Feldkirchner lernte in Japan töpfern und in Kanada schnitzen
Am 31. Oktober öffnet Gabriel Wartbichler sein Atelier am Feldkirchner Hauptplatz. Sein Weg dorthin führte den Bildhauer über die Seidenstraße und Japan bis in die USA und Kanada.

Es war schon als kleiner Junge mit nasser Erde in der Hand, als Gabriel Wartbichler wusste, dass er daraus Skulpturen bauen möchte. Mit 18 fand er im Wald ein Stück Holz, an dem er zu schnitzen begann. Sein Weg war vorbestimmt, der Weg dahin lang – im positiven Sinne.
Der Feldkirchner studierte Kulturwissenschaften in Klagenfurt, verdiente sich am Kulturforum in Brüssel ein paar Groschen nebenbei und wanderte dann nach St. Gallen in der Schweiz weiter, wo er mit einem Master abschloss. „Ich war danach aber noch lange in der Schweiz“, erinnert sich der Bildhauer. Begleitet wurde er stets von seiner damaligen Freundin und jetzigen Frau Sylvia, mit der er seit seinem 18. Lebensjahr ein Herz und eine Seele ist.

Dann allerdings kam 2023 der Moment, der das Leben der beiden für immer verändern sollte. „Wir haben uns entschlossen, eine Weltreise zu machen.“ Bereits ein halbes Jahr vor Reiseantritt kündigten die zwei ihre Jobs. Wartbichler fing dann an, sich komplett auf die Kunst zu konzentrieren. Er machte noch die Abschlussausstellung von der Kunstuni Zürich und los ging die Reise.
Atelier Eröffnung
Samstag, 31. Oktober 2026
11 Uhr: Eröffnung durch Kuratorin Ulli Sturm und Bürgermeister Martin Treffner
14 Uhr: Desirée Jakobitsch liest Texte der Schriftstellerin Tara Meister
Atelier & Ausstellungsraum Gabriel Wartbichler
Hauptplatz 13
9560 Feldkirchen in Kärnten
Der Start der Reise war in Feldkirchen – zu Fuß. Das Ehepaar marschierte den Alpe-Adria-Trail nach Triest. „Wir hatten alles, was wir brauchten, im Rucksack.“ Es ging immer weiter Richtung Osten. Bulgarien, Türkei, bis nach Georgien. Manchmal zu Fuß, manchmal mit Öffis und immer wieder kamen sie per Anhalter durch Eurasien. In Georgien machten sie ein Volontariat in einem Heim für Menschen mit Behinderung. Wartbichler war Werkstättenleiter für Holzarbeiten, seine Frau war in der Nähwerkstatt. „Man lernt, wie wertvoll jedes Leben ist“, sagt er bescheiden. Der letzte Halt vor Weihnachten in der Heimat war dann Kirgisistan, wo die beiden in einer Schule Englisch unterrichteten.

Anschließend ging die Reise auf die andere Seite der Welt. In den USA traten sie den fast 4300 Kilometer langen Pacific Crest Trail an, den sie allerdings nicht ganz abschlossen. Weiter ging es nach Kanada. Hier trafen die zwei auf einen Künstler, der dem Volk der Haida sehr nahe ist. Dieser brachte Wartbichler bei, wie man ein traditionelles Hakenmesser anfertigt, das in der indigenen Kultur mehr ist, als nur ein Werkzeug. „Der Künstler sagte, dass, wenn die Klinge abbricht, aber der Griff noch passt, das Hakenmesser noch immer das gleiche ‚Geschöpf‘ ist.“ Und natürlich lernte er, wie man mit dem Werkzeug richtig schnitzt.

Der letzte und wohl prägendste Stopp auf der Reise war Japan. Ein halbes Jahr verweilten sie dort und der Künstler lernte von zwei Meistern deren Handwerk. Der erste hieß Taiga Mori und war ein Keramikkünstler in 19. Generation. „Er vermittelte mir sein ganzes Wissen". Der zweite Halt war bei Ishihara Yoshisada, einem traditionellen buddhistischen Bildhauer. Dort lernte Wartbichler Techniken, wie sie schon vor hunderten von Jahren praktiziert wurden. „Ich wollte einen Bishamon schnitzen, doch der Meister sagte, dass ich zuerst einen normalen Buddha anfertigen muss. So lernte ich die jahrhundertealten Techniken.“ Mit Handhobel und einem Wasserstein zum Schleifen. Verständigt wurde sich größtenteils auf Englisch, im Notfall auch mit dem Google-Übersetzer.

Und der letzte Stopp auf seiner Reise war auf der Schnitzschule Naschenweng im Mölltal. „Ich habe keine Lehre gemacht, ich habe mir mein Wissen zusammengestückelt. Jetzt habe ich alles gelernt, was ich brauche“, sagt der Weltenbummler stolz. Seine Reise findet nun ein Ende, wo sie vor all diesen Jahren begonnen hat: in Feldkirchen. „Ich wusste, nach dieser Reise kann ich in keinem Büro arbeiten – ich möchte als Künstler leben.“ Seit 1. Jänner ist er selbstständig, am 31. Oktober eröffnet er sein Atelier am Hauptplatz 13. Die Eröffnung ist um 11 Uhr. Um 14 Uhr gibt es eine interessante Lesung und um 20 Uhr endet der Tag im Zeichen der Kunst.
„Mein Atelier ist ein Ort des Kunstschaffens, aber auch der Begegnung. Man braucht kein Kunststudium – nur Interesse und Zeit“, sagt der Bildhauer, der zum Beispiel den Brunnen in Himmelberg angefertigt hat.