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Vermisst, verraten und verloren: Verstörende neue ORF-Serie

Julia Koschitz brilliert im neuen ORF-Sechsteiler „Das Vergessen“, der an die Nieren geht. Sie jagt als Polizistin in einem oberösterreichischen Dorf den Mörder ihrer Nichte.

© ORF/Herbig
Polizistin Pia (Julia Koschitz) im oberösterreichischen Moor: Versteckte der oder die Mörder dort die Leiche ihrer Nichte?
Christian Ude
Redakteur Kultur & Medien

Gerade hat Polizistin Pia eine erschütternde Diagnose erhalten: Bei ihr wurde eine frühe Form von Alzheimer festgestellt. Gleichzeitig wird noch immer nach ihrer verschwundenen Nichte gesucht. Das ist die Ausgangslage im neuen Sechsteiler „Das Vergessen“, eine Koproduktion von ORF und ARD, der sich noch düsterer über den Bildschirm ausbreitet als so mancher Landkrimi. Nicht nur durch die spätherbstliche Moorlandschaft. Zu verbergen hat in dem oberösterreichischen Dorf Engelsberg wohl fast jeder etwas. Da kommen im Laufe der 270 Sendeminuten noch einige Grauslichkeiten zu Tage.

„Ich finde, dass bei dieser Serie die Verbindung zwischen dem Kriminalfall und persönlicher Betroffenheit etwas sehr Besonderes ist“, erklärt Regisseurin Johanna Moder, die die Episoden fünf und sechs inszeniert hat. Bei den ersten vier Folge führte Daniel Geronimo Prochaska Regie. Darf der Zuschauer merken, dass zwei verschiedene Filmemacher auf dem Regiesessel saßen? „Im Idealfall merkt man es nicht. Daniel und ich hatten schnell das Gefühl, dass wir dieselbe Sprache sprechen, dass wir einen ähnlichen Geschmack und ein ähnliches Stilempfinden haben. Wir mögen ähnliche Filme, wir finden dieselben Schauspieler und Schauspielerinnen toll. Das erleichtert die gemeinsame Arbeit enorm", erzählt Moder im Interview mit der Kleinen Zeitung.

© ORF/Herbig
Teilten sich die Regie: Daniel Geronimo Prochaska und Johanna Moder

Was war aber für die schon mehrfach prämierte Steirerin die größte Herausforderung? „Die Bebilderung des inneren Zustandes einer Person, deren Wahrnehmung einer vermeintlichen Realität sich aufzulösen beginnt. Dieser Satz ist schon kompliziert. Und dementsprechend herausfordernd haben wir es empfunden", gesteht Moder. Denn: „Unserer Protagonistin läuft buchstäblich die Zeit davon, weil sie weiß, dass die Krankheit schnell fortschreiten kann und aktuell nicht behandelbar ist. Die Ärzte raten wenig Stress, Struktur, eigentlich Rückzug. Und der Fall unsrer Geschichte fordert von Pia genau das Gegenteil. Dadurch, dass der Mord die eigene Familie betrifft, schafft sie es nicht, sich emotional zu entziehen.“

© ORF/Herbig
„Das Vergessen – Spurlos im Moor“: Leopold Pallua, Anja Pichler, Julia Koschitz, Martina Ebm und Matthias Koeberlin (von links)

Das Regie-Duo musste die richtige Balance finden: Wie sehr gewichtet man das Schicksal einer betroffenen Person im Umgang mit der Diagnose Alzheimer und die persönliche Betroffenheit durch den Tod der Nichte? Und wieviel Raum bekommt die Kriminalarbeit? So ist der Sechsteiler eine packende und tragische Reise zwischen einem Thriller in dörflichem „Jeder kennt jeden“-Umfeld und einem Krankheitsdrama.

Pia rennt um die Wette mit der Zeit und ihren schwindenden Kapazitäten.

— Julia Koschitz über ihre Rolle, Schauspielerin

„Die Welt aus den Augen eines Menschen zu sehen, der sein Gedächtnis verliert, dessen gesamte Erinnerungen schwinden, ist krass und hat für mich wieder neue Fragen über das Leben aufgeworfen“, sagt Julia Koschitz über ihre Rolle der Pia, die die so zusammenfasst: „Sie rennt um die Wette mit der Zeit und ihren schwindenden Kapazitäten.“ Koschitz’ brillante schauspielerische Leistung wird 2027 wohl bei der einen oder anderen Preisverleihung gewürdigt werden.
„Das Vergessen“: Je drei Folgen am 19. und 20. Oktober ab 20.15 Uhr in ORF 1 (immer 24 Stunden vorab auf ORF On).

© ORF/Herbig
„Das Vergessen – Spurlos im Moor“: Julia Koschitz mit Martina Ebm (Mitte) und Anja Pichler