Pakistan: Gletscher gab Leichnam eines Österreichers nach 40 Jahren frei
Der Oberösterreicher Gerald Fellner war 1985 im Karakorum-Gebirge tödlich verunglückt. Zur Trauerfeier in Pakistan reisten seine vier Brüder an.
Vor über 40 Jahren verunglückte der oberösterreichische Bergsteiger Gerald Fellner tödlich bei einer Tour im Karakorum-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China. Der damals 26-Jährige aus Lambach (Bezirk Wels-Land) nahm an einer Expedition zur Erstbesteigung des 7010 Meter hohen Rakaposhi-Ostgipfels teil, als er am 2. August 1985 beim Abstieg abstürzte und starb. Sein Leichnam wurde damals in einer Gletscherspalte in rund 5000 Metern Seehöhe bestattet. Kürzlich brachte die Gletscherschmelze seinen Leichnam wieder zu Tage, berichtet der ORF Salzburg.
Fellners sterbliche Überreste waren vor zwei Jahren an die Oberfläche geraten, nachdem sich das Eis des Gletschers immer weiter zurückgezogen hatte. Einheimische entdeckten den Leichnam und bestatteten ihn nun in einem Grab im Tal - eine große Erleichterung für die Familie. Sein Bruder Johannes Fellner, der in Salzburg lebt, erklärt: „Wir können uns nun an einen Ort denken oder fühlen. Die Gletscherspalte war ein Irgendwo. Nun haben wir einen konkreten Ort mit dem Grab in Pakistan.“ Im vergangenen Sommer reisten die vier Brüder des Alpinisten - Franz, Wolfgang, Johannes und Andreas Fellner - dorthin, um an der offiziellen Gedenkfeier teilzunehmen.
Brücke trägt Fellners Name
Zur Gedenkfeier zu Ehren von Gerald Fellner kam auch sein Bruder Andreas, der die Einheimischen gegenüber dem ORF als besonders herzlich beschreibt: „Sie haben uns spüren lassen, dass auch der Gerald eine gute Energie hat.“ Eine Brücke auf dem Weg zum Gipfel trägt außerdem nun den Namen des Verstorbenen.
Fellners einstige Lebensgefährtin Karin Frick konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Pakistan mitfliegen. Zur Familie habe sie den Kontakt bis heute aufrechterhalten. Die Trauer um Gerald Fellner vergleicht Frick mit einer Zwiebel, sie habe sie „Schicht für Schicht abgetragen. Und dann blieb der Kern übrig, die Liebe und die Verbundenheit, die bleiben.“ Heute hat sie zwei inzwischen erwachsene Kinder mit einem anderen Mann.
„Glänzende Wand“
Der Rakaposhi-Hauptgipfel liegt mit 7788 Metern Seehöhe auf Platz 26 der höchsten Berge der Welt und erhebt sich knapp 6000 Meter über dem Hunzatal. Sein Name bedeutet „Glänzende Wand“ und spielt auf die extrem steile, schneebedeckte Felswand an. Nach sechs misslungenen Expeditionen wurde der Hauptgipfel 1958 erstmals erfolgreich bestiegen, während Fellner bei einer Expedition des einige Hundert Meter niedrigeren Ostgipfels verunglückte.