„Ondas“: Eine Serie, die Tourismus neu erzählen will
Premiere in Pörtschach: Das Kärntner Projekt „Ondas“ erzählt fiktive Geschichten an realen Orten – im Hochformat, als Mix aus Film, Social Media und Tourismus.

Im Hochformat statt quer, fiktive Geschichten an realen Orten, Identität ersetzt Hochglanzwerbung: Mit „Ondas“ wagt ein Kärntner Kreativteam ein ungewöhnliches Experiment. Die Premiere in Pörtschach zeigt, wie Film, Social Media und Tourismus zusammengedacht werden können.
Am Mittwochabend feierte „Ondas“ im Villi Kino in Pörtschach Premiere. In selbstironischen Sketches erklärt das Team vorab seine Idee: eine ganz normale Serie, wie auf Netflix – nur eben in fünf Minuten. Und im Hochformat, weil quer „des mocht doch kana mehr“. Entstanden sind 14 Episoden zu je drei Minuten. „In ana Stund hast de Serie fertiggechaut“, erklärt Kreativdirektor Lukas Ertl lapidar dem Publikum.
Neues wagen
„Das haben wir immer so gemacht.“ „Aber du musst doch.“ „Was sollen die anderen denken?“ Es sind Sätze, die nicht nur in der Geschichte von „Ondas“ vorkommen könnten. Sie stehen für Erwartungen und festgefahrene Denkmuster, gegen die sich Neues erst einmal behaupten muss. Genau dort setzt das Projekt an: beim Mut, Dinge „ondas“ zu machen – und auch bei der Frage, wie Geschichten heute erzählt werden.

Hinter dem Projekt stehen Drehbuchautorin und Regisseurin Mareike Färber, Lukas Ertl mit seiner Marketingagentur Crazy Monkey, Produzent Jakob Stainer sowie das Biohotel Der Daberer und die Tourismusregion Nassfeld-Pressegger See, Lesachtal und Weissensee (NLW). Gemeinsam wollen sie zeigen, dass es sich lohnt, neue Erzählformen auszuprobieren und Muster aufzubrechen.

Denn „Ondas“ ist kein klassischer Imagefilm und keine gewöhnliche Tourismuskampagne, sondern ein fiktionales Serienprojekt. Die Projektverantwortlichen bezeichnen es als erstes Micro Drama im österreichischen Tourismus. Es soll ausloten, wie weit sich Storytelling auf Social Media denken lässt. Hochformat statt Breitwand, kurze Episoden statt klassischer Serienlänge: Die Geschichte soll dort stattfinden, wo heute geschaut, gescrollt und geteilt wird.
„Die hat doch einen Vogel!“
Wie sich Veränderung anfühlt, erzählt auch die Serie selbst. Im Mittelpunkt steht Marianne, die den Daberer übernehmen soll und eigene Vorstellungen davon hat, wie sie das Hotel führen möchte. Bio, vegetarisch, vegan, zurück zum Handwerk und zum Selbermachen: Sie will neue Wege gehen. Doch der Koch stellt sich gegen sie, auch der Tourismuschef hält wenig von ihren Ideen. „Die hat doch einen Vogel!“ – Marianne muss sich gegen Widerstände behaupten und ihren eigenen Weg finden.

Die Handlung greift Erwartungen, Generationenkonflikte und die Frage auf, wie viel Veränderung bestehende Strukturen zulassen. Damit spiegelt sie den Anspruch des Projekts: Was wäre, wenn man nicht zuerst fragte, warum etwas nicht geht, sondern warum man es nicht versuchen sollte?
Eine Region als erzählte Welt
Muss Werbung immer aus schönen Landschaften, blauem Himmel und perfekt inszenierten Urlaubsmomenten bestehen? Oder lässt sich eine Region nachhaltiger im Gedächtnis verankern, wenn sie Geschichten erzählt, die Menschen berühren?

Für den Tourismus könnte daraus eine neue Möglichkeit entstehen, Kärnten zu präsentieren. Wer sich für Figuren und Konflikte interessiert, entwickelt womöglich auch eine Verbindung zu den Orten, an denen die Geschichte spielt. Ein Hotel wird zum Schauplatz, eine Region zum Teil einer fiktionalen Welt. Das kann Aufmerksamkeit schaffen, die über ein klassisches Werbesujet hinausgeht.

Ob sich daraus tatsächlich neue Gäste und messbare touristische Effekte ergeben, muss sich erst zeigen. Als Pilotprojekt eröffnet „Ondas“ jedenfalls einen Ansatz, der Unterhaltung und Vermarktung verbindet – und eine Region nicht nur zeigen, sondern erzählen will.
Ab Freitag, den 16. Oktober, ist die Serie „Ondas“ auf den Instagram-Accounts vom Tourismusverband sowie vom Biohotel „Der Daberer“ und auch auf dem TikTok-Kanal „ondas“ zu sehen.