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Mehr als Bücherregale: Bibliotheken sind „Trainingscenter für das Lesen“

Bücher ausleihen, Lesungen besuchen, digitale Medien nutzen: Kärntens Bibliotheken bieten weit mehr, als vielen bewusst ist. Das Lesefest „Österreich liest“ soll ihre Angebote ins Rampenlicht rücken.

© Dieter Kulmer
Marianne Fischer
Leitung Kultur & Medienressort Kärnten

„Bibliotheken sind niederschwellige, günstige Trainingscenter für die Kompetenz Lesen“, sagt Andrée Feyertag. Die pensionierte Juristin leitet seit dem Jahr 2020 ehrenamtlich den Bibliotheksverband Kärnten, der sich als Anlauf- und Servicestelle für alle Fragen in Sachen Bücherei in der Weiterentwicklung der Bibliothekslandschaft engagiert. Rund 250 Bibliotheken sind im Bibliotheksverband organisiert, darunter 50 öffentliche, die von den Gemeinden und Städten betrieben werden, sowie 200 Schulbibliotheken. Sie alle leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass „man auch in der digitalen Welt das Lesen von Büchern noch als Grundlagenkompetenz versteht“, so Feyertag. Dabei wundere sie sich oft, „dass viele Menschen gar nicht wissen, dass man hier einen Fast-Gratis-Zugang zu unterschiedlichem Lesestoff hat.“

Literaturfestival „Österreich liest“

Um mehr Menschen auf dieses Angebot aufmerksam zu machen, setzen die Bibliotheken auf das Literaturfestival „Österreich liest“. Zum 21. Mal findet die Initiative heuer statt: Von 19. bis 25. Oktober stehen zahlreiche Lesungen und Workshops auf dem Programm, auch in Kärnten gibt es quer durch das Land Veranstaltungen: „Für uns ist dieses Festival werbetechnisch sehr wichtig, denn die Veranstaltungen werden in ganz Österreich und auch auf Social Media beworben“, so Feyertag.

Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht aus, um die Bibliotheken langfristig zu stärken. Denn während das Festival die Angebote ins Rampenlicht rückt, sind die Voraussetzungen dafür, dass Bibliotheken ihre Aufgaben erfüllen können, höchst unterschiedlich. „Wir haben einige tolle Bibliotheken wie in Spittal oder in St. Veit, aber insgesamt schwankt das Niveau der Ausstattung sehr“, sagt Feyertag. Das liege daran, dass Bibliotheken freiwillige Leistungen von Städten und Gemeinden seien, und „da fehlt es oft an Geld“. Von Standards, die der österreichische Büchereiverband entwickelt hat, sei man in Kärnten zum Teil weit entfernt: „Theoretisch sollte jede Bibliothek ein Buch pro Einwohner im Einzugsbereich haben sowie eine jährliche Erneuerungsquote zwischen sieben und zehn Prozent. Das können die Kärntner Gemeinden aber nicht leisten“, bedauert Feyertag: „Die Erneuerungsquote erreichen eigentlich nur die AK-Bibliotheken in Klagenfurt und Villach.“

Bibliotheksentwicklungsplan

Um die Bibliotheken langfristig zu stärken und ihre Angebote weiterzuentwickeln, wurde der „Kärntner Bibliotheksentwicklungsplan“ erarbeitet, der bis 2030 umgesetzt werden soll. Zu den vorgesehenen Maßnahmen zählt unter anderem eine Ausbildungsoffensive für Kärntner Bibliothekarinnen und Bibliothekare. Neben der Qualifizierung des Personals geht es auch darum, neue Zielgruppen frühzeitig zu erreichen und den Zugang zu Medien zu erleichtern. Bereits umgesetzt wird das Projekt „Buchstart Kärnten“: Eine Buch-Starttasche für Neugeborene kann in öffentlichen Bibliotheken abgeholt werden. „Familien sollen so früh wie möglich unsere Angebote kennenlernen“, betont Feyertag.

Auch unabhängig von einem Besuch vor Ort sollen die Bibliotheken möglichst vielen Menschen offenstehen. Deshalb werden die digitalen Services ausgebaut: Mit der „Digithek Kärnten“ steht eine Plattform zur Verfügung, über die E-Books, Hörbücher und Videos ausgeliehen werden können – parallel haben auch die AK-Bibliotheken ein breites Angebot an E-Medien. Denn ob gedruckt oder digital: Entscheidend sei, so Feyertag, dass möglichst viele Menschen Zugang zu Büchern finden und die Freude am Lesen entdecken.

Österreich liest

Österreich liest. Treffpunkt Bibliothek. Lesungen, Vorträge, Diskussionen etc. von 19. bis 25. Oktober in Österreichs Bibliotheken.
Kärnten. u.a. lesen Magda Kropunig und Tibor Taylor aus dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Max Frisch (20. Okt., 18 Uhr, Universitätsbibliothek Klagenfurt), Mario Kuttnig „Ode an den Jakobsweg“ (20. Okt., 19 Uhr, Bücherei Kleblach-Lind), außerdem mehrere Kinderlesungen (u.a. mit Karin Ammerer, Stefan Karch, Ulrike Motschiunig). Alle Infos:
oesterreichliest.at