ETFs mit Rekordzulauf: Aber warum ist das Produkt so populär?
Eigentlich gibt es das Instrument seit den 1990er-Jahren, zurzeit erleben ETFs aber einen regelrechten Nachfrage-Boom. Warum rücken die Fonds gerade jetzt und vor allem bei Jüngeren immer häufiger ins Zentrum einer Veranlagung? Und wo liegen die Risiken? Ein Überblick.

ETF. Drei Buchstaben, ohne die ein Gespräch über Veranlagung heute gefühlt nicht mehr auskommt. Was aber steckt hinter dem Kürzel? Ist der Hype auch in Zahlen abzubilden? Und wo schlummern Chancen und Risiken dieser Investmentklasse? Wir haben uns auf die Suche nach Antworten gemacht.
Fündig geworden sind wir etwa bei Sandro Colazzo, dem Leiter der Vermögensverwaltung bei der BKS Bank. „Der ETF wurde vor allem bei jüngeren Menschen zum Synonym für Investmentfonds“, sagt er über ein Instrument, das es schon seit den 1990er-Jahren gibt, aber erst in den letzten Jahren gehörig Aufwind bekam. ETF steht dabei für „Exchange-Traded Fund“, also einen börsengehandelten Fonds.
Was ist ein ETF überhaupt?
„Beim ETF gibt es sekündlich Preise, während bei einem klassischen Investmentfonds einmal pro Tag ein Preis festgesetzt wird“, sagt Colazzo. Aber: Während eine Kapitalgesellschaft (KAG), die einen klassischen Fonds auflegt, eine Rücknahmeverpflichtung hat, ist das bei einem ETF nicht der Fall. Colazzo: „Will ich verkaufen, braucht es jemanden, der kaufen will.“ Kein Problem, wenn der Markt liquide, die Nachfrage also groß ist. Sollte das aber nicht der Fall sein, können sich sogenannte Geld-Brief-Spannen erhöhen. Sprich: Verkaufs- und Kaufangebote gehen auseinander.

Besonders populär sind zurzeit passive ETFs, also Fonds, die bekannte Börsenindizes wie den MSCI World, den S&P 500 oder auch den österreichischen ATX nachbilden. Diese ETFs kaufen Aktien jener Unternehmen, die im Index gelistet sind. Fällt eines raus, wird die Aktie verkauft. Für die Kunden ist der passive ETF eine Form der Veranlagung, bei der meist verhältnismäßig niedrige laufende Kosten auf eine – für ein einzelnes Produkt – breite Streuung treffen.
ETF ist nicht gleich ETF
Zudem ging es an den Börsen seit der letzten großen Krise 2008 kontinuierlich nach oben. Entsprechend attraktive Ergebnisse brachten auch die Indexfonds. Diese treffen nicht zuletzt auf eine Gesellschaft, die grosso modo stärker in Richtung Wertpapierveranlagung geht. Freilich: Kommt es an den Aktienmärkten wieder einmal zu einem länger dauernden Abwärtsmarkt, könnte der ETF schnell seinen Nimbus verlieren.
Schon jetzt lohnt, wie fast immer in der Veranlagung von Vermögen, auch bei ETFs der Blick aufs Detail. Denn ETF ist nicht gleich ETF. Manche orientieren sich an Rohstoff- oder Anleihenpreisen, zudem wächst das Segment der aktiv gemanagten ETF-Produkte. „Die Bandbreite ist sehr hoch“, betont daher auch Wolfgang Ules, Vorstandsvorsitzender der Security KAG. Ules weiter: „Wir sehen Produkte, bei denen die Kosten 0,03 Prozent des investierten Kapitals ausmachen – aber auch welche, die bei 1,5 Prozent oder mehr liegen.“

Tatsächlich lässt sich die ETF-Dynamik auch in Zahlen fassen. Wurden im Jahr 2008 noch rund 2000 ETFs gezählt, liegt die Anzahl mittlerweile bei über 17.000. Entsprechend stark steigt das verwaltete Vermögen. Ende August wurde laut Zahlen des Beraters ETFGI erstmals die Marke von 24 Billionen US-Dollar übersprungen. Alleine von Jänner bis August 2026 wurden Zuflüsse in Höhe von 1,96 Billionen US-Dollar registriert.
Aber: So vielfältig die Angebotsseite bei den ETFs wirkt, so wenige Anbieter stecken dahinter. Dominiert wird der globale ETF-Markt von ein paar US-Konzernen. Alleine die drei größten – iShares, Vanguard und SPDR – verwalten zwei Drittel des ETF-Vermögens. Zur Vervollständigung: Hinter iShares steht mit Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt.
Obwohl die infrastrukturellen Anforderungen groß sind, überlegen zunehmend auch lokalere Akteure, ETFs aufzulegen. Die Grawe-Bankengruppe, zu der die Security KAG und Wolfgang Ules zählen, will etwa 2027 einen aktiven ETF auf den Markt bringen. Als ein Vehikel, das man Kunden zusätzlich anbieten will. Denn, so Wolfgang Ules, entscheidend seien vor jedem Investment ohnehin zwei grundsätzliche Fragestellungen: „Welche Ziele verfolge ich mit der Veranlagung und welches Risiko kann ich eingehen?“