Gewerbe und Handwerk: „Seit vier vollen Jahren unter Wasser“
Erholung in Österreichs Gewerbe- und Handwerk laut aktueller Konjunkturumfrage „in der Straße von Hormuz“ versenkt. Kaum Lichtblicke im dritten Quartal, Pessimismus für das vierte Quartal. Personalstand angespannt, aber stabil.

Die Konjunktur in Gewerbe und Handwerk kommt weiterhin nicht in Schwung. Die noch im Frühjahr erhoffte wirtschaftliche Erholung sei „quasi in der Straße von Hormuz versenkt“ worden, beklagte WKÖ-Spartenobmann Manfred Denk am Dienstag in Wien. Vor allem die Bauwirtschaft als Wachstumslokomotive komme nicht vom Fleck. Bis Jahresende dürften laut Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria Nachfrage, Stimmung und Erwartungen in der gesamten Sparte schwach bleiben.
Bereits im ersten Halbjahr 2026 war im Gewerbe und Handwerk laut Daten der KMU Forschung Austria keine wesentliche Erholung erkennbar. Die Auftragseingänge lagen wertmäßig um 1,8 Prozent und mengenmäßig um 4,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Gleichzeitig erhöhten sich die Preise um 2,7 Prozent. Die Entwicklung innerhalb der Sparte sei jedoch sehr unterschiedlich gewesen, betonte Enichlmair. Während größere Betriebe häufiger von steigenden Auftragseingängen berichteten, überwogen bei Betrieben mit 10 bis 19 Beschäftigten die Rückgänge.
„Schon lange keine nachhaltige Erholung mehr“
Die Skepsis hielt auch im dritten Quartal an. Rund ein Fünftel der Betriebe meldete eine „gute Geschäftslage“, während 28 Prozent ihre Lage als „schlecht“ bezeichneten. „Das einzig Positive ist, dass es keine weitere Verschlechterung der Stimmung gibt“, sagte Enichlmair mit Blick auf die vergangenen Quartale. Investitionsgüternahe Branchen konnten beim Auftragsbestand hingegen durchschnittlich um 1,6 Prozent zulegen. Die kräftigen Zuwächse etwa bei Gärtnern und Floristen seien saisonbedingt und auf Nachholeffekte nach dem kalten Frühjahr zurückzuführen, so die Expertin. Rückgänge gab es vor allem im Baunebengewerbe.
Kaum Lichtblicke gab es indes in den konsumnahen Branchen. Dort gebe es „schon lange keine nachhaltige Erholung mehr“, stellte Enichlmair fest. Immer noch im Minus, aber mit Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, konnten die Mechatroniker die Konjunkturerholung im Ausland für sich nutzen, während die Personaldienstleister vom Sommertourismus profitierten. Die Berufsfotografie befinde sich hingegen „auf Talfahrt“, erklärte die Expertin.
„Irgendwann geht uns dann die Luft aus“
Die Branchen rechnen bis mindestens Jahresende mit keiner Besserung. Nur fast jeder siebente Betrieb erwartet im vierten Quartal eine Auftragssteigerung – und damit deutlich weniger als üblich. In der Regel liege dieser Wert bei rund 20 Prozent, so Enichlmair. Trotz der schlechten Aussichten bleibt jedoch die Lage am Arbeitsmarkt in Gewerbe und Handwerk stabil: 14 Prozent der befragten Unternehmen planen mehr Personal, 79 Prozent wollen den Personalstand konstant halten und 7 Prozent planen weniger Personal, heißt es in der Analyse.
Denk nimmt die Regierung in die Pflicht und fordert Wachstumsimpulse vor allem für die Baubranche. Man befinde sich „seit vier vollen Jahren unter Wasser“ und „irgendwann geht uns dann die Luft aus“, so der WKÖ-Vertreter. Seiner Ansicht nach braucht es „jetzt eine Baustrategie“ für Österreich – dazu zähle nicht nur die Schaffung von leistbarem Wohnraum, sondern auch der Bürokratieabbau und gezielte Investitionen.