Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Udine-Debüt von David Alaba: Pasta am Parkplatz statt Punkte

In Udine trat David Alaba erstmals vor der berühmten Curva Nord auf. Nach 45 Minuten war das Heimdebüt vorbei. Die Kärntner Fans hatten dennoch ihren Spaß, die Ultras nicht.

© Sebestyen
Nach einer 0:3-Niederlage beim Heimdebüt für David Alaba für Udinese Calcio blieb die dritte Halbzeit für die Fans der einzige Höhepunkt
Markus Sebestyen
Redakteur Bundesland Kärnten

Verkochte Pasta wird man hier nicht bekommen. Das wissen alle, die auf die Penne mit Bolognese warten. Nicht im Ristorante, sondern am Parkplatz hinter dem Stadion. 0:3 war Udinese Calcio vorher beim Heimdebüt von David Alaba zerlegt worden. Die dritte Halbzeit dauert traditionell um einiges länger als die beiden davor. „Das war Arbeitsverweigerung. Die haben gegen den Trainer gespielt“, lautet eine oft gehörte Einschätzung. Es würde niemanden wundern, wenn Kosta Runjaić gegen Lecce das letzte Mal an der Seitenlinie stand. „Die Stimmung ist natürlich nicht so gut wie normal, aber wenn die Nudeln und das Bier schmecken, dann haben wir zumindest irgendwas davon“, sagt Anton Achatz, Obmann des "Udinese Club Carinzia“. Auch er merkt, dass Alaba zieht. Für das nächste Spiel gegen AC Milan sind beim Fanclub bereits 350 Ticketanfragen eingegangen.

1 / 7
Die Italiener sorgen für das Essen, die Österreicher für das Bier
Die Italiener sorgen für das Essen, die Österreicher für das Bier © Sebestyen

Über viele Jahre sind auf dem Parkplatz hinter der berüchtigten Curva Nord Freundschaften entstanden. Wenn der „Udinese Club Carinzia“ dort auftaucht, dann kommen sie alle. Allen voran der Stadionsprecher, oftmals mit Spielern im Schlepptau, oder auch die Polizei. Nicht zum Kontrollieren, sondern auf Pasta und ein Bier. „Der alte Polizeichef ist jetzt schon in Pension, aber er hat sich bei uns immer mit ein paar Kisten Bier versorgt und das Leergut brav wieder zurückgebracht“, erzählen die Vereinsmitglieder. Für das Bier sorgen also die Österreicher. Auch die aktuelle Belegschaft der Carabinieri kam auf ein frisch Gezapftes vorbei. Für das Essen sorgen die Italiener. Die Nonnas werden nicht müde, Salami, Mortadella und Schinken für die Jause zu schneiden und ihren Wein unter die Leute zu bringen. Neben vielen Autos wird auch gegrillt.

© Sebestyen
Die Curva Nord hat Alaba erstmals daheim empfangen

23.000 Menschen waren am Sonntag mit dabei. Die neue Nummer fünf hat Italiener wie Österreicher ins Stadion gezogen. Man wollte sich ihn ansehen, den vierfachen Champions-League-Sieger und zehnfachen deutschen sowie zweifachen spanischen Meister. Zum Vergleich: Udinese Calcio hat einen UI-Cup im Trophäenschrank. Von der Curva Nord im Schmuckkästchen mit den bunten Sitzen, das den Betonbau und Schauplatz der Weltmeisterschaft 1990 abgelöst hat, wurde Alaba mit Sonderapplaus empfangen. Die Fanszene ist tief mit der Region verwurzelt. Eng verwurzelt sind auch die österreichischen Fans mit den italienischen. „Sie bewirten uns hier und im Gegenzug empfangen wir sie dann am Villacher Kirchtag. Wir kennen uns alle schon seit vielen, vielen Jahren“, sagt Achatz.

© Sebestyen
Der Eingang der Curva Nord ins „Stadio Friuli“, das offiziell nicht mehr so heißt

Und sportlich? Im Zentrum der Dreierkette versuchte der 34-Jährige Alaba, defensiv das Kommando zu übernehmen und schaltete sich offensiv immer wieder in den Spielaufbau ein. Das frühe 0:1 vor dem Gästeblock der aus dem 1000 Kilometer entfernten Lecce angereisten Fans konnte der Abwehrchef allerdings nicht verhindern. Gleiches galt für das 0:2. Wäre der Wiener noch in Halbzeit eins nach einem Querpass nicht mit einer Grätsche zur Stelle gewesen, hätten sich die Udineser mit 0:3 in die Kabine verziehen müssen. Wo der Mann des Tages zur Verwunderung vieler dann auch bleiben musste. Die zweiten 45 Minuten sah er von der Kabine aus und konnte so zumindest dem Pfeifkonzert entgehen. Besser wurde das Spiel seiner Mannschaft nicht. Mit dem 0:3 nach 90 Minuten blieb Udinese sogar noch von Schlimmerem verschont. Tausende Sitze waren bereits vor dem Schlusspfiff leer. Die Ultras brachten sich bereits vor dem Stadion in Stellung, um Spieler und Trainer beim Verlassen des Stadions in Empfang zu nehmen. Eine Sondereinheit der Polizei versuchte das zu verhindern.

Italien statt Saudi-Arabien

Der nach seinem Vertragsende bei Real Madrid zunächst vertragslose Nationalteamkapitän ist der erste Österreicher, der für Udine auf dem Platz stand. Alexander Manninger und Sebastian Prödl standen zwar unter Vertrag, für einen Einsatz reichte es allerdings nicht. Und Sandi Lovric, in Lienz aufgewachsen und in Graz bei Sturm ausgebildet, entschied sich fußballerisch ja für Slowenien als Heimatnation.

Der Zuschauerschnitt liegt nicht nur dank des Zustroms aus Österreich seit Jahren bei über 20.000. 25.000 passen ins „Bluenergy Stadium“, das nicht nur Fans aber weiterhin Stadio Friuli nennen. Die Namensgebung durch den Energieversorger hat zumindest schon deutlich weniger Fan-Proteste ausgelöst als der Name „Dacia-Arena“ Jahre zuvor. Nicht nur die Österreicher freuen sich, dass sich ein dermaßen hochdekorierter Spieler wie Alaba für eine sportliche Herausforderung samt Nähe zur Heimat und gegen einen Wechsel in die USA oder nach Saudi-Arabien entschieden hat, wo ein Vielfaches des jetzigen Gehaltes gewartet hätte.

1 / 7
© IMAGO/Ettore Griffoni

Der Weg zu alten Höhen ist derzeit allerdings ein weiter. Aus einem Europacup-Starter ist über die vergangenen gut zehn Jahre ein Mittelständler geworden. Nicht nur die Männer vom Club Carinzia aus Feistritz im Gailtal erinnern sich noch gut zurück an die goldenen Zeiten, als Offensiv-Kräfte wie der legendäre Antonio di Natale, Vincenzo Iaquinta, Alexis Sánchez oder Mauricio Isla im Angriff wirbelten. Samir Handanović hielt hinten, was zu halten war. Vor 20 Jahren stand man sogar in der Champions League. Aktuell ist man leider der Serie B deutlich näher. „Wir wären auch da wieder dabei. Auseinandersetzen will ich mich mit dem Abstieg aber nicht. Wir haben den nun schon seit 30 Jahren verhindern können“, sagt Achatz.