Oststeirische Regionalchefin will nicht nur Mails hin- und herschicken
Seit 1. Oktober ist Gabriele Jahn aus Fürstenfeld neue Chefin der Regionalentwicklung Oststeiermark. Ein Gespräch über Ziele, Herausforderungen und warum sie das Bühnenleben nicht vermisst.
Seit zehn Jahren arbeiten Sie in der Regionalentwicklung. Seit 1. Oktober sind Sie Geschäftsführerin. War das immer Ihr Ziel?
Jetzt könnte ich sagen, das war der Plan (lacht). Aber nein, das war es nicht. Ich habe bei der LAG Thermenland-Wechselland angefangen und für 17 Gemeinden tolle Projekte verwirklichen dürfen, von Pop-Up-Stores bis Wanderwege. Ich habe aber nie daran gedacht, dass ich jemals Chefin werden und mich mit Finanzen, verwaltungstechnischen Dingen oder zwei Landesrechnungshofprüfungen herumschlagen will. Das war nicht mein großer Wunsch.
Warum haben Sie sich trotzdem beworben?
Ich habe vor vier Jahren nach Weiz gewechselt und als Assistenz der Geschäftsführung die Tätigkeit genau kennen gelernt. Nach dem Abgang von Daniela Adler habe ich mich nicht beworben, sondern die Leitung nur interimistisch gemacht. Vielleicht war ich nicht selbstbewusst genug. Als Martin Buchsbaum im Mai 2026 gekündigt hat und im Sommer schon das nächste Arbeitsprogramm und die Finanzplanung fürs nächste Jahr zu erstellen war, habe ich mir gedacht: Jetzt habe ich schon zwei Jahre bewiesen, dass das Werkl weiterläuft, dann kann ich mich auch bewerben.
Sie waren Wunschkandidatin des Vorstandes.
Ja, das hat mich sehr gefreut. Auch mein ganzes Team ist hinter mir gestanden. Das war mir wichtig, sonst hätte ich es nicht gemacht.

Zur Regionalentwicklung Oststeiermark
Die Regionalentwicklung Oststeiermark ist eine organisatorische Initiative und Steuerungseinheit zur Förderung, Vernetzung und Weiterentwicklung der Oststeiermark als Lebens- und Wirtschaftsraum.
Das Gebiet umfasst 66 Gemeinden der Bezirke Hartberg-Fürstenfeld und Weiz.
Der Regionalverband Oststeiermark (körperschaftlicher Zusammensetzung aus den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Vertretern der Region) gibt die strategische Richtung vor.
Die Regionalentwicklung Oststeiermark GmbH setzt diese Beschlüsse operativ um, koordiniert Projekte und begleitet Entwicklungsprozesse.
Das Budget beträgt 1,7 Millionen Euro, die vom Land und Bedarfszuweisungsmitteln kommen.
Es wird gemunkelt, dass es mit dem Vorstand und Ihrem Vorgänger Diskrepanzen gab.
Man sucht immer einen Schuldigen. Das Arbeiten in den Strukturen mit diesen Gremien ist vermutlich nicht für jeden etwas. Bei uns arbeitet man mit dem öffentlichen Geld von 66 Gemeinden, die sehr transparent unterrichtet werden wollen, was damit passiert. Das heißt, dass man nicht alleine werkeln kann.
Für Sie kein Problem?
Ich sehe das positiv und bin froh, dass ich gewisse Entscheidungen zur Diskussion stellen darf.
Die da wären?
Guat Leben, g’scheit Wirtschaften und gemeinsam Genießen. So steht es in unserer Mission 2030 und daran arbeiten wir mit verschiedenen Einzelprojekten, wie Bildungs- und Berufsorientierungsmessen, Jugendreport, unseren zertifizierten Lebensregionen, Metall- und Technikclustern, Standortmanagement, der sanften Alltagsmobilität SAM, der Mint-Pilotregion und vielem mehr. Unsere Probleme in der Region kennen wir ja alle.
Nämlich?
Uns fehlen die jungen Leute, Fachkräfte und Lehrlinge. Aber es bringt nichts, wenn wir nur das Negative sehen, wer will schon in einer morbiden Gemeinde wohnen? Wir müssen positiv bleiben, unsere Stärken zeigen und bündeln, damit die Leute kommen. Wir unterstützen unsere 66 Gemeinden dabei, Ideen umzusetzen, Institutionen und Entscheidungsträger zu vernetzen und Abläufe effizienter zu machen.
Braucht es größere Einheiten?
Ja, wir können schon hier unser Supperl rühren, aber wenn von außen keiner essen kommt, wird es schwierig. Gemeinsam ist man sichtbarer.
Worauf legen Sie als Chefin Wert?
Richtung, Rituale und Regeln. Als Regionalentwicklung muss man auf einer Richtung draufbleiben und die gehört immer wieder gecheckt. Es braucht Regeln, damit jeder auf dem gleichen Level ist und Rituale, weil die sind in den vergangenen Monaten zu kurz gekommen. Da geht es um das Zwischenmenschliche, wenn wer Geburtstag oder ein Jubiläum hat, eine Karte zu schreiben oder ein Ständchen zu singen. Es muss drin sein, dass keiner von 12 bis 12.30 Uhr Termine plant, sondern dass da Mittagspause ist. Wir sind auf der Welt, um Beziehungen zu leben und nicht nur Mails hin- und herzuschicken.

32 Jahre lang standen Sie als Sängerin der Gruppe „Skylight“ auf der Bühne. Geht Ihnen das ab?
Eigentlich nicht. Kleinigkeiten, wie bei einer Taufe oder bei einem Weihnachtskonzert zu singen, mache ich gerne. Aber ich könnte es mir nicht mehr vorstellen, wie früher 20 Maturabälle vor mir zu haben. Seit ich 15 Jahre alt war, habe ich das intensivst gelebt, es gab kein Wochenende, wo ich mehr als vier Stunden geschlafen hätte.
Haben Sie in der Region einen Kraftplatz?
In meinem Garten hinter meinem Haus in Stadtbergen. Ich liebe es dort Leute einzuladen. Das Reden mit Leuten ist mein Aufladen.
Zur Person
Gabriele Jahn, 49 Jahre, drei Kinder, lebt mit ihrer Familie in Fürstenfeld.
Nach der Matura in Güssing war sie in der Buchhaltung tätig, ehe sie 2016 zur Regionalentwicklung wechselte. Von 2016 bis 2022 arbeitete sie als Assistentin der Geschäftsführung bei der LAG Thermenland-Wechselland. 2022 wechselte sie ins Büro nach Weiz (Assistentin der Geschäftsführung). Von August 2025 bis Februar 2026 leitete sie das Team interimistisch. Seit 1. Oktober ist sie offiziell Geschäftsführerin der Regionalentwicklung Oststeiermark.
32 Jahre lang stand sie als Sängerin mit der Band „Skylight“ auf Bühnen in der Steiermark. Im August 2025 gab die Band ihr Bühnen-Aus bekannt.