Wien strahlt mit Alcaraz, Basel ist beleidigt
Nach der Absage von Jannik Sinner servieren die Erste Bank Open (ab 26. Oktober) mit Carlos Alcaraz einen anderen Superstar. Konkurrent Basel schaute durch die Finger.

Die 44. Kalenderwoche startet heuer mit dem 26. Oktober und serviert auf der ATP Tour traditionell zwei parallel laufende 500er-Turniere: Die Erste Bank Open in Wien sowie das Swiss Indoors in Basel. Seit jeher matchen sich die beiden Tennis-Spektakel um die bestmögliche Besetzung, gelockt werden die Spieler mit Startgeldern und einem Verwöhnprogramm in und außerhalb der Halle. In den letzten Jahren hatte Wien-Turnierdirektor Herwig Straka hinsichtlich Topspielern gegenüber den Eidgenossen die Nase vorne, konnte er dem Publikum mit Jannik Sinner und Alex Zverev doch gleich zwei Superstars der Szene servieren.
Im Vorjahr duellierten sich am Vogelweidplatz der spätere Sieger Sinner und Zverev auch in einem packenden Finale – und auch für die heurige Auflage konnte Straka wieder beide Kapazunder an Land ziehen. Allerdings musste der zweifache Wien-Sieger aus Südtirol vor zehn Tagen aufgrund anhaltender Knieprobleme die Saison vorzeitig beenden und damit auch der Bundeshauptstadt einen Korb geben. Ein bitterer Dämpfer für Straka, dem nun aber ein anderes Ereignis in die Karten gespielt hat. Weil Houthi-Milizen zuletzt Attacken auf Saudi-Arabien gestartet haben, wurde der für 21. bis 24. Oktober in Riad geplante Six Kings Slam aus Sicherheitsgründen vorerst auf Ende Dezember verschoben.
Damit war Carlos Alcaraz für diesen Zeitraum und die Folgetage plötzlich „arbeitslos“ – und Straka reagierte schnell. „Ich habe mit seinem Management Kontakt aufgenommen und Carlos hat ohne großes Zögern zugesagt. Das ist eine große Auszeichnung für das Turnier“, freut sich der Grazer zu Recht. Immerhin ist „Carlitos“ mit seinen erst 23 Jahren bereits siebenfacher Grand-Slam-Sieger und ein absoluter Fan-Magnet. Der erste Auftritt des Superstars erfolgt am Dienstag (27. Oktober), insgesamt ist es nach 2021 bereits das zweite Stelldichein des 27-fachen Titelträgers in der Donaustadt – damals erreichte er noch als Teenager bereits das Halbfinale, wo er gegen Zverev den Kürzeren zog.
Neben Alcaraz, der heuer vier Monate durch eine Handgelenksverletzung ausgebremst wurde, serviert Wien mit Zverev (der Deutsche könnte nach dem Turnier erstmals den Tennis-Thron besteigen), Daniil Medvedev (RUS/6), Flavio Cobolli (ITA/7), Alex de Minaur (AUS/9) und Frances Tiafoe (USA/10) noch fünf weitere Top-10-Spieler. Aus rot-weiß-roter Sicht hat bis dato nur Jurij Rodionov dank einer Wildcard einen Platz im Hauptbewerb.
Auf den Schlips getreten
Weniger begeistert über den Coup zeigt man sich naturgemäß aus Schweizer Sicht. Wie hoch das Startgeld für Alcaraz ist und ob Basel da nicht mitbieten konnte (oder wollte), ist nicht bekannt. Allerdings fühlen sich die Eidgenossen ein wenig auf den Schlips getreten, hatte Alcaraz doch nach seinen Absagen 2023 (verletzt) und 2025 (Six Kings Slam) versprochen, sein Kommen nachzuholen. Dies hat sich nun aber zumindest bis 2027 verschoben.