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Da kann sich Taylor Swift hinten anstellen

Susanne Rakowitz
Redakteurin Kultur & Medien
© Imago

Die Medienbranche ist in der Krise, aber Österreich ist immer noch ein Zeitungsland. Das ist eine gute Nachricht.

Schreiben, das wird nie zu 100 Prozent Routine, darf es wahrscheinlich auch nicht. Da kann es schon mal vorkommen, dass man mitten in der Nacht hochschreckt und sich denkt: Hab ich den Namen wohl richtig geschrieben? Oder hat sich wo im Text ein Hecht (Rechtschreibfehler) eingeschlichen? Ach, segensreiche Website, theoretisch könnte man aus dem Bett springen und, wenn es wahr ist, dass der Hecht im Text groß das Maul aufreißt, ihn schnell rausfischen.

Bei der Printausgabe wird es da schon schwieriger: Wäre ich um 3 Uhr in der Früh aufgewacht, müsste ich quer durchs Land hechten, mich an die Fersen der unermüdlichen Zeitungszustellerinnen und -zusteller heften und theoretisch rund 200.000 gedruckte Print-Zeitungen (Druckauflage) einsammeln. Das wird zeitlich wohl eher eng und so ab 5 Uhr früh müsste ich anläuten und jemandem, der noch im Pyjama ist, erklären, dass ich ihm jetzt die Zeitung wegnehmen muss. Sagen wir mal so, es könnte eher schwierig werden.

666.000 Leserinnen und Leser erreicht die Printausgabe der Kleinen Zeitung jeden Tag (875.000 inklusive digitaler Angebote), wie uns die Media-Analyse diese Woche beschieden hat. Gut, wir alle wissen, die Zahlen waren für alle Medienhäuser schon mal besser, viel besser sogar. Die Medienlandschaft ist im Umbruch, das ist kein Geheimnis, sondern alarmierend. Und dennoch: Würde man alle Leserinnen und Leser an einem Ort versammeln und ihnen die Kleine Zeitung vorlesen wollen, müsste man das Ernst-Happel-Stadion elf Mal füllen – da kann man selbst Taylor Swift, die rekordverdächtig Stadien mit Fans vollpackt, sagen, sie muss sich leider hinten anstellen.

„Wir sind draußen“, den Satz sagen wir in der Kulturredaktion gerne und mit einer gewissen Zufriedenheit am frühen Abend, wenn die Seiten im System grün markiert und für das E-Paper freigegeben sind. Fertig ist die Zeitung da noch lange nicht, aber sie ist im Werden. Und das erstaunlicherweise jeden Tag – und ja, manchmal wundern wir uns selbst, dass jeden Tag eine Zeitung erscheint. Aber auch Zeitungmachen ist nie zu 100 Prozent Routine. Gut so, das hält einen wach.

Das Produkt selbst, das ist jedoch eine Form von Routine. Fixer Teil eines Tagesablaufs und kompakter Informationslieferant. Eine Anti-Bubble, die einem auch das anbietet, das nicht auf einen zugeschnitten ist. Das erweitert verlässlich das Sichtfeld – schon im Pyjama.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag mit viel Lesestoff!

Susanne Rakowitz