21 Milliarden Euro Gewinn in drei Monaten: Der stille KI-Gigant
C. C. Wei steht an der Spitze des mächtigen Unbekannten TSMC. Welche Rolle eine der weltweit begehrtesten Firmen im KI-Zeitalter spielt – und warum der Manager eine Rekordzahl nach der anderen vermeldet.

Dass wir heute tagtäglich über Künstliche Intelligenz (KI) und Anwendungen à la ChatGPT sprechen, wäre unvorstellbar, würde es TSMC nicht geben. Hinter dem Kürzel versteckt sich mit der „Taiwan Semiconductor Manufacturing Company“ ein paradoxes Unternehmen. Eines, bei dem geringe öffentliche Bekanntheit auf enorme ökonomische Bedeutung trifft. „Die wichtigste Firma der Welt, von der Sie noch nie gehört haben“, betitelt die deutsche Zeit ein Porträt über TSMC treffend.
Passend dazu der CEO, der Lenker von TSMC, C. C. Wei. Seit 2018 steht der promovierte Elektroingenieur an der TSMC-Spitze – womit wir bereits an dieser Stelle nahezu alle bekannten biografischen Details preisgeben. Jedenfalls dürfte es ihm an Tagen wie diesen Freude bereiten, über Finanzkennzahlen zu sprechen. Am Donnerstag vermeldete TSMC das sechste Rekordquartal in Folge und machte publik, dass man in den vergangenen drei Monaten ein „Nettoergebnis“ – sagen wir Gewinn dazu – von 21 Milliarden Euro erwirtschaftet hat.

Zu tun hat die rasant wachsende Relevanz TSMCs mit dem weltweit steigenden Bedarf nach Rechenleistung, also nach immer leistungsfähigeren Prozessoren. KI wirkt als Triebfeder dieser Entwicklung. Ob dieser gigantische Aufschwung nachhaltig ist? „Wenn wir dabei nicht sorgfältig vorgehen würden, wäre das für TSMC sicherlich eine große Katastrophe“, sagt Wei dazu mit Blick auf anstehende Milliardeninvestitionen. Der Trend sei „robust“, die Nachfrage „extrem stark“. Ja viel mehr noch, man sehe gerade das „Entstehen einer neuen Industrie“.
Die Rolle der Taiwanesen im KI-Konzert könnte man knapp so beschreiben: Große Namen wie Apple oder Nvidia denken sich Architektur und Design der stärksten Prozessoren aus, aber erst TSMC sorgt dafür, dass sie auch wirklich industriell gefertigt werden. Freilich dank mittlerweile hochkomplexer Produktionsvorgänge.
Gründer, Pionier: Morris Chang
Tatsächlich prägte das 1987 von Halbleiterpionier Morris Chang gegründete Unternehmen ein Geschäftsmodell wie niemand sonst auf dieser Erde: die reine Auftragsfertigung von Halbleitern. Heute wird nahezu jeder High-End-Chip, also die Königsklasse der Mikroelektronik, von den Taiwanesen hergestellt. Eigene Chip-Designs entwickelt und verkauft TSMC nicht.
Für Taiwan wurde die wertvollste Firma Asiens zum geopolitischen Faktor, gewissermaßen zum „Silizium-Schutzschild“, wie es gerne heißt. Käme es zu einer militärischen Eskalation zwischen Taiwan und China, könnte das die weltweite Versorgung mit modernsten Halbleitern massiv beeinträchtigen.
Der Profitabilität von TSMC sind keine Grenzen gesetzt.
— TSMC-Boss C. C. Wei
Trotz wachsender Konkurrenz, vor allem aus Südkorea und China, hält TSMC bei der Auftragsfertigung von Mikrochips einen globalen Marktanteil von mehr als 70 Prozent. Selbst Intel, über lange Zeit hinweg mit Abstand berühmtester Chipproduzent, lässt heute Prozessoren bei TSMC bauen. Wohin die Reise gehen könnte, will eine Analystin am Donnerstag von C. C. Wei wissen. Dessen Antwort spricht Bände: „Der Profitabilität von TSMC sind keine Grenzen gesetzt. Aber eine dramatische Steigerung wird auch nicht über Nacht geschehen.“