Landwirtschaft in Österreich: Gefangen in der Förderfalle

In die Landwirtschaft fließen Milliarden, trotzdem bleiben wirtschaftliche Unsicherheit und psychische Belastung groß. Zeit für einen klareren Fokus in der Agrarpolitik.
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können von solchen Zuwachstraten nur träumen. Um satte 18 Prozent (auf 47.102 Euro je Betrieb) sind in Österreich die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft 2025 im Vergleich zu 2024 im Durchschnitt gestiegen. Verantwortlich dafür waren höhere Erzeugerpreise, größere Erntemengen und gestiegene öffentliche Zahlungen, heißt es im Grünen Bericht des Landwirtschaftsministeriums. Inflationsbereinigt liegen die Einkommen der Bäuerinnen und Bauern trotz dieses kräftigen Anstieges ungefähr auf dem Niveau des Jahres 2010. Zudem beweist das laufende Jahr, wie schnell sich die Lage ändern kann: Trockenheit ließ etwa im Grünland die Ernteerträge um rund ein Drittel zurückgehen.
Stress, Angst, Depressionen
Die psychische Belastung scheint der Einkommensanstieg nicht aufzulösen. Eine Studie der Universität für Weiterbildung Krems zeigt, dass von 2000 befragten Landwirten 28 Prozent über depressive Symptome berichteten – in der Vergleichsgruppe der Allgemeinbevölkerung sind es 21,4 Prozent. Noch deutlicher ist der Unterschied mit 31,1 zu 14,6 Prozent bei Angstsymptomen. Auch Stress und Schlafprobleme sind bei Landwirten häufiger. Ursachen sind etwa finanzielle Unsicherheit und lange Arbeitszeiten.
Die völlig ungesunde Selbstaufopferung, die frühere Generationen in Bauernfamilien demonstrierten, darf heute nicht mehr die Messlatte sein. Landwirtschaft ist ein Geschäft mit Risiken, das durch Klimawandel, starke Preisschwankungen oder steigende Betriebskosten verschärft wird und den Handlungsspielraum der Betriebe einschränkt. Dass trotz hoher öffentlicher Förderungen wirtschaftliche Unsicherheit und psychische Belastung so groß bleiben, zeigt, dass die Agrarpolitik nicht die richtigen Antworten gibt. 2,6 Milliarden Euro an EU-, Bundes- und Landesmitteln flossen 2024 in die österreichische Land- und Forstwirtschaft. Dass vermögende Familien, ihre Unternehmen und Stiftungen von diesen hohen Agrarförderungen profitieren, spricht nicht für Verteilungsgerechtigkeit und Zielgenauigkeit. Das System sollte lieber verhindern, dass immer mehr kleinere Höfe verschwinden.
Alte Strukturen konserviert
Die Zuschüsse liegen je nach Betriebstyp im Schnitt bei 20.000 bis 30.000 Euro. Diese stopfen zu häufig nur kurzfristig Löcher, machen Betriebe aber nicht langfristig widerstandsfähiger. Förderungen, die zum Selbstzweck werden und Strukturen konservieren, die nur mit immer neuen Subventionen überleben, sind problematisch. Sinnvoll sind Förderungen da, wo sie konkrete Leistungen für die Allgemeinheit abgelten und Bauern mehr unternehmerischen Spielraum für Investitionen in ihre Betriebe geben. Notwendig sind zudem faire Handelspartner und wertschätzende Konsumenten.
Dabei ist aber auch eine stärkere Selbstverantwortung der Landwirte gefragt – etwa bei Umweltzielen oder der Absicherung gegen Dürre- und Unwetterschäden. Nicht jedes unternehmerische Risiko kann dauerhaft von der Allgemeinheit getragen werden. Da endet das Verständnis für eine Branche, in der Jammern auch allzu lange Tradition hat.