allem mit Klientinnen in meinem Alter kann man sich gut über die Jugend und frühere Zeiten unterhalten“, sagt Kain und ergänzt: „Und es tut auch mir gut, man bekommt so viel Wertschätzung und eine unglaubliche Dankbarkeit zurück.“ Zudem entlaste die Sozialbegleitung auch die Angehörigen der Klientinnen und Klienten.
Eines müsse man als Sozialbegleiterin besonders gut können: Zuhören. Was man bei den Treffen zu hören bekommt, sei aber nicht immer so leicht zu verarbeiten. Kain erklärt dazu: „Diese Herausforderung muss man annehmen, es gibt eben nicht nur Sonnenschein. Ich habe auch nicht das Recht, darüber zu urteilen. Gott sei Dank kann ich mich aber gut abgrenzen.“
Kain wurde kürzlich für ihren 15-jährigen Verdienst bei der Jahresfachtagung von Pro Humanis ausgezeichnet. Besondere Anerkennung erhielten dort auch die Leobenerin Helga Leithold für 25 Jahre und die Leobenerin Sigrid Tropper für fünf Jahre. Reinhard Kostial wurde nach 19 Jahren Vereinszugehörigkeit, in denen er auch Verantwortung im Vorstand und als Obmann übernahm, zum Ehrenmitglied von Pro Humanis ernannt.

Sozialbegleiter gesucht
Bevor man als Sozialbegleitung starten kann, muss eine Schulung absolviert werden. Dabei wird Grundwissen über psychische Erkrankungen, der Umgang mit Betroffenen sowie die Rolle und Aufgabe der Sozialbegleitung vermittelt. Außerdem gibt es auch danach immer wieder Supervisionen und Fortbildungen für Sozialbegleiterinnen und Sozialbegleiter, wo man sich gegenseitig austauschen kann.
Steiermarkweit stehen derzeit 142 Personen auf der Warteliste für Sozialbegleitung, im Bezirk Leoben sind es drei Personen. Insgesamt 13 Begleiterinnen und -begleiter sind in Leoben aktiv. Die nächste Schulung beginnt am 12. März zum Auftakt des 35-jährigen Jubiläums von Pro Humanis.
Eckdaten zur nächsten Schulung
- 1. Modul: 12. und 13. März 2027
- 2. Modul: 23. und 24. April 2027
- 3. Modul: 21. und 22. Mai 2027
Uhrzeiten: Freitag jeweils 15 bis 20 Uhr, Samstag jeweils 9 bis 17 Uhr.
Die Anmeldung ist telefonisch unter 0316 / 82 77 07 oder per E-Mail an office@prohumanis.at möglich.
Die Ausbildung ist kostenlos.