WWF-Bodenschutzanalyse ergab "Wildwuchs an Betriebsgebieten"

Neue Betriebsgebiete stehen derzeit insbesondere durch den Boom der Rechenzentren im Fokus, etwa angesichts der Debatte um jenes von Google in Oberösterreich. Anhand offizieller Daten der Raumordnungskonferenz (ÖROK) hat der WWF untersucht, inwiefern die neun Bundesländer die Entwicklung neuer Betriebsgebiete im Allgemeinen steuern. "Kaum" lautet die Antwort: Aus Sicht der NGO liegt hier ein "Wildwuchs" vor, dem mit verbindlichen Vorgaben begegnet werden müsse.
"Die Landesregierungen sollten mit schärferen Regeln gegensteuern und die Nutzung bestehender Standorte zur ersten Wahl machen", wurde WWF-Bodenschutzsprecher Simon Pories am Montag in einer Aussendung zitiert. Denn die Verbauung - in den Jahren 2022 bis 2025 kamen laut WWF österreichweit täglich rund 1,4 Hektar Betriebsflächen hinzu (fast zwei Fußballfelder, Anmerkung) - gehe auf Kosten wertvoller Äcker und Wiesen. Mehr als ein Fünftel des zusätzlichen Bodenverbrauchs geht laut der WWF-Analyse auf Betriebsflächen zurück: Von 2022 bis 2025 lag ihr Anteil österreichweit bei rund 22 Prozent, obwohl sie nur knapp acht Prozent der bisher insgesamt verbauten Fläche ausmachen.
Das Fazit der WWF-Analyse scheint eindeutig, denn alle neun Bundesländer fielen bei diesem durch. In fünf fehlten spezifische, verbindliche Vorgaben für eine bodenschonende Widmung und Bebauung sogar völlig, hieß es unter Hinweis auf das Burgenland, Kärnten, Niederösterreich, Oberösterreich und Tirol. Die übrigen vier Länder würden eine flächensparende Entwicklung nur unzureichend absichern.
Im Gegensatz dazu würden mehrere Bundesländer das Wachstum sogar selbst pushen: "So entwickeln Burgenland, Kärnten und Niederösterreich über landeseigene Gesellschaften neue Gewerbeparks auf bisher unverbauten Böden", schrieb die NGO. Ausnahmen beim Bodenschutz wurden in Oberösterreich und Vorarlberg geortet, wo Betriebserweiterungen teilweise in verordneten Grünzonen möglich seien, in der Steiermark in landwirtschaftlichen Vorrangzonen. Salzburg wolle mit gelockerten Vorgaben die Widmung neuer Gewerbeparks und Logistikzentren gar erleichtern und trotz einzelner Förderprogramme würden häufig wirksame Anreize fehlen, bereits verbaute Flächen vorrangig zu nutzen.
Den größten Betriebsflächenzuwachs von 2022 bis 2025 verzeichnete Niederösterreich mit rund 440 Hektar, gefolgt von Oberösterreich mit rund 370 - beides zwei der fünf Länder ohne große Vorgaben. Es folgt die Steiermark mit rund 360 Hektar - im letztgenannten Bundesland gebe es jedoch zumindest positive Förderansätze. Prozentuell sind die Betriebsflächen in diesem Zeitraum aber im Burgenland am stärksten gewachsen: um fast zehn Prozent. Kärnten weist mit rund 74 Quadratmetern die größte Betriebsfläche pro Kopf auf (Stand 2025). Nur in Wien ging die Gesamtfläche leicht zurück.
Was die eingangs erwähnten Rechenzentren betrifft, so hob der WWF hervor, dass hier trotz ihres hohen Flächen- und Energiebedarfs kaum eigene verbindliche Standortregeln vorliegen würden. Lediglich Niederösterreich verlangt ab drei Hektar eine eigene Verordnung der Landesregierung, eine flächensparende Bebauung sei aber auch hier nicht gegeben. Auch die jüngst präsentierten "Spielregeln" des Burgenlands seien frei von konkreten Vorgaben zu Bodenschutz und Standortwahl.
Für Logistikzentren fehlen eigene raumplanerische Regelungen übrigens sogar in allen neun Bundesländern. "Die Auswirkungen großer Betriebsgebiete reichen weit über Gemeindegrenzen hinaus. Deshalb müssen die Länder die Steuerung übernehmen und wertvolle Böden verbindlich vor der Verbauung schützen", sagt Pories.
Vor jeder Neuwidmung für Betriebsgebiete müssen der Bedarf und mögliche Alternativen streng geprüft werden und Vorrang bei der Entwicklung sollen Leerstände, Gewerbebrachen und bereits verbaute Flächen haben, forderte der WWF daher erneut. Gezielte finanzielle Anreize sollten dabei die bessere Nutzung bestehender Standorte unterstützen.