Erfundener Überfall am Brucker Bahnhof: Staatsanwaltschaft ermittelt
Ein 25-Jähriger löste in Bruck einen Großeinsatz aus, nachdem er angeblich vor dem Bahnhof überfallen worden war. Jetzt drohen ihm selbst bis zu fünf Jahre Haft.
Es waren aufsehenerregende Szenen, die sich Mitte März in Bruck zutrugen: In der Mittagssonne kreiste damals der Polizeihubschrauber über der Bezirkshauptstadt, während dutzende Streifenwägen am Bahnhof, in der Innenstadt und darüber hinaus patrouillierten. Sie suchten zwei Männer, die vermeintlich einen 25-Jährigen in der Nähe des Bahnhofs ausgeraubt und niedergestochen hatten.
Das mutmaßliche Opfer hatte diese angezeigt und damit eine Großfahndung ausgelöst – offenbar grundlos. Wie sich nun im Zuge von Ermittlungen und einer neuerlichen Konfrontation bei der Zeugeneinvernahme herausstellte, hatte der 25-Jährige aus dem Bezirk Bruck-Mürzzuschlag den Vorfall nämlich frei erfunden und sich sogar seine Schnittverletzungen selbst zugefügt.
Ermittlungen laufen, Motiv unklar
Die Polizei hat ihn deshalb bei der Staatsanwaltschaft Leoben angezeigt, die mittlerweile gegen den Mann ermittelt, wie Sprecherin Viktoria Steinecker der Kleinen Zeitung bestätigt. „Er hat immer wieder Ermittlungsansätze geliefert, die auch recht schlüssig waren, irgendwann bröckelt das Gebilde dann aber. Wir haben wirklich versucht, die Täter zu finden“, erklärt sie.

Konkret werden dem 25-Jährigen nun falsche Beweisaussage, Verleumdung und das Vortäuschen einer mit Strafe bedrohten Handlung vorgeworfen. Im Falle einer Anklage und Verurteilung drohen dem Mann bis zu fünf Jahre Haft. Noch im Dunklen blieb für die Ermittlerinnen und Ermittler bisher die Frage nach dem „Warum“, auch wenn der Mann die Tat bereits zugegeben hat.
Im Zuge einer vollständigen Beschuldigteneinvernahme hofft man noch an Klarheit zu gewinnen. Bisher wurde der 25-Jährige nämlich nur als Zeuge des vermeintlichen Vorfalls vernommen. „Primär geht es bei der Einvernahme als Beschuldigter um die Wahrung des rechtlichen Gehörs, aber auch darum, sein Motiv herauszufinden“, erklärt Steinecker.