Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

79-Jähriger Kärntner stieg durchs Fenster in brennende Wohnung

Pensionist aus Kötschach-Mauthen sah Feuer in Nachbarwohnung. „Da kann ein Mensch drin sein“, dachte er, stieg ein und warf einen brennenden Tisch in den Garten.

© Leopold Salcher
Joseph und Anja Rasenberg mit Nachbarin Anna Pedarnig, die die Feuerwehr gerufen hat. Dieses nicht ganz geschlossene Fenster drückte der 79-Jährige auf
Manuela Kalser
Redakteurin, Bundesland Kärnten

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“, ist ein internationaler Bestseller-Roman. Das Leben in Kötschach-Mauthen schreibt andere Geschichten: Über einen 79-Jährigen, der durch das Fenster stieg und einen Großbrand verhindert hat.

Joseph Rasenberg heißt der Mann. „Er hat super reagiert“, lobt Polizeisprecher Werner Pucher. Am Mittwochnachmittag ertönte in der Wohnanlage, in der Rasenberg lebt, der Alarm eines Rauchmelders. „Meine Ehefrau Anja war gerade auf dem Balkon, da hörte sie das Piepsen und hat überall in der Nachbarschaft geguckt, wo es brennt. Dann hat sie mich geholt“, erzählt der 79-Jährige. „Joseph, Du musst schnell kommen, da ist was los“, habe seine Frau gerufen.

„Alles voll mit Rauch“

Gemeinsam mit seiner Gattin und einer Nachbarin hielt er nach dem Feuer Ausschau, dann machte der 79-Jährige eine erschreckende Entdeckung. „Ich habe in einer Wohnung Flammen gesehen.“ Vom Garten aus habe er durch die Glastüre erkennen können, „dass im Wohnzimmer einer Nachbarwohnung vom Tisch Feuer aufsteigt und alles voll mit Rauch ist“. Rasenberg meint: „Ich habe mir gedacht, ich muss schnell was machen. Da könnte ja ein Mensch drin liegen und in großer Gefahr sein.“

Zum Glück befindet sich die Wohnung im Erdgeschoss. „Ich bin rundherum gelaufen und habe ein Fenster gesehen, das nicht 100-prozentig geschlossen war, dann bin ich durch das Fenster reingestiegen in die Wohnung.“ Es war keiner zu Hause, Person war somit keine in Gefahr. „Aber es hat gut gebrannt“, sagt der gebürtige Holländer. Um Schlimmeres zu verhindern, habe er den brennenden Esstisch aus der Wohnung entfernt.

 „Ich habe mir gedacht, ich muss schnell was machen. Da könnte ja ein Mensch drin liegen und in großer Gefahr sein.“

— Joseph Rasenberg

„Ich habe den Esstisch genommen und durch die geöffnete Türe hindurch in den Garten hinaus geworfen und dann habe ich ihn mit Gießwasser aus der Gießkanne im Garten gelöscht.“ Zuvor hatte Rasenebergs Gattin Anja noch dafür gesorgt, dass ein Notruf abgesetzt wird. „Ich habe unsere Nachbarin Anna Pedarnig gefragt, ob sie die Feuerwehr anrufen kann, weil sie kann besser Deutsch als ich“, sagt die 76-jährige gebürtige Holländerin Anja Rasenberg, die übrigens hervorragend deutsch spricht.

Ich habe den Esstisch genommen und durch die geöffnete Türe hindurch in den Garten geworfen 

— Josef Rasenberg

Als die Feuerwehren vor Ort eingetroffen sind, gab es nicht mehr viel für sie zu tun. „Die Feuerwehren Kötschach-Mauthen, Würmlach, Laas und Dellach/Gail mussten nicht mehr eingreifen“, heißt es ganz offiziell im Polizeibericht. Der 79-Jährige hatte den Brand selbstständig gelöscht.

Brennende Kerze vergessen

Ende gut, alles gut. Die Brandursache war auch rasch geklärt: Die Bewohnerin der betroffenen Wohnung hatte eine brennende Kerze am Küchentisch vergessen. Auf dem Tisch waren mehrere Gegenstände, die Feuer gefangen haben, und durch die Rauchentwicklung wurde der Heimrauchmelder ausgelöst. Und dann kam Joseph Rasenberg durchs Fenster. Der 79-Jährige und seine Gattin leben seit sechs Jahren in Kötschach-Mauthen.

„Der Pensionist hat alles richtig gemacht“, sagt Polizeisprecher Werner Pucher. „Er hat sich zuerst ein Bild von der Lage gemacht und dann reagiert. Wichtig ist immer, dass man den Eigenschutz in den Vordergrund stellt, bevor man beherzt eingreift. Man muss immer zuerst prüfen, dass man sich nicht selbst in Gefahr bringt.“ Und zu allererst muss man natürlich die Feuerwehr rufen.

Joseph Rasenberg hat bei der Gelegenheit noch eine Anregung: „Es sollte im Brandfall bei Wohnungen in Wohnblöcken auch von aussen durch Alarmblinker zu sehen sein, in welcher Wohnung es brennt. Damit könnte in Wohnanlagen viel schneller geholfen werden.“ Er und seine beiden Helferinnen mussten nämlich erst von Türe zu Türe eilen und bei jeder Wohnung horchen, wo der Alarm konkret herkommt.