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Währungsfonds warnt eindringlich: Weltweite Verschuldung zu hoch

IWF-Appelle auf der Jahrestagung: Die USA müssen sparen, China mehr konsumieren und Europa investieren. Die durchschnittliche weltweite Staatsverschuldung steuert auf die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu.

© IMAGO/Anusak Laowilas
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa 

Der Internationale Währungsfonds hat reichere Länder aufgefordert, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen. IWF-Chefin Kristalina Georgiewa nahm dabei in Bangkok ausdrücklich auch die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in die Pflicht, die USA und China. Die Vereinigten Staaten könnten ihr Schuldenproblem nicht – wie sonst üblich – nur durch mehr Wachstum lösen.

Um die Verschuldung auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen, seien weitere Anpassungen nötig, also etwa bei den Steuereinnahmen oder Ausgaben. US-Finanzminister Scott Bessent erkenne an, dass die US-Defizite und die Gesamtverschuldung von über 40 Billionen Dollar zu hoch seien, so Georgiewa zu Journalisten. Wachstum helfe natürlich, aber es reiche nicht aus.

China müsse sein Geschäftsmodell umstellen – weg von exzessiven Exporten und hin zu einem stärkeren Konsum im Inland. Auch europäische Länder – wie aktuell vor allem Frankreich – gehörten zu den schlimmsten Sündern in puncto Verschuldung. Europa müsse vor allem mehr in die eigene Wettbewerbsfähigkeit investieren. „Ganz einfach ausgedrückt: China muss mehr ausgeben, die USA müssen mehr sparen und Europa muss mehr investieren“, so Georgiewa.

Keine Anzeichen für eine neuerliche Schuldenkrise

EZB-Chefin Christine Lagarde sieht Frankreich beim Lösen seiner Schuldenprobleme in der Pflicht und dämpfte damit Spekulationen über ein Eingreifen der Notenbank am Anleihemarkt. Es liege an der Regierung in Paris, die Anleger zu beruhigen, sagte die Französin dem Sender CNN. „Es gibt besondere Umstände, die dazu führen, dass einige Länder stärker betroffen sind – Frankreich ist hierfür ein Beispiel.“ Die Lösung liege in Frankreich. Französische Staatsanleihen waren zuletzt besonders stark von dem weltweiten Ausverkauf betroffen. Investoren befürchten, dass politisches Gerangel im Vorfeld der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr die Bemühungen der Regierung zur Senkung des Haushaltsdefizits behindern könnte.

EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Rande der IWF-Herbsttagung in Bangkok, es gebe keine Anzeichen für eine neuerliche Schuldenkrise in der Euro-Zone. Die Regierungen sollten aber vorsichtig sein.

Keine Zeit zu verschwenden

Nötig seien Ausgabenkürzungen, ein Abbau der teils sehr hohen Defizite und eine Senkung der Schuldenstände, hieß es in einem neuen Bericht des IWF zur weltweiten Verschuldung. Eine Verzögerung werde die notwendigen Anpassungen in den kommenden Jahren nur erschweren. IWF-Experte Rodrigo Valdes sagte, die Rahmenbedingungen hätten sich geändert. Angesichts der hohen Inflation und steigender Renditen für Staatsanleihen sei Eile geboten. Letzteres macht es für Staaten teurer, neue Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Valdes sagte, der Druck nehme zu. Die durchschnittliche Staatsverschuldung steuere auf die Marke von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu. Dies sei der höchste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg und lasse den Ländern wenig Spielraum. Die Haushaltslage sei in diesem Jahr schlechter als vor sechs Monaten und auch schlechter als vor einem Jahr erwartet. Die Mehrheit der Staaten plane aber eher höhere Ausgaben.

Massiver Anstieg der langfristigen Renditen

„Je länger die Länder warten, desto schmerzhafter wird die Anpassung“, hieß es in einem IWF-Blog. Hohe Ölpreise, eine hartnäckige Inflation und eine stärker als erwartete Nachfrage nach Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) hätten in den vergangenen Monaten zu einem massiven Anstieg der langfristigen Renditen von Staatsanleihen geführt. So sei die durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der G7-Industrienationen zwischen Februar und September um über 110 Basispunkte geklettert und habe damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht.

Laut IWF dürften die durchschnittlichen Kosten zur Finanzierung von Staaten von 2,3 Prozent im Jahr 2021 bis 2031 auf 3,7 Prozent steigen. In den USA dürften die Zinszahlungen 5,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreichen, was in etwa den Ausgaben für die Sozialversicherung entspreche. In ärmeren Ländern sei die Lage noch angespannter. Dort machten die Zinszahlungen heute schon über 15 Prozent der Steuereinnahmen aus, verglichen mit durchschnittlich rund neun Prozent zwischen 2011 und 2019.